Frauen belästigt

21. März 2019 16:30; Akt: 21.03.2019 16:35 Print

«Ohne Pfefferspray gehe ich nicht aus dem Haus»

Mitten am Nachmittag auf offener Strasse belästigen Männer in Luzern junge Frauen. Zwei Betroffene erzählen, was ihnen passiert ist. Und was es in ihnen auslöst.

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«Ich war im Bus und da war ein Mann, von dem ich mich beobachtet gefühlt habe. Er stieg an der gleichen Haltestelle wie ich aus», sagt eine Leser-Reporterin*. Die Haltestelle befand sich in Luzern am Kreuzstutz. «Normalerweise bin ich nicht ängstlich, aber da hatte ich einfach ein komisches Gefühl. Der Mann folgte mir. Ich wechselte die Richtung, um zu schauen, ob ich mich irre. Er wechselte ebenfalls die Richtung. Ich lief also schneller und hängte mich an eine Frau mit Kind. Erst das schien ihn abzuschrecken und er verschwand hinter einem Haus.» Anzeige habe die junge Frau nicht erstattet. «Es ist ja nichts passiert und wahrscheinlich würde man mich für paranoid halten», fürchtet sie.

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«Ich schlug ihm den Arm weg, die Männer lachten»

Es handelt sich nicht um einen Einzelfall. Eine weitere Leser-Reporterin* schildert einen Fall, wo gar körperliche Gewalt im Spiel war. «Ich wurde in einer Unterführung nahe der Luzerner Altstadt beim Kasernenplatz von drei Männern bedrängt. Einer drückte mich an die Wand.» Sie liess sich dies aber nicht bieten: «Ich schlug ihm den Arm weg, die Männer lachten daraufhin. Dann bin ich weggerannt.»

«Seit diesem Vorfall gehe ich nicht mehr ohne Pfefferspray aus dem Haus», sagt die Frau. Grundsätzlich fühle sie sich im idyllischen Luzern sicher. «Trotzdem bin ich nicht so gerne nachts alleine unterwegs. Es kann überall was passieren.»

Sexuelle Belästigung hat zugenommen

Die Polizei nimmt solche Fälle ernst. «Wir erhalten immer wieder Hinweise von Personen, die eine verdächtige Wahrnehmung melden, weil sie sich unwohl oder verfolgt fühlen – sowohl tagsüber wie auch nachts», sagt Kommunikationschef Christian Bertschi von der Luzerner Polizei. Die Statistik zeige, dass es 2018 eine Zunahme von sexueller Belästigung gab gegenüber dem Vorjahr.

Die Polizei empfiehlt Frauen in solchen Situationen, möglichst schnell auf sich aufmerksam zu machen. «Es geht darum, dass man nicht mehr alleine ist», sagt Bertschi. Wenn die Möglichkeit besteht, solle man sofort die Polizei unter 117 anrufen. Im Bus könne man bei Belästigungen den Chauffeur informieren, der via Leitzentrale die Polizei aufbieten kann. Oder man könne andere Passanten um Beistand bitten.

Die Polizei nehme keine Frauen als paranoid wahr, die sich melden. Im Gegenteil, sagt Bertschi: «Lieber einmal zu viel melden als zu wenig. Wir nehmen jeden Hilferuf ernst. Es kann sogar sein, dass bei Vorfällen, die uns nicht gemeldet werden, mutmassliche Täter im Spiel sind, die polizeibekannt sind. Und je mehr Hinweise wir zu solchen Personen haben, desto besser können wir ermitteln.»

Besseres Sicherheitsgefühl

Derweil rüsten sich viele Frauen mit Pfefferspray aus: «Wir verkaufen täglich Pfefferspray an Frauen und Männer, aber schon mehrheitlich an Frauen», sagt Martin Küng, Inhaber von Stampfli Waffen in Luzern. «Es ist legal und das Effizienteste für ein besseres Sicherheitsgefühl. Ich kann es nur jedem empfehlen.»

*Namen der Redaktion bekannt.

(mik)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mia Obrist am 21.03.2019 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    andere Zeiten

    Das ist nun wirklich nichts neues. Es ist auch kein Einzelfall. Als Frau kannst du dich nicht mehr alleine auf die Strasse wagen. Was ist nur aus unserer einst schönen, sicheren Schweiz geworden. Ja liebe Politik, ihr habt versagt, immer schön Tür und Tor offen halten, für alles und jeden.

    einklappen einklappen
  • mixfan am 21.03.2019 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gegenwehr

    Schon Traurig das man sich nicht mehr sicher Bewegen kann. Was ist aus der einst sicheren CH nur geworden?

    einklappen einklappen
  • S.Zeidler am 21.03.2019 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Ic musste in Luzern auch einmal eine Frau von anzüglichen Annäherungsversuchen eines Mannes Schützen da alle Leute rundherum Tatenlos zuschauten also kein Einzelfall in Luzern und der Polizei bekannt

Die neusten Leser-Kommentare

  • jurist1991 am 21.03.2019 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rufschädigung/Macht der Frau

    Kürzlich wurde ich, als ich mit einer Gruppe in einem Zürcher Club einen Geburtstag gefeiert habe, unter Generalverdacht gestellt. Und zwar schaute ich auf mein Handy, schon wurde behauptet ich würde sie filmen oder fotografieren. Ich habe dann nichts zu befürchten gehabt und gab freiwillig mein Handy ab. Der Security Mann fand nichts und kam zum Endschluss, dass mich die Person falsch verdächtigt hatte. Die Person hätte sich strafbar gemacht. Trotzdem obwohl man unschuldig ist, wird man vorverurteilt und es wollte mit mir, kaum noch jemand Kontakt in dem Lokal, dank dieser Frau. Merci vielmals.

  • Spotter007 am 21.03.2019 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Panikmacherei

    Heute darf man ja kaum mehr auf der Strasse eine Frau die einem gefällt anflirten und ansprechen, schon heisst es Belästigung bla bla bla. Auf der Strasse im Alltag kannst du mit wenigem Aufwand am einfachsten situativ Frauen ansprechen und kennenlernen. Solche wo grad gelangweilt aussehen, irgendwo am See sitzen im Café oder so. Zum Glück ist das noch erlaubt und kann nicht verbietet werden. Sehr traurig man darf kaum noch mit jemandem Kontakt aufnehmen, in unserer Gesellschaft wo jeder für sich lebt und am Handy klebt, anstatt miteinander zu Reden.

  • Dr. Pepper am 21.03.2019 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Tipp betreffend Pfefferspray:

    Pfefferspray mit Schaum oder Öl kaufen - nicht der mit dem Spray. Sollte man in einer unsicheren Lage kommen, kann man mit dem Pfefferspray sich selbst in die Hände sprayen. Den eigenen Händen macht es nichts - sollte man angegriffen werden oder der Pfefferspray aus den Händen gerissen werden, so hat man den Wirkstoff bereits in der Hand. Dann muss man nur noch dem Gegner mit der gefüllten Hand ins Gesicht greifen.

  • Resignierter am 21.03.2019 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wird noch schlimmer

    Da war doch der Fall des jungen Schüler, der obszöne Gesten vor der Lehrerin machte und auch Schülerinnen bedrängt haben soll. Reaktion der Eltern: ist doch ein ganz normales Verhalten eines pubertierenden Knaben. Schlussfolgerung: es geht rasant bergab mit unserer Gesellschaft.

  • Laura am 21.03.2019 18:57 Report Diesen Beitrag melden

    Obs wohl

    an der zunehmenden Kulturbereicherung liegt? Speziell da immer mehr Fachkräfte aus Regionen und Kulturen in unser Land spatzieren wo die Frau auch im 21. Jahrhundert noch die zweite Klasse der Gesellschaft ist? Korrigiert micht wenn ich falsch liege, und ich will auf keinen Fall alle in diesen Topf werfen, klar gibt es auch unter diesen Leuten einige zivilisierten, oder solche die es werden wollen. Aber wenn ich mir die zunhemende Getthoisierung und Unwillen zur Integration, vor allem bei der letzten Welle und jüngeren Generation der bereits hier lebenden ansehe....