Luzerner Pfarrer

13. November 2019 09:59; Akt: 13.11.2019 15:47 Print

«Wir werden für Dana alles tun, was wir können»

Die Behörden haben eine Mutter und ihre traumatisierte Tochter Dana (11) ausgeschafft, die in Luzern im Kirchenasyl waren. Nun spricht der Pfarrer.

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Eine Mutter (53) erhielt mit ihrer 11-jährigen Tochter Dana Kirchenasyl in der Pfarrei St. Leodegar in Luzern. Da ihr Asylgesuch in der Schweiz erneut abgelehnt wurde, wurden die beiden nach Belgien abgeschoben, wo sie erstmals Asyl beantragt haben. Die Kirche protestiert dagegen: Denn Dana leide unter einem starken Trauma, wie ein Gutachten der Luzerner Psychiatrie bestätigt. Gerade jetzt wäre es für die Zukunft der 11-Jährigen wichtig ein stabiles Umfeld um sich zu haben, so das Gutachten. «Wir haben eine einvernehmliche Lösung mit den Behörden gesucht, leider haben diese sich heute dagegen entschieden», berichtete Nicola Neider, Bereichsleiterin Migration/Integration des Pastoralraums Luzern, gestern der «LZ». Am Montagnachmittag versammelten sich Kirchenvertreter beim Luzerner Migrationsamt um gegen eine Abschaffung zu protestieren. Die Kleinfamilie hat bereits eine harte Zeit hinter sich: Fast neun Jahre befinden sie sich nun auf der Flucht. Vor einem Jahr wurden sie schon einmal aus der Schweiz nach Belgien geschickt. Die Versprechen, die ihnen damals gegeben wurden stellten sich jedoch als falsch heraus. Pfarrer von St. Leodegar Ruedi Beck wünscht den Betroffenen Alles Gute: «Ich hoffe, dass es eine positive Zukunft für Mutter und Tochter gibt, und dass diese Ausschaffung keinen riesigen Rückschlag bedeutet.» Pfarrer Ruedi Beck sagt zum Kirchenasyl, dass die sich natürlich an den Rechtsstaat halte. Aber:«Trotzdem gibt es Situationen – auch im Alltag –, in denen man sich nicht an die Regeln hält, weil das eigene Gewissen dagegen spricht.» Man werde alles tun, um Mutter und Tochter nun in Belgien zu helfen.

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Seit Dienstagmorgen sind eine Mutter aus Tschetschenien und ihre Tochter Dana (11) wieder in Belgien. Dorthin wurden sie ausgeschafft, obwohl ihnen die Katholische Kirche in Luzern Kirchenasyl gewährt hatte.

«Es gibt Situationen, in denen man sich nicht an die Regeln hält»

Die Kirche gewährt ihr christliches Asyl nur in absoluten Notfällen, wie sie selber sagt. Der verantwortliche Pfarrer Ruedi Beck begründet diesen Fall in einen Interview mit der «Luzerner Zeitung» nun so: «In diesem Fall war die Situation eindeutig und für mich selbstverständlich.» Er betont, dass das staatliche Recht natürlich auch für die Kirche gelte – und sagt dennoch: «Trotzdem gibt es Situationen – auch im Alltag –, in denen man sich nicht an die Regeln hält, weil das eigene Gewissen dagegen spricht.»

Laut Pfarrer Beck bleibt das Kirchenasyl «die letzte Möglichkeit in Einzelfällen und darf nicht zur Regel werden». Denn: «Grundsätzlich können wir uns auf den Rechtsstaat verlassen. In manchen Fällen greift das Recht jedoch nicht. Dann kann die Kirche ihren Beitrag leisten und den Staat entlasten.»

«Die meisten Pfarreimitglieder wussten nichts davon»

Im vorliegenden, gewährten Fall von Kirchenasyl habe man im Stillen gehandelt. «Die meisten Pfarreimitglieder wussten gar nicht davon.» Da die Pfarrei mit dem Pfarrhaus passende Räumlichkeiten hatte, «entschieden wir pragmatisch, das Kirchenasyl in unserer Pfarrei zu gewähren.»

Nun hofft Pfarrer Beck, dass es der schutzbedürftigen und traumatisierten Dana und ihrer Mutter in Belgien möglichst gut geht und sie Zukunftsperspektiven finden. «Wir hoffen, dass nun ihr Asylgesuch ernsthaft geprüft wird – und dass sie genügend Geld für einen guten Anwalt haben.»

Die Pfarrei werde die Mutter und Dana weiter unterstützen: «Wir werden alles tun, was wir können. Sicher werden Mitglieder unserer Pfarrei sie auch besuchen. Schliesslich sind im vergangenen Jahr auch bleibende Beziehungen entstanden.»

Laut Pfarreisprecher Urban Schwegler hatten die Mutter und Dana in Belgien um 9 Uhr bei den dortigen Behörden. Das Resultat dieses Termin sei noch nicht bekannt.

Immerhin hatten die Beiden ein Dach über dem Kopf, was nach ihrer Ankunft noch nicht sicher war: Sie konnten in einem Hotel übernachten, das sie allerdings selber bezahlen mussten.

(mme)