Auf Schulcomputer

08. April 2019 20:30; Akt: 08.04.2019 20:30 Print

10-Jähriger zeigt seiner Mitschülerin Pornobilder

In einer Primarklasse in Steinen SZ zeigte ein Bub seiner gleichaltrigen Mitschülerin Pornobilder. Das Mädchen und seine Eltern reagierten geschockt.

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Der Vorfall ereignete sich an einer Primarschule in Steinen SZ. Die Schüler sollten im Auftrag der Lehrerin etwas googeln, wie der «Bote der Urschweiz» berichtete. Dazu benutzten die Kinder in Gruppen die Schulcomputer. Ein zehnjähriger Junge und ein gleichaltriges Mädchen sassen zusammen vor einem Bildschirm.

Ob sie wisse, was Porno ist, fragte der Bub seine Mitschülerin. Sie verneinte, und der Zehnjährige gab das Stichwort «Porno» in die Suchleiste ein. Er fragte einen weiteren Jungen, ob er die Entertaste drücken solle, worauf dieser nickte – der Zehnjährige drückte die Entertaste, und der Bildschirm wurde mit pornografischen Bildern geflutet.

Wieso waren Pornobilder abrufbar?

Für das Mädchen waren die Bilder zu viel: Verwirrt und voller Angst habe es am Abend der Mutter von dem Vorfall erzählt, heisst es im Zeitungsbericht weiter. Auch die Eltern waren geschockt. Sie seien bis dahin überzeugt gewesen, die Schule sichere ihre Computer für Kinder.

Wie die Schule der Mutter mitteilte, wurden zur fraglichen Zeit Wartungsarbeiten am Schulnetzwerk durchgeführt, weshalb der Zugang zum Internet ohne Einschränkungen offen gewesen sei. Die Schüler erhielten so ungefilterte Resultate auf ihre Suchanfragen.

Bei vielen Unternehmen oder Organisationen wie etwa beim Kanton Luzern werden Inhalte zu Themen wie Sex, Pornografie, Gewalt oder Rassismus gefiltert. Dass das Netz an jenem Tag während des Unterrichts offen war, sei ein «blöder Zufall», hiess es bei der Schule.

Polizei redete mit den Jungs

Der Mutter reichte das nicht. Sie will, dass solche Vorfälle in Zukunft verhindert werden. Deswegen hat sie sich bei der Polizei informiert. Diese empfahl klasseninterne Präventionsmassnahmen. Polizisten sprachen darauf mit den Buben aus der Klasse. Diese Massnahme war laut der Schulleitung ausreichend. Anders sehen es die Eltern: Sie hätten sich eine Präventionslektion für die ganze Klasse gewünscht. Ausserdem monieren sie, dass die Sicherheitslücke auch noch zwei Monate nach dem Vorfall bestanden habe: «Wir als Eltern haben so kein Vertrauen mehr in die Schule.»

Schule reagiert auf Vorfall

Schulleiterin Raphaela Koller sagte gegenüber dem «Boten»: «Wir haben Massnahmen eingeleitet.» Mittlerweile könne man die pornografischen Bilder auf dem Schulnetz nicht mehr abrufen.

Informatiker staunt

Ein Informatiker* sagt zum Vorgehen der Schule: «Es ist nun wirklich keine Hexerei, das Netzwerk einer Schule für solche Inhalte zu sperren.» Zum Umstand, dass Wartungsarbeiten zum offenen Netz geführt haben sollen just zur jener Zeit, als die Schüler googelten, meint er: «Genau aus diesem Grund macht man Wartungsarbeiten am besten zu Randzeiten. Ein Update an einem E-Banking wird ja auch nicht am Montag ab 8 Uhr, sondern am frühen Sonntagmorgen durchgeführt.»

*Name der Redaktion bekannt

(tst)