Kanton Zug

08. Februar 2017 15:37; Akt: 09.02.2017 07:50 Print

«Opfer von Romance Scam wollen aus Liebe helfen»

von Daniela Gigor - Blind vor Liebe: Ein 65-jähriger Zuger überwies seiner unbekannten Internet-Flamme rund 400'000 Franken. Er schlug sogar Warnungen seiner Bank in den Wind.

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Ein Mann wurde via Skype Opfer der Internetbetrugsmasche «Romance Scam». (Bild: Symbolbild)

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Ein Mann aus dem Kanton Zug ist Opfer der Internetbetrugsmasche «Romance Scam» geworden. Der 65-Jährige hatte sich 2016 auf eine amouröse Internetbeziehung zu einer Frau aus Ghana eingelassen und ihr in den vergangenen Monaten insgesamt rund 400'000 Franken überwiesen.

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Während der Kontakte via Skype flirtete die unbekannte Frau zuerst mit dem Mann. Nachdem sie sein Vertrauen gewonnen hatte, berichtete sie ihm von Krankheiten in ihrer Familie. Später erzählte sie ihm die Geschichte von einer vermeintlichen Erbschaft ihres kürzlich verstorbenen Vaters, der ihr 40 Kilogramm Gold hinterlassen habe. Dafür müsse sie nun eine Vermögenssteuer bezahlen, wozu sie ohne Geld aus der Schweiz nicht imstande sei. Der verliebte Senior glaubte ihr – obwohl die Frau nun angeblich Gold im Wert von 1,6 Millionen besass.

X-mal Geld nach Afrika überwiesen

Die Bank des Mannes wurde über die vielen Transaktionen misstrauisch und warnte den Verliebten vor der Betrugsmasche. Es nützte alles nichts: Der Senior, offenbar blind vor Liebe, überwies weiterhin Geld nach Afrika. Nachdem die falsche Geliebte den Kontakt abgebrochen hatte, erstattete der Mann dann aber doch Anzeige bei der Polizei, wie die Zuger Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte.

«Geld wohl für immer weg

Judith Aklin, Kommunikationsverantwortliche der Zuger Polizei, sagt, hier handle es sich um einen besonderen Fall. «Leider gibt es immer wieder Romance Scam, aber eine so hohe, unter Umständen existenzbedrohende Schadenssumme ist aussergewöhnlich. Speziell ist auch, dass die Warnung der Bank ignoriert wurde».

Die Zuger Strafverfolgungsbehörden würden alles daran setzen, die Täter zu ermitteln, Aklin sagt aber: «Man muss davon ausgehen, dass das Geld für immer weg ist. Die Ermittlungen sind erfahrungsgemäss sehr schwierig, da die Täter meist im Ausland sitzen.»

«Die Opfer wollen aus Liebe helfen»

Aklin kann nachvollziehen, dass Romance-Scam-Opfer für naiv gehalten werden: «Nichtbetroffene sehen das vielleicht so. Aber man muss wissen, dass die Täter psychologisch sehr geschickt und perfid vorgehen. Sie bauen über eine längere Zeit tatsächlich eine Beziehung zum Opfer auf und erzählen ihm im Vertrauen eine persönliche, emotionale Geschichte. Die Opfer wollen aus Liebe helfen.» Sie würden aber doppelt betrogen – gefühlsmässig und finanziell.

Bei der Betrugsmasche Romance Scam wird die grosse Liebe vorgespielt. Die Täter suchen ihre Opfer auf Dating-Seiten, Internet-Singlebörsen oder in anderen sozialen Netzwerken aus und umgarnen ihre Opfer mit blumigen und charmanten Worten sowie allen möglichen Versprechen. Kaum haben die Betrüger das Vertrauen der Männer und Frauen erschlichen, geht es nur noch ums Geld. Bei den Begründungen, warum sie dieses benötigen, sind sie dabei nie um Ideen verlegen.