Berufsbildung

17. Januar 2019 07:00; Akt: 17.01.2019 10:07 Print

Kantonsrat prangert hohe Kosten für Lehrlinge an

Die Kosten für die Berufsbildung steigen immer weiter an. Dass Lehrlinge selber Notebooks kaufen müssen, stösst SP-Kantonsrat Josef Schuler sauer auf: Er fordert mehr Chancengleichheit.

So haben Lernende ihre Notebooks finanziert. (Video: mik)
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«Die Berufsbildung müsste unentgeltlich sein, damit für die Lernenden Chancengleichheit besteht», sagt Kantonsrat Josef Schuler (SP). Durch die Digitalisierung würden in der Ausbildung mehr Kosten auf die Lehrlinge zukommen – so etwa durch die Einführung der Bring-your-own-device-Strategie (BYOD, «Bring dein eigenes Gerät») des Kantons. «Mit der Einführung von BYOD sind die Berufsauslagen für die Lernenden sprunghaft gestiegen», schreibt Schuler in einem Leserbrief an die LZ. Die BYOD-Politik gibt es übrigens auch an Kantonsschulen.

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«Seither müssen die Lernenden zusätzlich einen eigenen Laptop mitbringen», sagt er weiter. Dadurch fielen im Vergleich zu früher höhere Kosten an. Schuler verweist auf das Bundesgesetz über die Berufsbildung. Dort steht geschrieben: «Der Besuch der Berufsfachschule ist obligatorisch.» Und: «Der obligatorische Unterricht ist unentgeltlich.»

«Oft bezahlen die Eltern, weil sie ihren Kindern die bestmögliche Ausbildung ermöglichen wollen.»

In einer Anfrage an die Regierung will der Kantonsrat nun unter anderem wissen, wie hoch die Bildungskosten in den einzelnen Berufskategorien sind und wie sich diese in den letzten zehn Jahren entwickelt haben.

«Oft bezahlen das die Eltern, weil sie ihren Kindern die bestmögliche Ausbildung ermöglichen wollen», so Schuler zu den Laptops. Wer über ein tieferes Budget verfügt, müsse sich mit einer simpleren Gerät-Variante zufrieden geben.

«Im Sinne der Chancengleichheit müssten die Kosten für die Berufsbildung für alle Lehrlinge ähnlich hoch sein.»

Hinzu kommt, dass je nach Berufsfeld unterschiedliche Kosten anfallen. Wer etwa das KV absolviert, benötige ein weniger leistungsfähiges Notebook als jemand, der ein CAD-fähiges Gerät einsetzen muss. «Im Sinne der Chancengleichheit müssten die Kosten für die Berufsbildung für alle Lehrlinge ähnlich hoch sein», sagt Schuler. Je nachdem wie die Antwort der Regierung ausfällt, will Schuler weitere Schritte unternehmen. Denn: «Es sind enorme Kosten, die für die Ausbildung anfallen.»

«Enorme Kosten, die für die Ausbildung anfallen»

«Die Chancengleichheit beginnt damit, dass sich alle Lernenden mit digitalen Medien auseinandersetzen müssen. Das ist eine Notwendigkeit im heutigen Berufsleben», sagt Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung beim Kanton. Deshalb sei der Einsatz von Notebooks unerlässlich. Auch der Umgang mit Lern- und Kollaborationsplattformen sei wichtig. «Der Kanton hat diese Strategie erarbeitet, um dies zu gewährleisten.»

«Sollte sich jemand kein Notebook leisten können, dann finden wir jeweils Lösungen.»

Derzeit befinde man sich in einer Transformationsphase, wie Spöring sagt. «Es sind rund 250 Berufe, bei denen es verschiedene Anforderungen an die Geräte gibt. Da sind Unterschiede bei den Kosten nicht zu vermeiden», sagt er. «Sollte sich jemand kein Notebook leisten können, finden wir jeweils Lösungen.» Es handle sich um Einzelfälle. Spöring verweist auch auf Stipendien für Lernende, die finanziell schlechter gestellt sind.

«Im Kanton Luzern sind wir fortschrittlich unterwegs.»

Wer weniger Geld zur Verfügung hat, sei deswegen nicht schlechter gestellt. «Wir definieren Minimalanforderungen an die Geräte.» Damit liessen sich alle gestellten Aufgaben und Anforderungen im Unterricht erfüllen.

Je nach Berufsfeld werde teilweise mit Lehrbüchern und Notebooks gearbeitet oder die Umstellung auf digitales Arbeiten sei bereits erfolgt. Spöring hält fest: «Im Kanton Luzern sind wir fortschrittlich unterwegs.» So halte die Digitalisierung auch in den Volksschulen verstärkt Einzug.

Sehen Sie im Video oben, was Berufsschüler zum Thema sagen.

(gwa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kevin Brüderle am 17.01.2019 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Priorität

    Jeder besitzt ein Smartphone, das bestimmt teurer ist, als so manches Einsteiger-Notebook. Da spielt Geld offenbar keine Rolle. Prioritäten setzen...

    einklappen einklappen
  • Daniel am 17.01.2019 08:04 Report Diesen Beitrag melden

    Reduktion der Schulbücher

    Was sind 500 bis 1000 Franken für ein Gerät, wo man auch super privat nutzen kann, im Gegensatz zu CHF 3'000 teuren Bücher, die wir im KV zur Hälfte nicht mal im Unterricht behandelten?

  • Marcel am 17.01.2019 07:17 Report Diesen Beitrag melden

    Jammern

    Hört auf zu jammern. Für den Ausgang, das Rauchen und Alkohol reicht das Geld ja auch!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Maus am 17.01.2019 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Ausbildungskosten

    Meine Eltern könnten keine Lehre absolvieren weil das Lehrgeld nicht aufgebracht werden konnte. Also seid dankbar dass eine Lehre absolviert werden kann. Und für Handy, Ausgang, z.T. Auto im letzten Jahr - kenne mehrere Lernende - reicht es auch.

  • Mike R am 17.01.2019 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Ich sehe das Problem nicht

    Für die Schule reicht ein Gerät bis 500.-. Als ich 98 in die Lehre kam, mussten wir für 350.- einen Taschenrechner kaufen. Die Konsumsklaven müssen halt lernen Prioritäten zu setzen.

  • Jack am 17.01.2019 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chancengleichheit

    In der Mittelschule werden Computer Gratis zur Verfügung gestellt....,,,

  • Sepp am 17.01.2019 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Chefs wollen sparen

    Es wäre eigentlich an den Chefs den Lehrlingen die Notebooks zu bezahlen. Aber die wollen vor allem billige Arbeitskräfte.

  • Wolke am 17.01.2019 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stipendien

    Ich konnte mir währender Lehre keinen Deucker leisten (auch meine Mutter nicht) die waren zu diesem Zeitpunkt noch etwas teuer. Ein einmahliges Stipendium von 500.- hat mir geholfen. Ist das heute nicht mehr möglich? Istbei mir 20 Jahre her...