Obdachlosigkeit

20. Dezember 2011 23:07; Akt: 20.12.2011 21:29 Print

«Nur Grossmutter sorgt sich um mich»

von Lena Berger - Im Interview mit 20 Minuten spricht der obdachlose Luzerner Dominik K.* (26) über sein Leben auf der Strasse.

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Dominik K.* verbringt die Nächte auf der Strasse. (Bild: ber)

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Jetzt ist der Winter angebrochen. Wie verbringen Sie zurzeit die Nächte?
Dominik K.: Ich und ein Kollege haben eine leer stehende Hütte ausserhalb der Stadt gefunden. Vorher waren wir auf einer öffentlichen Toilette – bis wir von der SIP vertrieben wurden.

Gibt es Probleme mit der SIP?

Sie haben mich vom Mühlenplatz-WC in die unbeheizte St.-Karli-Toilette geschickt. Dort ist es aber zu kalt, um zu schlafen. Ich mag nicht, dass sie mir sagen, was ich zu tun habe, obwohl sie keine Ahnung vom Leben auf der Strasse haben.

Wie schützen Sie sich vor der Kälte?
Ich habe einen Schlafsack und zahlreiche Wolldecken.

Warum gehen Sie nicht in die Notschlafstelle?

Die Betreuer dort erwarten, dass du dich wie ein Erwachsener benimmst, behandeln dich aber wie ein Kind. Ich gehe da nur hin, wenn ich krank bin.

Wie sind Sie in die Obdachlosigkeit geraten?
Ich hatte meinen Job als Koch verloren und kurz darauf meine Wohnung. Seit rund einem Jahr lebe ich auf der Strasse – und bin dadurch auch drogensüchtig geworden.

Haben Sie niemanden, der Ihnen Unterschlupf bietet?
Durch meine Obdachlosigkeit und den Drogenkonsum hat sich das mit den Freunden erledigt.

Wie geht es mit Ihnen weiter?
Ich bin auf der Warteliste für einen Entzug. Ich hoffe, danach eine Wohnung zu finden.

Und was machen Sie an Weihnachten?
Vielleicht besuche ich meine Grossmutter, die sich als Einzige noch um mich sorgt.

*Name geändert

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Susi am 21.12.2011 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Der Schritt wär

    zur Sozialhilfe, aber da müsste man sich halt an Regeln halten und vor allem einen Job suchen.

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  • Hans Meier am 21.12.2011 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig aber war

    Es ist schon traurig, dass ein Schweizer Bürger so leben muss. Wäre er aus einer anderen Nation würde Ihm geholfen. So ist unser Alltag in der Schweiz.

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  • emoerker@bluewin.ch am 21.12.2011 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    schlaflose Nächte

    leider ist es manchmal der einzige Weg aus der Sucht wieder heraus zu kommen,wenn die Jungen,eine weile auf der(Gasse)leben müssen.Aus eigener Erfahrung musste ich lernen,auch im Winter meinem Sohn nach vereinbarter zeit nach Hause zu kommen,die Tür nicht mer zu öffnen.Habe manche Tränen vergossen und schlaflose Nächte erlebt,aber es hat sich gelohnt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • RightTed am 22.12.2011 01:45 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Ich finde sowas traurig, vorallem dann, wenn ein Verwandter eigentlich genügend Platz hätte, ihn aufzunehmen. Kein Job, keine Wohnung - keine Adresse, kein Job! Das ist ein Teufelskreis, der fast nicht zu durchbrechen ist! Aber die Schweizer sind halt Egoisten in dieser Hinsicht! Gut, er konsumiert Drogen, das ist überhaupt nicht gut! Drogen waren noch nie gut. Aber im schönen Schweizerländli läuft sowieso einiges nicht so, wie es sollte!

  • Hans Meier am 21.12.2011 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig aber war

    Es ist schon traurig, dass ein Schweizer Bürger so leben muss. Wäre er aus einer anderen Nation würde Ihm geholfen. So ist unser Alltag in der Schweiz.

    • René am 22.12.2011 09:10 Report Diesen Beitrag melden

      War aber Traurig

      Sorry, aber das ist Humbug. Den Obdachlosen und Drogensüchtigen werden in der Stadt Luzern X- Möglichkeiten geboten. Wer sich aber nicht an Gewissen Regeln halten kann oder will, landet unweigerlich auf der Strasse. Da ist eine grosse Selbstverschuldung inbegriffen. Die Nationalität spielt überhaupt keine Rolle.

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  • Hans Satt am 21.12.2011 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Wohnraum

    Darum braucht es endlich Wohungen, die bezahlbar sind und Vermieter, welche nicht nur "seriöse" Leute wählen.

    • nicht satt am 22.12.2011 22:16 Report Diesen Beitrag melden

      Wer bezahlt das?

      Und dann sollten selbstverständlich die Vermieter für die nicht bezahlte Miete aufkommen? Aufgrund Ihres Kommentars würde ich zumindest von Ihnen ein solches Handeln erwarten...

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  • emoerker@bluewin.ch am 21.12.2011 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    schlaflose Nächte

    leider ist es manchmal der einzige Weg aus der Sucht wieder heraus zu kommen,wenn die Jungen,eine weile auf der(Gasse)leben müssen.Aus eigener Erfahrung musste ich lernen,auch im Winter meinem Sohn nach vereinbarter zeit nach Hause zu kommen,die Tür nicht mer zu öffnen.Habe manche Tränen vergossen und schlaflose Nächte erlebt,aber es hat sich gelohnt.

  • marcel Kummer am 21.12.2011 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Dominik

    Lieber Dominik: Dann bleibe bei Deiner Grossmutter, Weihnachten ist ein Zeit zu einem neuen Start, viel Glück. Frohe Weihnachten