Mutter und Kind ausgeschafft

20. November 2019 18:56; Akt: 20.11.2019 19:03 Print

«Tochter kommt nach Hause und weint um Dana»

Wegen der Ausschaffung der 12-jährigen Dana und ihrer Mutter Luisa wurde eine Petition an den Luzerner Regierungsrat eingereicht. Die Protestierenden sind bestürzt.

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Die Behörden haben die 12-jährige Dana und ihre Mutter Luisa (53) diese Tage nach Belgien ausgeschafft; die beiden Tschetscheninnen waren vorher in Obhut der katholischen Kirche Luzern im Kirchenasyl. Dana besuchte hier eine heilpädagogische Schule.

Über 4000 Unterschriften gesammelt

Gegen die «zwangsweise Ausschaffung» haben Kirchenvertreter, Mitschüler und Lehrkräfte von Danas Schule am Mittwoch protestiert: Die IG Kirchenasyl überreichte dem Luzerner Regierungsrat eine Petition, in der unter anderem gefordert wird, dass so etwas nie wieder passieren dürfe.

Laut Kirchenangaben haben 4000 Personen die Petition unterzeichnet, die «fassungslos und empört» seien. Die katholische Kirche der Stadt Luzern teilte mit: «Wir protestieren gegen das unverhältnismässige Vorgehen und sind sehr enttäuscht, dass die Luzerner Regierung mit einer Härte gegen die Familie vorgegangen ist, die ihresgleichen sucht. Ein ohnehin schwer traumatisiertes Kind wurde von der Polizei aus der Klasse abgeholt und während der Ausschaffung eingeschüchtert.»

«Sie hatte keine Möglichkeit sich von ihren Mitschülern zu verabschieden»

Auch Mitschülerinnen und Lehrkräfte von Dana sind erschüttert: Wie eine Mitarbeiterin der Heilpädagogischen Schule berichtet, wurde Dana in der Mittagspause von zwei Polizistinnen und zwei weiteren Männern auf dem Pausenplatz abgeholt. «Sie hatte keine Möglichkeit, sich von ihren Mitschülern zu verabschieden», so die Frau. Entsprechend geschockt seien Danas Mitschüler gewesen, als sie davon erfuhren: «Meine Tochter kam nach Hause und weinte um Dana», sagt Jeannette Stein. Die Mädchen besuchten zusammen die Heilpädagogische Schule.

Die beiden Kinder seien gute Freundinnen und hätten noch immer telefonisch Kontakt. «Die Angst ist aber da, dass der Kontakt abbrechen könnte», so Stein.

«Die Mitschüler sind verstört»

Auch Nicola Neider, Leiterin Bereich Migration/Integration der Katholische Kirche Stadt Luzern, bestätigt den Schock der Kinder: «Die Mitschüler sind verstört.» Dana sei ein sehr integratives und verbindendes Kind gewesen. Sie habe relativ gut Deutsch gesprochen. «Jetzt muss sie in Brüssel Französisch lernen», sagt Neider.

Erneutes Warten auf Asylverfahren

Das Amt für Migration hatte bereits früher erklärt, man habe nur Entscheide des Staatssekretariat für Migration (SEM) umgesetzt. Dana und ihr Mami sind derweil in Brüssel und warten auf ihr Asylverfahren. Luzerner Kirchenvertreter sind mit ihnen im steten Kontakt.

In den nächsten Tagen soll Neider mit einer Kollegin nach Brüssel reisen um Dana und Luisa Briefe und Geschenke zu überbringen und sie zu unterstützen. «Sie wohnen in einem Asylzentrum und schlafen in einem Massenschlag mit 16 anderen Frauen», wie Neider erklärt. Pro Woche bekomme Luisa sieben Franken und Dana 3.50 Franken, um zu leben, sagte Neider.

(jab)