Vergewaltigungsopfer

22. August 2015 20:27; Akt: 22.08.2015 20:51 Print

300 Personen zeigen Solidarität an Velodemo

Vor rund einem Monat wurde eine Frau in Emmen vergewaltigt. 300 Personen haben an einer Solidaritätsvelofahrt teilgenommen.

Hunderte haben sich zu einer Velodemonstration versammelt. (Video: Michael Fischer)
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Knapp 300 Personen haben am Samstag in Luzern mit einer gemeinsamen Velofahrt entlang der Reuss ihre Anteilnahme am Schicksal des Vergewaltigungsopfers von Emmen ausgedrückt. Die Frau ist seit der Tat vor gut einem Monat querschnittgelähmt.

Die bewilligte und privat organisierte Kundgebung startete gegen 17 Uhr in der Stadt Luzern beim Mühleplatz mit einem stillen Marsch. Per Velo, zu Fuss oder im Rollstuhl begaben sich die Demonstranten bei sonnigem Wetter entlang der Reuss zur Gemeindegrenze von Emmen. Im Gebiet Reusszopf unweit des Tatorts war «als Zeichen der Hoffnung» ein Kirschenbaum gepflanzt. Unter diesem wurden farbige Briefe für das Opfer und dessen Familie gesammelt.

Viele weisse Bänder an den Velos

Unter den Teilnehmern waren Erwachsene und Kinder, darunter viele Frauen und Arbeitskollegen sowie Freunde des Opfers. Als Zeichen der Solidarität führten viele Velofahrer weisse Bänder an ihren Zweirädern mit. Polizisten begleiteten die Kundgebung ebenfalls auf Fahrrädern.

Sie nehme am Anlass teil, weil sie dem Opfer und dessen Familie Kraft geben und ein Zeichen setzen wolle, dass das Gute über das Böse siege, sagte eine Kundgebungsteilnehmerin gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Die Tat sei kaum zu begreifen und in Worte zu fassen, sagte Rolf Maegli, Direktor der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern (SSBL), für die das Opfer tätig war, in einer kurzen Rede. Er forderte von Politikern, Lehrern, Medien und der Zivilgesellschaft, endlich entschieden gegen Gewalt vorzugehen und positive Menschenbilder zu vermitteln.

Bei den Organisatoren des Anlasses handelte es sich um Privatpersonen. Die Kundgebung fand laut deren Angaben mit dem Einverständnis der Familie des Opfers statt. Der Anlass wurde organisiert, nachdem die Tat in der Bevölkerung grossse Betroffenheit ausgelöst hatte.

Vom Velo gezerrt und vergewaltigt

Am Abend des 21. Juli war eine 26-jährige Frau bei Emmen an der Reuss vom Velo gerissen und in einem nahen Waldstück vergewaltigt worden. Sie wurde mit schweren Verletzungen aufgefunden und ins Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil überführt. Sie ist gemäss den dortigen Ärzten querschnittgelähmt.

Der Täter ist seit dem Vorfall auf der Flucht. Die Ermittlungen einer Sonderkommission mit rund einem Dutzend Beamten führte auch gut einen Monat nach dem Vorfall noch zu keinem konkreten Tatverdächtigen. Die Behörden sind aber überzeugt, dass sie dem Täter bei einer allfälligen Festnahme das Gewaltdelikt nachweisen können.

Um dem Unbekannten auf die Spur zu kommen, setzte die Staatsanwaltschaft bislang stark auf die Mithilfe der Bevölkerung. Auf Aussagen der vergewaltigten Frau zu ihrem Peiniger und zum Tatablauf müssen die Behörden weiter warten. Das Opfer konnte aufgrund schwerer Verletzungen bis am Wochenende noch nicht einvernommen werden, sagte ein Sprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft auf Anfrage.

Wenige Angaben zum Täter

Für Hinweise, die zur Festnahme des Täters führen, setzte die Staatsanwaltschaft eine Belohnung von bis zu 10'000 Franken aus. Zudem veröffentlichte sie mehrere Zeugenaufrufe und einen Fragekatalog.

Die Polizei ging bisher zahlreichen Hinweisen aus der Bevölkerung nach, überprüfte mehrere Personen und wertete deren DNS-Proben aus.

Zum mutmasslichen Täter gibt es nur eine vage Beschreibung. Laut Polizei soll er gebrochen Deutsch gesprochen haben und von heller Hautfarbe sein. Zudem ist er offenbar Raucher. Am Tatabend trug er ein T-Shirt und kurze Hosen.

(sda)