Historisches Ereignis

11. November 2019 18:03; Akt: 11.11.2019 18:03 Print

Erstmals holt eine Frau die Gans vom Himmel

An der traditionellen Gansabhauet in Sursee ist am Montag erstmals eine Frau erfolgreich gewesen: Aline Theiler (28) aus Pfeffikon LU holte sich die Trophäe.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Zum ersten Mal in der Geschichte hat eine Frau am traditionellen Gansabhauet in Sursee LU Grund zum Jubeln. Aline Theiler aus dem luzernischen Pfeffikon war die fünfte Person, die mit dem stumpfen Säbel zum Schlag ausholte, um der toten Gans den Hals durchzutrennen. «Das Publikum hat mit grosser Begeisterung und langem Jubel auf den erfolgreichen Schlag der 1991 geborenen Frau reagiert», sagte Stadtarchivar Michael Blatter, Präsident der Kommission Gansabhauet.

Bei der zweiten Gans war bereits der zweite Schläger erfolgreich. Es handelt sich um Giovanni Valetti aus Sursee. Theiler und Valetti werden mit einem Festmahl belohnt. Natürlich dürfen sie auch die Gänse mit nach Hause nehmen.

Beteiligte können hinter der Sonnenmaske nichts sehen

Insgesamt hatten sich für die Gansabhauet 92 Männer und fünf Frauen als Schläger respektive Schlägerin angemeldet. Der Jüngste hatte Jahrgang 2003, der Älteste Jahrgang 1936.

Bei der Gansabhauet geht es darum, mit einem einzigen Säbelhieb den Hals einer leblosen, am Hinterkopf aufgehängten Gans zu durchtrennen. Dies ist nicht so einfach, denn die in einen roten Umhang gekleideten Wettstreiter sehen hinter ihrer Sonnenmaske nichts. Zudem ist ihr Dragonersäbel stumpf.

Ursprünge der Gansabhauet sind unbekannt

Die Reihenfolge der Schläger für die beiden Gänse wird durch das Los bestimmt. Bis die zwei Vögel geköpft sind, braucht es in der Regel zwischen fünf und 20 Hiebe.

Die Ursprünge der Gansabhauet liegen im Dunkeln. Dass der Anlass auf die mittelalterlichen Zehntenabgaben zurück gehen könnte, ist eine mögliche Erklärung. Sicher ist einzig, dass am Martinstag Bräuche um das wertvolle Federvieh früher in ganz Europa verbreitet waren.

Martinifest hat noch viel mehr zu bieten

Der 11. November ist dem Heiligen Martin von Tours gewidmet, einem Soldaten, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte. Gemäss einer Legende wollte der bescheidene und asketische Martin von Tours verhindern, dass er zum Bischof geweiht werde, und versteckte sich in einem Gänsestall, wurde aber von den schnatternden Tieren verraten. Martin von Tours lebte im vierten Jahrhundert.

Das Martinifest beschränkt sich in Sursee nicht auf die Gansabhauet. In den Pausen zwischen den Schlägen können Kinder beim «Stangechlädere» Geschenke ergattern oder beim «Chäszänne» mit einer verrückten Grimasse ein Stück Käse verdienen. Auch ein «Räbeliechtli»-Umzug fehlt nicht.

Die wichtigsten Fakten zur Gansabhauet:

Das Datum

Die Gansabhauet Sursee findet immer am Martinitag statt, also am 11. November.

Die Regeln

Die Schläger tragen eine goldene Sonnenmaske und ein rotes Gewand, ihnen werden die Augen verbunden. Um ihnen die Orientierung zu erschweren, werden sie vor dem Schlag um die eigene Achse gedreht. Dann müssen sie versuchen, mit einem einzigen Schlag mit einem Drogenersäbel der Gans den Kopf abzuhacken. Allerdings ist der benutzte Säbel stumpf.

Die Säbelhiebe

Es braucht in der Regel 15 bis 20 Säbelhiebe, bis es dem ersten Teilnehmer gelingt, der Gans den Kopf abzutrennen.

Der Gewinn

Der Gewinner darf er die Gans nach Hause nehmen und zu einem Festmahl verarbeiten.

Die Gänse

Die aufgehängten Gänse sind natürlich schon tot. Sie stammen von einem Biobauernhof aus der Region Sursee.

Das Brauchtum

Bei der Gansabhauet handelt es sich um einen alten Brauch, wobei man das genaue Alter nicht kennt. Bekannt ist, dass die Gansabhauet um 1820 aus Sursee für einige Jahre verschwand, seit 1861 aber regelmässig durchgeführt wird. Ähnliche Bräuche waren früher in ganz Europa verbreitet.

Das Fest

Jeweils etwa 4000 Zuschauer verfolgen die Gansabhauet in Sursee. Die Altstadt ist in dieser Zeit komplett gesperrt.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Albert Arnold am 11.11.2019 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mühsam!!!!

    Liebe Vegis und Veganis, merkt euch ein für alle mal, das ist ein uralter Brauch, entstanden in einer Zeit, in der man froh war mal alle paar Wochen die übliche Grütze mit einem Möcklein Fleisch aufzupeppen. Sollte man in Sursee denn eine Rübe aufhängen oder was?

    einklappen einklappen
  • Surseer am 11.11.2019 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Widerspruch

    Die Hintergründe erwähnt ihr selber im Artikel, behauptet dann aber gleichzeitig sie seien unbekannt. Ihr seid mir eine witzige Journitruppe.

  • Cochise am 11.11.2019 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nun ja...

    ...Stierkampf, Hahnenkampf und was sonst noch so auf der Welt praktiziert wird finde ich bedenklicher.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Arty am 12.11.2019 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Krank

    Und Eltern bringen sogar ihre Kinder mit, so à la "Kinder kommt, wir gehen zuschauen, wie öffentlich tote Tiere zerstümmelt werden". In gewissen Käffern der Schweiz scheibt immer noch das Mittelalter zu herrschen.

    • Meimei am 12.11.2019 13:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Arty

      Daunendecken aus lebend Rupf herstellen ist eine Schande. Davon hört man keine Silbe inder Presse. Hauptsache billige Duvets. Da möchte ich mal was davon hören.

    einklappen einklappen
  • Revo Score am 12.11.2019 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Leben und leben lassen..

    Dies ist ein Schweizer Brauch und Kultur. Wem dies nicht gefällt muss ja nicht hin gehen oder da hin gehen wo der Pfeffer wächst. Alles Schweizerische soll ab geschaft werden, dafür alles mögliche an Mist importiert werden. Schämt euch ihr paar Schweizer die da draussen noch sind...

    • Tomtom am 12.11.2019 12:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Revo Score

      Jemand, der eine Tradition verteidigt, bei der Tiere zuerst getötet und deren leblosen Körper danach vor versammelter Meute geschändet werden, fordert "Leben und Leben lassen". Bitte sagen Sie mir, dass das nicht ihr Ernst ist...

    einklappen einklappen
  • Gustav am 12.11.2019 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötiger Brauch

    Ich esse auch Fleisch da dies in der Natur des Menschen liegt aber das man einer Ganz auch wenn sie schon tot ist vor Zuschauern zur Belustigung den Kopf abschlagen muss finde ich wiederlich und respektlos dem toten Tier gegenüber .

  • LaaraLou am 12.11.2019 08:36 Report Diesen Beitrag melden

    Wer lesen kann ist im Vorteil

    Ich staune, wieviele Leute hier anscheinend der Meinung sind, dass die Gänse noch leben und darum verständlicherweise gegen den Brauch sind. Informiert euch doch bitte richtig und äussert dann eure Meinung anstelle schon vorher grosses Aufhebens zu machen.

    • LaaraLou am 12.11.2019 08:56 Report Diesen Beitrag melden

      Echte Probleme

      Und ja; Bevor man diesen alten Brauch infrage stellt, wäre es vielleicht ein Thema, sich den wirklichen Problemen für die Tiere zu stellen. Tierquälerei wird mit Geldstrafen bestraft und Tierversuche sind an der Tagesordnung.

    • Mike am 12.11.2019 11:18 Report Diesen Beitrag melden

      @ LaaraLou

      Keiner hier ist der Meinung, dass die Tiere noch leben, ansonsten Quellenangabe. Wer lesen kann, ist definitiv im Vorteil, nicht wahr LaaraLou! Das gelesene auch noch zu verstehen scheint deutlich scherer zu sein, nicht wahr!

    • Heinz am 12.11.2019 11:21 Report Diesen Beitrag melden

      @ LaaraLustig

      Apropos lesen, das gelesene auch noch zu verstehen, scheint nicht Ihre Stärke zu sein, in keinem Wort wird hier von lebenden Gänsen gesprochen.

    • LaaraLou am 12.11.2019 11:28 Report Diesen Beitrag melden

      Schon mal die Kommentare gelesen?

      @ Heinz & Mike: Siehe Kommentare.... Geb's gerne wieder zurück, von wegen lesen können :-)

    • Marssohn am 12.11.2019 11:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heinz

      Stimmt, sie sind schon tot. Das steht auch im Bericht. Aber es steht nicht drin, wie und wie lange oder kurz vor diesem Spektakel sie getötet worden sind. Nennt man eigentlich nicht so etwas Leichenschändung?

    • Carmen am 12.11.2019 13:03 Report Diesen Beitrag melden

      @ LaaraLou

      Nennen Sie Fakten, Sie können ja nicht einmal ein Kommentar nennen!

    • Dominik am 12.11.2019 13:09 Report Diesen Beitrag melden

      Das gelesene auch noch verstehen

      Kann auch kein einziger Kommentar finden, in dem von lebenden Gänsen gesprochen wird.

    • LaaraLou am 12.11.2019 14:06 Report Diesen Beitrag melden

      Geschriebenes lesen und verstehen....

      Nein, ich stelle niemanden bloss. Wenn Sie zu faul sind, die 400 Kommentare durchzulesen, sind Sie selber schuld. Ich mach es jedenfalls nicht nochmals. Sie können ja meine Antworten auf besagte Kommentare suchen, wenn Ihnen soo viel daran liegt. Viel Spass!

    • Eidgenossin am 12.11.2019 17:59 Report Diesen Beitrag melden

      @LaaraLou

      Kein Mensch spricht hier von noch lebenden Gänsen,anscheinend verstehen Sie irgendetwas falsch!

    • Coco404 am 12.11.2019 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mike

      Dann müssen sie aber auch noch viel dazue lernen. Sie haben es wohl auch nicht verstanden

    • Vanessa am 12.11.2019 19:03 Report Diesen Beitrag melden

      @ Coco404 alias LaaraLou

      Frage mich gerade, wer hier überhaupt nichts verstanden hat!

    • Carl-Heinz am 12.11.2019 19:12 Report Diesen Beitrag melden

      @ LaaraLou alias Coco404

      Kein einziger Schreibling spricht hier von lebenden Gänsen, anscheinend fehlt Ihnen an irgendetwas sehr wichtigem. Behauptungen nichts als Behauptungen.

    • Miroslav am 12.11.2019 19:22 Report Diesen Beitrag melden

      @ LaraLou

      Es gibt Menschen, die wissen nichts gut, aber alles besser. Vielwisserei lehrt nicht Vernunft zu haben.

    einklappen einklappen
  • Beat Graf am 12.11.2019 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Brauch

    Das war ein Super-Anlass. Und anschliessend gab es einen feinen Gänsebraten.