«Breaking Bad» in Oberägeri

11. Oktober 2018 15:08; Akt: 11.10.2018 15:08 Print

«Weder gedealt noch kriminelle Absichten»

In Oberägeri hatte die Zuger Polizei ein selbstgebasteltes Drogenlabor in einer Wohnung entdeckt. Nun meldet sich der Besitzer: Er sei Wissenschaftler und kein Dealer.

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Ein Nachbar hatte Anfang Mai dieses Jahres die Polizei alarmiert, weil er in der Wohnung im Gebäude nebenan Licht von Taschenlampen sah.

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Die Polizei fand jedoch keine Einbrecher, sondern ein selbstgebautes Chemielabor. Experten untersuchten das Labor. Auf den Bildern der Polizei sieht man Schläuche, Apparate, Labor-Glaswaren und viele Kessel mit Warnhinweisen – Chemikalien also. Bilder, wie man sie aus der Hitserie «Breaking Bad» kennt.

«Das stimmt überhaupt nicht»

Mit Schutzanzügen, Handschuhen und Gasmasken betrat die Polizei die Räumlichkeiten. «Ihrer Einschätzung nach handelt es sich um ein Labor, in dem synthetische Drogen, u.a. Crystal Meth, hergestellt werden kann», teilten die Strafverfolgungsbehörden damals mit.

Der Wohnungseigentümer wurde festgenommen. Nun meldet sich Carl Velve zu Wort. Der 41-jährige Investmentbanker beteuert seine Unschuld: «Es ist in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden und auch die Staatsanwaltschaft scheint fieberhaft in diese Richtung zu ermitteln, dass ich ein Art Walter White bin, ein Krimineller, aber das stimmt überhaupt nicht», sagt er zur «Zuger Zeitung».

Chemikalien legal gekauft

Die Liebe zur Wissenschaft sei der Grund für das selbstgemachte Labor. «Ich konzentrierte mich in den letzten Jahren auf Phenylethylamine, eine Stoffgruppe, die weit in der Natur verbreitet ist, auch Adrenalin gehört dazu», sagt er. Auch Crystal Meth sei Teil dieser Gruppe. Das Ziel des Norwegers: Herauszufinden, welche Reaktionen mit diesen Stoffen möglich sind und welche Modifikationen es davon gibt.

Die dazu nötigen Stoffe habe er legal bei Fachhändlern gekauft: «Diese verkaufen das auch nicht jedem, man muss glaubhaft machen können, dass man damit nichts Illegales vorhat, das konnte ich.» Er habe versucht, sich rechtlich abzusichern. «Ich habe deshalb im Betäubungsmittelgesetz nachgeschaut und auch einen Anwalt konsultiert und es so verstanden, dass es keine rechtlichen Konsequenzen hat, wenn man ohne kriminelle Absicht und nur in kleinen Mengen produziert.»

Velve will Konsequenzen tragen

Neben anderen Stoffen hat er auch Crystal Meth hergestellt – ein einziges Mal, wie er sagt. «Ich habe aber nur sehr wenig produziert und nie etwas davon verkauft», beteuert er. Aber: Er habe Crystal Meth getestet: «Abhängig davon, wie man die Stoffe modifiziert, haben sie unterschiedliche Reaktionen. Das kann man nur herausfinden, indem man sie auch selbst testet.» Einmal spielte er auch mit dem Gedanken, das Produkt zu verkaufen. Die Idee hat er aber wieder verworfen.

«Ich habe weder gedealt noch hatte ich kriminelle Absichten.» Sein Gesuch auf Haftentlassung bis zur Verhandlung wurde abgelehnt. Nun hofft er auf die Justiz: «Ich hoffe, dass dann das Gericht die Faktenlage richtig und unvoreingenommen beurteilt.» Er würde aber die Konsequenzen tragen, falls er einen Fehler gemacht haben sollte.

(gwa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • s'schwarze Schöfli am 11.10.2018 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Namen der Wissenschaft

    Der Investment-Banker ist mit Sicherheit ein ganz unschuldiges Lämmchen.

  • Ramali am 11.10.2018 15:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sympathisch

    Ist mir sympathisch der Herr. Hoffe nur, dass die Story stimmt. Wir kennen jetzt seinen Namen...

  • Andre R. am 11.10.2018 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einmal Crystal, immer Crystal

    Herr Heisenberg, ihr Crystal muss blau sein und 97,1 % haben!

Die neusten Leser-Kommentare

  • SpaceGandalf am 11.10.2018 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwissenheit schützt vor Strafe - nicht

    Kriminelle Absichten oder nicht - ein Labor in einer Privatwohnung ist einfach verantwortungslos...

  • Andre R. am 11.10.2018 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einmal Crystal, immer Crystal

    Herr Heisenberg, ihr Crystal muss blau sein und 97,1 % haben!

  • Der Russe am 11.10.2018 19:43 Report Diesen Beitrag melden

    Schwellheim Breiti

    Ich finde die Geschichte super. Das die Stawa sich einen Ast freut und hofft etwas grosses gefunden zu haben, kann sehr gut sein. Das Problem bei Chemie ist, dass es ein dünner grad zwischen legal und illegal ist. Früher hatte unser Lehrer in Chemie sogar eine kleine Rohrbomve gebaut welche wir im Garten zündeten, stellt euch das mal in der heutigen Zeit vor

  • s'schwarze Schöfli am 11.10.2018 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Namen der Wissenschaft

    Der Investment-Banker ist mit Sicherheit ein ganz unschuldiges Lämmchen.

  • walter white am 11.10.2018 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    labor in der wohnung, nein danke!

    solche chemikalien bzw solch ein labor hat gar nichts in der eigenen wohnung zu suchen. dazu hat er selbst drogen hergestellt. würde er das nur testen wollen, gibt es labore dafür mit der korrekten ausstattung (inkl. sicherheit) etc. ich glaube dem kein wort.