Zentralschweiz

04. Juli 2016 17:31; Akt: 04.07.2016 17:38 Print

«Yoga im Gefängnis tut Insassen gut»

von Daniela Gigor - Seit kurzem können Insassen eines Gefängnisses in der Zentralschweiz Yogakurse besuchen. Der Yogalehrer macht gute Erfahrungen.

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Yogalehrer Beat Wicki in seinem Element. (Bild: Dany Schulthess/zVg)

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Die Migros Klubschule Luzern bietet auch in öffentlichen Institutionen wie etwa Gefängnissen Kurse an. Darum unterrichtet Beat Wicki in einem Zentralschweizer Gefängnis die Insassen in Yoga, wie das «Migros Magazin» berichtet. Wicki ist diplomierter Sozialarbeiter und international zertifizierter Yogalehrer. Die Lektionen finden einmal pro Woche statt.

Umfrage
Angenommen, Sie wären im Gefängnis: Würden Sie dort gerne Yoga betreiben?
78 %
5 %
9 %
8 %
Insgesamt 312 Teilnehmer

Dieses Kursangebot besteht in der Zentralschweiz erst seit rund einem halben Jahr. «Wir haben mit einem Probeangebot gestartet, das neun Personen nutzten», sagt Wicki gegenüber 20 Minuten. Fünf Insassen hätten sich danach für ein anderes Freizeitangebot entschieden. Wicki: «Yoga ist ideal für Gefangene, weil es den Kopf leert.» Die verbliebenen Teilnehmer, eher ältere Personen, seien psychisch belastet und hätten auch körperliche Beschwerden. Üblicherweise werde im Yogaunterricht ein bestimmtes Programm absolviert. Das ist wegen der Beschwerden der Teilnehmer im Gefängnis nicht möglich. «Ich stelle mich jeweils auf die aktuelle Situation vor Ort ein», sagt Wicki. Erstaunlich sei, wie offen die Gefangenen über ihre Beschwerden reden würden, damit er die Übungen anpassen kann. Dies sei ausserhalb der Gefängnismauern in Yogakursen nicht üblich.

Auch im Gefängnis gehört Arbeit und Freizeit zum Alltag

Wicki: «Ich merke, dass die Gefangenen Fortschritte machen und es ihnen besser geht. Dies bemerken auch andere Gefangene.» Bei diesen Yogakursen bestehen aber andere Regeln als ausserhalb der Gefängnismauern: «Hier werden die Kursteilnehmer nicht wie im Yoga üblich per du angesprochen, sondern gesiezt», sagt Wicki. Auch persönliche Gespräche seien nicht erlaubt. Die verbale Kommunikation beschränke sich auf Fragen zum Yoga oder dessen Philosophie. Bevor Wicki jeweils mit den Yogakursen starten kann, muss er mehrere bewachte Türschleusen durchlaufen. Dann bereitet er seine Lektion in der Turnhalle vor, bevor die Teilnehmer nach Feierabend mittels Yoga entspannen können.

Gefangene müssen laut Schweizerischem Strafgesetzbuch arbeiten. Im Gegenzug müssen Gefängnisse den Insassen auch Freizeitbeschäftigungen anbieten. Diese sind für die Teilnehmer kostenpflichtig.