Wolhusen LU

15. Dezember 2019 18:08; Akt: 15.12.2019 18:21 Print

Explosions-Opfer (16) liebte Sprengstoff-Tests

Selbst gebastelte Sprengmittel und unbekannte Substanzen: Der Jugendliche, der bei einer Explosion in Wolhusen LU verletzt wurde, hat schon früher damit experimentiert.

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Am Samstagnachmittag ereignete sich in einer Wohnung eines Zweifamilienhauses in Wolhusen LU eine Explosion. Dort fand die Polizei später diverse pyrotechnische Gegenstände, gebastelte Sprengmittel und unbekannte Substanzen. Bei der Explosion wurde ein 16-Jähriger schwer verletzt.

«Böse Absichten hatte er definitiv nicht»

Beim verunfallten Jugendlichen handelt es sich um R. B.* (16), der eine Lehre zum Polymech macht. Zum Verhängnis dürfte ihm seine Begeisterung für Sprengstoff geworden sein, wie Kollegen berichten. «Er war wirklich fasziniert von Sprengmitteln, auch bei einer Kiesgrube hatte er schon damit experimentiert», sagt ein Kollege von R. Woher R. die nötigen Substanzen dafür hatte, wisse er nicht. R. habe aber früher schon selber Luftgewehre gebastelt, so der junge Wolhuser weiter. Das Interesse für Sprengstoff von R. sei ein Hobby gewesen, mehr nicht. «Böse Absichten hatte er damit definitiv nicht.»

Weiter sagt der Kollege, dass sein verunfallter Freund bereits operiert worden sei. «Mit ihm sprechen konnte ich aber noch nicht.» Ein anderer Kollege von R. bestätigt, dass dieser immer Freude an Experimenten hatte und erwähnt ebenfalls die Luftgewehre als Beispiel.

«Ich sah einen Feuerball, es wurde sehr hell»

Im Spitalquartier, wo R. wohnt, sitzt der Schock tief. Ein Anwohner sagt: «Das ist furchtbar tragisch und tut mir sehr leid für die Familie. Er war schon immer ein Tüftler, hatte etwa ein Rennauto und interessiert sich für Motoren. Er ist ein gäbiger Bursche», sagt der Anwohner.

Eine andere Anwohnerin bestätigt, dass R. B. ein umgänglicher Nachbarsbub sei. Sie hat die Explosion miterlebt: «Es gab einen Knall und einen Feuerball, es wurde sehr hell.» Es sei im Quartier bekannt, dass der Verunfallte eine Vorliebe für Tüfteleien habe.

Wie gelangte der 16-Jährige an die Substanzen?

Laut Christian Bertschi, Kommunikationschef der Luzerner Polizei, wird derzeit untersucht, ob es der 16-Jährige selber war, der sich die erwähnten Substanzen beschaffte oder allenfalls eine Drittperson. Ebenfalls werde nun ermittelt, unter welchen Umständen genau sich die Explosion ereignete. Konkret, ob der Teenager selber damit hantierte oder ob sich allenfalls weitere Personen in der Wohnung befanden.

Sicher ist: Sich Sprengstoff legal zu beschaffen, ist nicht ganz einfach. Wer auf legalem Weg Sprengstoff kaufen will, benötigt vom Fedpol einen Erwerbsschein, und wer Sprengmittel in die Schweiz importieren will, braucht eine spezielle Einfuhrbewilligung von Fedpol. Im Formular steht: «An Personen unter 18 Jahren dürfen keine Sprengmittel abgegeben werden.»

*Alle Namen der Redaktion bekannt

(mme)