Vögeligärtli

24. Juli 2019 04:54; Akt: 24.07.2019 04:54 Print

«Sie dealen und nehmen Drogen vor den Kindern»

Lebt der alte Luzerner Drogen-Hotspot wieder auf? Eine Frau beobachtete, wie Süchtige im Vögeligärtli dealten und mit Spritzen hantierten.

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C. K.* (26) ist fassungslos. In Begleitung einer Freundin und deren acht Monate alten Tochter war sie vergangene Woche im Vögeligärtli nahe des Luzerner Bahnhofs. Mit ihrem Gottemeitli und deren Mutter setzte sie sich in die Wiese.

«Auf einmal liessen sich in unmittelbarer Nähe von uns etwa sieben Personen auf der Wiese nieder.» Es sei unschwer zu erkennen gewesen, dass es Drogenabhängige waren, sagt K. .

Konsum und Verkauf

Die Gruppe habe in der Folge ungeniert mit dem Konsum von harten Drogen begonnen. «Weisses Pulver wurde konsumiert, eine Pfeife geraucht und eine Frau hielt gar eine Spritze in den Händen», erzählt K. «Ich war konsterniert, wie offensichtlich die Gruppe dabei vorging».

Damit nicht genug: Während den nächsten Minuten sah K. dabei zu, wie mehrere Leute zu der Gruppe stiessen um sich mit Drogen einzudecken: «Unter den Kunden waren auch gut gekleidete Männer, die aussahen wie Banker». Die Süchtigen hätten sich nicht einmal die Mühe gemacht, den Vorgang zu verbergen: «Sie dealen und nehmen Drogen vor den Augen der Kinder», so K. Und Kinder habe es stets viele im Park. K.: «Sie könnten sich an einer herumliegenden Spritze verletzen. Es war befremdlich und ich hatte Angst».

Die Frau beschloss etwas zu unternehmen und verständigte die Polizei. Die Gruppe habe dies aber bemerkt: «Als die Patrouille der Polizei nur fünf Minuten später eintraf, waren alle verschwunden».

Park war Drogen-Hotspot

Für die Frau, die angibt, den Park auch letztes Jahr regelmässig besucht zu haben, ist klar, dass die Drogenszene im Vögeligärtli stark angewachsen ist. Zur Erinnerung: Nach der Jahrtausendwende und in den Folgejahren hatte sich im Park eine zunehmend offene Drogenszene gebildet, was die Politik auf den Plan rief. Nach Zürcher Vorbild wurde 2008 eine Kontakt- und Anlaufstelle für Süchtige eingerichtet. Gleichzeitig wurde die Szene im Vögeligärtli aufgelöst.

Bei der Luzerner Polizei beobachtet man aktuell kein neuerliches Anwachsen der Drogenszene. «Der Aufenthaltsort der Personen aus der Szene, der sichtbare Konsum und Verkauf von Drogen hat auch mit dem Wetter zu tun», sagt Polizeisprecher Urs Wigger. Parks wie das Vögeligärtli gehörten zu den neuralgischen Punkten wie auch der Bahnhof. Die Polizei versuche hier ihre Präsenz so hoch wie möglich zu halten. Dabei sei man dankbar um Hinweise aus der Bevölkerung.

*Name der Redaktion bekannt

(nob)