Nach Lohn-Outing

26. Mai 2015 10:40; Akt: 26.05.2015 17:53 Print

«Mein Vorgehen sei mutig gewesen, wird gesagt»

Am Wochenende machte VBL-Direktor Schmassmann seinen Lohn öffentlich, weil er wegen der ständigen Fragerei genervt war. Er erhält überwiegend positive Reaktionen.

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VBL-Direktor Norbert Schmassmann verdient pro Jahr rund eine Viertelmillion und 10'000 Franken Spesen. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

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Rund 250'000 Franken plus 10'000 Franken Spesen: So viel Lohn erhält VBL-Direktor Norbert Schmassmann pro Jahr, wie er der «Zentralschweiz am Sonntag» verriet. Das Lohn-Outing machte er, nachdem das Stadtparlament am Donnerstag bestimmte, dass die Chef-Löhne der städtischen Betriebe öffentlich sein müssen – Schmassmann nervte sich nachher darüber, dass er ständig nach seinem Lohn gefragt wurde. Deshalb outete er seinen Lohn schon jetzt, obwohl er noch gar nicht müsste.

Als sein Einkommen am Sonntag publik wurde, war Schmassmann nicht in Luzern. Er verbrachte Pfingsten wandernd im Wallis. Seit Dienstag nun hat ihn der Arbeitsalltag wieder. Auf sein Lohn-Outing habe er bisher wohlwollende Reaktionen erhalten. «Die persönlichen Rückmeldungen in Briefen, SMS und Mails waren durchwegs positiv», sagte Schmassmann auf Anfrage. Auch im Betrieb erhalte er Zuspruch von Chauffeuren und anderen Mitarbeitern. «Mein Vorgehen sei mutig gewesen, wird gesagt.» Mit dem Stadtrat, der den Entscheid des Parlamentes politisch umsetzen muss, habe er keinen Kontakt gehabt.

VR-Löhne werden nicht bekannt gegeben

VBL-Verwaltungsratspräsidentin Yvonne Hunkeler wurde vorher von Schmassmann über das Outing informiert. Sie kommentiert es so: «Ich habe Verständnis dafür.» Laut überwiesenem Vorstoss müssen auch die VR-Löhne offengelegt werden – Hunkeler will Schmassmanns Beispiel indes nicht folgen.

«Es liegt ja nicht nur an mir, was offengelegt wird, das müssen wir im VR besprechen», meint sie. «Zentral für mich ist jetzt, dass der Stadtrat zusammen mit den städtischen Betrieben nach Lösungen sucht, wie man die Vorgabe nach Lohntransparenz umsetzt.»

Headhunter hält Lohn für angemessen

Auch Personal-Profis loben Norbert Schmassmann. Sabine Kohler, Beraterin beim Headhunting-Unternehmen Bjørn Johansson Associates, meint zu Schmassmanns Vorgehen: «Transparenz zu schaffen, ist immer ein guter Weg.» Schmassmanns Lohn hält sie angesichts seines Job-Profils übrigens für durchaus angemessen.

Die anderen Chefs der städtischen Betriebe folgen Schmassmanns Beispiel nicht: Energie Wasser Luzern, Viva Luzern (Heime) und Hallenbad AG warten noch zu, wie die «Neue Luzerner Zeitung» berichtet. Alle wollen zuerst mit dem Stadtrat sprechen, der das weitere Vorgehen in Sachen Lohn-Transparenz festlegen muss. Zu erwarten ist, dass dies im nächsten Jahr geschieht.

(mme)