Güsel auf der Wiese

18. Juli 2019 16:25; Akt: 18.07.2019 16:25 Print

«Keine Lust, mir Pilzchen oder Käferchen zu holen»

Leser sind empört über Badigäste, die ihren Müll liegen lassen. User fordern Massnahmen – oder eine bessere Erziehung.

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Luzerner Badeanstalten kämpfen gegen Kehricht, der liegenbleibt. Die Leser tun ihren Frust kund – oder geben Tipps, wie mit den Güselsündern umzugehen sei. Das eigene Tüechli auf Zigarettenstummeln und klebrigen Glacéstängeli von anderen auszubreiten, darauf ist wohl niemand scharf. Darum erstaunt es nicht, dass in der Leser-Umfrage die meisten Teilnehmer angeben, sie würden ihren Müll ordentlich entsorgen, nämlich 76 Prozent.

Bei rund 800 Teilnehmern gaben 18 Prozent gar an, sie würden auch fremden Güsel einsammeln und wegbringen. Lediglich ein Prozent steht dazu, dass mal was liegenbleibt und fünf Prozent finden: «Ich lasse den Abfall liegen, denn dafür ist das Personal zuständig».

Die Kommentare:

Viele Leser sind sich einig, dass sich sowas nicht gehört. So findet zum Beispiel Leser «Denkpause»: «Die Menschen haben es gänzlich verlernt, die Verantwortung für den eigenen Abfall zu übernehmen, egal wo. Bei denen hat es wohl bei der elterlichen Erziehung gehapert.» Leser «driver» findet: «Das sind die Jungen, die freitags schulfrei machen und für den Klimaschutz demonstrieren», schreibt er. «Aha die Teenager. Und bei nächster Gelegenheit gehen sie demonstrieren», sagt auch «Schämu».

«Divi D.» wehrt sich und schreibt: «Ich bin ich und nicht alle. Sagen wir es mal so: Auch Sie möchten wohl nicht mit allen anderen ihrer Generation in einen Topf geschmissen werden», so der Kommentar. Und weiter: «Die Tatsache, dass verschiedene Leute im gleichen Jahrzehnt geboren wurden, bedeutet noch lange nicht, dass sie deswegen alle gleich ticken, denken & handeln.»

Bussen und Depot gefordert

Einige können mit den öffentlichen Badis grundsätzlich wenig anfangen. «Steff R.» hat sogar hygienische Bedenken und sagt dazu: «Badi – nein danke!!! Ich habe keine Lust, mir irgendwelche Krankheiten, Pilzchen oder Käferchen zu holen. So schweinisch, wie gewisse Leute veranlagt sind und allen Müll liegen lassen, gehe ich davon aus, dass es mit der Körperhygiene derjenigen etwa gleich aussieht. Duschen vor dem Gang ins Wasser ist für viele auch ein Fremdwort.»

Auch «Esther Wirz» besucht eine saubere Badewiese: «Ich als älterer Jahrgang gehe in eine Badi, wo wirklich nur junge Eltern mit ganz kleinen Kinder oder AHV-Teenager baden. Da ist es sauber».

Alle sollen sich an der Nase nehmen

«Luise» hat eine Lösung für die Probleme: «Dann büsst die Leute doch, setzt anonyme Kontrolleure ein, die alles bespitzeln und aufschreiben. Wer erwischt wird, bezahlt 50 Franken, fertig.»

Leser «Hunrod» gibt zu bedenken, dass das Problem nicht neu ist. «Bereits vor bald 30 Jahren war ich Bademeister in einem Bad mit bis zu 4000 Gästen. Schon damals war das mit den Abfall ein Problem. Mit Aufklärung und Gesprächen konnte viel bewirkt werden» so der ehemalige Bademeister. «Einmal sagte ein fünfjähriges Kind zu mir, als es das Glacepapier auf den Boden warf, ich sei ja bezahlt fürs Aufräumen». Auch er sieht das Problem bei der Wertevermittlung: «Das hat das Kind vermutlich von den Eltern gelernt.»

Und ganz ehrlich findet «Gabriela Kovacs»: «Vielleicht sollte sich jeder ein Bisschen an der eigenen Nase nehmen. Keiner hier ist ein Engel und hat noch nie was liegen lassen. Auch ich vermutlich nicht».

(nob)