Surseer Metalband auf Kuba

12. März 2015 15:31; Akt: 12.03.2015 15:32 Print

«Uns wurde sogar Sex für CDs angeboten»

Die Musiker der Surseer Band Sickret lernten auf ihrer Kuba-Tournee eine fremde Welt kennen. Obwohl sie dort niemand kannte, wurden sie gefeiert wie Superstars.

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«Es war eine völlig andere Welt, in die wir dort eingetaucht sind», sagt der Gitarrist der Metalband Sickret Sandro Büchler. Vor kurzem kehrte die Surseer Band von einer 14-tägigen Kuba-Tournee zurück, während der sie acht Konzerte spielten. Bereits am Flughafen hätte der Staat den Surseern einen Empfang bereitet: «Eine Dame vom Kulturministerium holte uns ab. Sie erkundigte sich nach unserem Wohlbefinden und begleitete uns durch den Flughafen», sagt Büchler.

Gefeiert wie Stars wurde die Band aber bei den Konzerten in den Clubs: «Der Enthusiasmus der Kubaner ist unglaublich! Sie waren jeweils vom ersten bis zum letzten Song dabei und tanzten bis in die letzte Reihe. In der Schweiz sind die Zuhörer eher verhalten.» Nach der Zugabe war der Auftritt aber noch nicht fertig: Die Leute warteten vor der Bühne auf Autogramme und wollten Fotos machen. «Manchmal schrien und pfiffen die Leute nach uns, das war fast etwas unheimlich. Beim ersten Konzert haben die Zuhörer sogar die Bühne gestürmt», sagt Büchler. Dass die jeweils bis zu 1000 Kubaner derart in Ekstase gerieten, eklärt er so: «Bei uns gibts eine grosse Auswahl: Man kann täglich verschiedenste Konzerte besuchen. In Kuba aber sind Konzerte ausländischer Bands eine Seltenheit.»

Zuhörer reissen sich um Merchandiseartikel

Die Merchandise-Artikel waren denn auch schnell vergeben: «Die CDs und Shirts rissen uns die Leute fast aus den Händen». Zum Dank hätte es oftmals Umarmungen oder gar einige Tränen gegeben. «Uns wurde sogar Sex für CDs angeboten.»

Mögliche Gründe für den Enthusiasmus der Kubaner gibt es einige. So war Rockmusik in Kuba bis 2008 faktisch verboten gewesen. Auch heute haben nur wenige Einwohner Zugang zum Internet – und den lokalen Bands fehlt es dort an Grundausstattung. «Mehrere lokale Musiker fragten uns, ob wir einige Saiten oder Drumsticks übrig hätten, die wir ihnen schenken könnten».

Nach Bastelei – Drummer erlitt Stormschlag

Doch nicht nur den lokalen Bands fehlt es an Equipment, auch die Infrastruktur der Clubs scheint aus einer anderen Zeit: «Die technischen Geräte sind eher veraltet.» Wenn etwas nicht passe, werde es passend gemacht: «Stromstecker, die nicht passen, werden kurzerhand demontiert und die Kabel direkt in die Dose gesteckt. Das hat uns erschreckt, da fühlt man sich auf der Bühne nicht wohl», sagt Büchler. Trotzdem hätte die Band die Tour heil überstanden – nur der Drummer hätte einmal einen Stromschlag erlitten.

Kaum zurück, steht schon die nächste Tour an

Die Surseer waren jedoch bei ihrer Tour nicht allein unterwegs: Sie teilten sich die Bühne jeweils mit drei französischen, einer ungarischen und einer kubanischen Band. Organisiert wurde die Tour von einem Franzosen, der seit 20 Jahren auf Kuba lebt. «Er organisiert die Tour zwei Mal jährlich und lädt dazu europäische Bands ein.» Eine befreundete Band hätte schon einmal bei einer solchen Tour mitgemacht, den ersten Kontakt mit dem Tourmanager hätte man via Facebook hergestellt. Bezahlt hätten sie die Reise dabei selbst.

Kaum zurück, steht für die vier Surseer bereits die nächste Tour an: Im März und April spielen sie elf Konzerte in Deutschland, Tschechien und Polen. Dort wird wohl kaum Sex für CDs angeboten.

(gwa)