Klinik Zugersee

17. Juli 2019 16:26; Akt: 17.07.2019 16:26 Print

53'000-Franken-Party für Abschied von Chefärztin

Mit Geld für Weiterbildungen wurde ein Abschiedsfest für die Chefärztin einer Klinik veranstaltet. Das sorgt für scharfe Kritik.

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Die Abschiedsveranstaltung der langjährigen Chefärztin der Psychiatrischen Klinik Zugersee hat einiges gekostet: 53'337 Franken wurden für die Veranstaltung ausgegeben. Die Finanzkontrolle der Konkordatskantone kritisiert nun die Verwendung des Geldes.

Im Rahmen der Rechnungsprüfung ist man auf nicht reglementskonforme Auslagen gestossen, heisst es im Tätigkeitsbericht der Schwyzer Finanzkontrolle, über den der «Bote der Urschweiz» am Mittwoch berichtete.

Geld war für Weiterbildungen gedacht

Das Geld für die Party wurde aus Mitteln der zweckgebundenen Ärzte- und Sponsoringpools finanziert. Der Pool wurde einerseits mit einem Teil der Einnahmen von privat- und halbprivatversicherten Patienten und andererseits mit Mitteln aus Einnahmen von Gutachten, die Angestellte während ihrer Arbeitszeit schrieben, geäufnet.

Verwendet werden sollte er für Fort- und Weiterbildungen, etwa für die Bezahlung von Referenten, oder für die Anschaffung von Fachmedien. Dies führte Roland Pfyl, Vorsteher der Schwyzer Finanzkontrolle, auf Anfrage aus.

«Unverhältnismässig hoch»

Der Sponsoringpool dagegen sei wohl als eine Art Schwankungsreserve für Fachsymposien gedacht gewesen. Das Geld sei aus Resten von Drittmitteln, also etwa aus Teilnahmegebühren solcher Veranstaltungen, zusammengekommen. Allerdings bestand dafür kein Reglement, der Sponsoringpool wurde per Ende 2017 aufgebraucht und aufgelöst.

Der Zuger Regierungsrat und Präsident des Konkordatsrats, Martin Pfister, hält auf Anfrage fest, dass keine öffentlichen Gelder oder Kantonsbeiträge im Spiel waren. Er missbillige aber die Höhe und die Finanzierung der Ausgaben im Zusammenhang mit den Abschiedsveranstaltungen ausdrücklich. Die Auslagen seien unverhältnismässig hoch.

Damit sich ein solcher Fall nicht wiederholen könne, werde auch der Ärztepool nicht weiter geäufnet, sondern nur noch aufgebraucht, und zwar auf der Basis eines verschärften Reglements. So müssten neu alle Ausgaben des Ärztepools vom CEO mitunterzeichnet werden.

Konstantin Wecker zu Besuch

Die ehemalige Chefärztin hatte 2017 nach über zehn Jahren die Klinik in Zug verlassen. Zum Abschied gab es im Mai ein Konzert des deutschen Musikers Konstantin Wecker sowie ein Symposium mit namhaften Referenten.

Die Psychiatrische Klinik Zugersee ist eine Konkordatsklinik der Kantone Uri, Schwyz und Zug. Sie gehörte bis Ende 2017 dem Verein Barmherzige Brüder Zug. Das Psychiatriekonkordat erteilte den Leistungsauftrag und übte eine Aufsichtsfunktion aus. Die Kantone Uri, Schwyz und Zug übernahmen die Klinik 2018 im Rahmen der Bildung der Triaplus AG.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Normalo am 17.07.2019 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unerhört!

    Das entspricht meinem Jahreseinkommen...wie traurig!

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  • Anna B. am 17.07.2019 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    So was kenne ich auch

    Hochzeitsfeier des Chefs! Wunschliste war gigantisch und bewegte sich im obersten Bereich. Das Geld,wurde ,ohne zu fragen vom gesparten Pool der Trinkgelder genommen und es war ein grosser Betrag!

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  • MasterMind am 17.07.2019 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schnee

    Wahrscheinlich hat der Konstantin Wecker noch ein paar Linien Schnee aufgetischt, deshalb wurde es wohl so teuer ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • nicht nur in Ärztekreisen.. am 18.07.2019 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    so etwas gibt es öfter mal!

    Warum sollte es mich aufregen? Bildungsgelder werden auch anderweitig verschwendet. Jene die das Abschiedsfest anberaumten, müssen es verantworten, dafür mit ihrem Gewissen gerade stehen. Viel Glück der Chef-Ärztin, hoffentlich war es ein tränenreicher Abschied.

  • Schämu am 18.07.2019 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Ein Blumenstrauß und ein paar Flaschen Wein hätten durchaus genügt. Ich habe meine Verabschiedung selber berappt, die Arbeitskollegen waren mir das wert. Völlig charakterlos, dass eine Chefärztin sich dass bieten lässt. Vielleicht war man froh, dass sie gegangen ist.

  • Ehemalige Mitarbeiterin am 17.07.2019 23:21 Report Diesen Beitrag melden

    Pflegefachfrau

    Für Party's hat man Geld und Lohnerhöhungen gibt es nicht. Man soll sich also nicht fragen, warum alle guten Pflegefachleute gehen! Frechheit so etwas!

  • ich am 17.07.2019 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Buchhaltung mact und dabei

    ja genau und wir sind mit Sponsoren dank KK ......

    • Luk am 17.07.2019 22:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @luk

      Soviel zu unseren unkontrollierbar steigenden Gesundheitskosten!

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  • Jean Claude am 17.07.2019 21:17 Report Diesen Beitrag melden

    Pfleger

    Dazu habe ich keine Worte als: Schämt euch.