Luzern

09. September 2018 17:57; Akt: 09.09.2018 18:08 Print

«Über Cargebühren kann gesprochen werden»

von Daniela Gigor - In der Stadt Luzern sollen Touristen-Cars beim Schwanen- und beim Löwenplatz eine Gebühr bezahlen. Geschäftsbetreiber sind gesprächsbereit.

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Der Schwanenplatz in Luzern ist eine beliebte Adresse für Touristen, die Uhren oder Schmuck kaufen wollen. Rund eine Million Gruppentouristen, vor allem aus dem asiatischen Raum, dürften den Schwanenplatz pro Jahr besuchen, wie in einer Studie durch Interface im Auftrag der Stadt Luzern zu lesen ist. Der Titel des Papiers lautet: «Neue Ansätze für das Parkieren von Reisecars.» 2015 wurden pro Tag 550 Bewegungen von Cars am Schwanen- und Löwenplatz verzeichnet. Es ist davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren noch mehr Touristen in Cars nach Luzern reisen werden.

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Tourismusdirektor für Cargebühren

Darum will die Stadt Luzern die Verkehrsströme besser lenken. «Wir sind daran, zu prüfen, eine Gebühr auf Busse zu erheben, die am Schwanenplatz anhalten», sagt Tourismusdirektor Marcel Perren gegenüber der «SonntagsZeitung». Perren kann sich vorstellen, dass die Gebühr je nach Tageszeit unterschiedlich berechnet werden könnte. Er geht von 20 bis 120 Franken aus. Eine mögliche Einführung wäre laut Perren im kommenden Jahr möglich. Die SP hatte im August in einem Vorstoss eine Gebühr für Cars auf dem Schwanen- und Löwenplatz von rund 160 Franken pro Car gefordert.

Balance für alle finden

Fritz Erni, Direktor des Hotels Montana, ging noch weiter. Wie er der «Luzerner Zeitung» sagte, fordert er eine Eintrittsgebühr für Touristen. Dieser Vorschlag wird von Jürg Schmid, dem ehemaligen Direktor der Marketing Organisation Schweiz Tourismus unterstützt. «Luzern tut gut daran, die Touristenströme besser zu lenken. Möglichst bald. Sonst kippt die Stimmung», sagt Schmid nun der «SonntagsZeitung».

Auf die nun zur Diskussion stehende Gebühr für Cars zeigt man sich sowohl bei Bucherer wie auch bei Gübelin offen: «Über Gebühren als Mechanismus um Tourismus nachhaltig zu entwickeln, kann im Rahmen der Interessengemeinschaft Schwanenplatz sicher diskutiert werden» sagt Edith Bagda, Kommunikationschefin bei der Gübelin Gruppe. Im Tourismus gehe es auch darum, eine stimmige Balance für alle zu finden.

Stadt müsste Gegenleistungen erbringen

Konkreter wird Jörg Baumann, Sprecher der Bucherer Gruppe: «Wenn Cargebühren eingeführt werden sollten, ist es wichtig zu definieren, welche Leistungen die Stadt im Gegenzug erbringt.» In seinen Augen sollten die Gebühren zweckgebunden eingesetzt werden. Als Beispiel erwähnt Baumann etwa den Verkehrsdienst am Schwanenplatz, der aktuell durch die Uhren- und Schmuckgschäfte finanziert wird.

Verbesserungen von der Stadt wünscht sich Baumann auch im Bereich öffentliche Toiletten und Unterbringung der Cars. «Die Anreisen der Cars in die Stadt Luzern sollen nicht verunmöglicht werden. Die Gruppen müssen langfristig in die Stadt einreisen können.» Laut Baumann soll nicht übereilig gehandelt werden. Alle Beteiligten sollen in die Gespräche einbezogen werden. Baumann: «Der Gruppentourismus bringt der Stadt und Region Luzern eine Wertschöpfung von über 400 Millionen Franken pro Jahr, dem gilt es Sorge zu tragen.»