Strickwärme

19. Februar 2015 05:46; Akt: 19.02.2015 10:02 Print

800 Kilo Kleidung für Flüchtlinge gestrickt

Zahlreiche gute Seelen haben für Flüchtlinge Mützen, Schals und Pullover gelismet. Am Samstag reist die Triengerin Corinne Gasser damit in den Nahen Osten.

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«Jeden Tag kamen mehrere Pakete bei mir an», sagt die 25-jährige Corinne Gasser. Ihr Hilfsprojekt «Strickwärme» stiess auf grosse Resonanz. Die Triengerin hatte im Januar Strickfreudige dazu aufgerufen, für Flüchtlinge im Nahen Osten zu lismen.

Inzwischen ist die Sammelaktion abgeschlossen: Rund 800 Kilogramm Strickwaren sind innerhalb knapp eines Monats zusammengekommen. Das sind unter anderem 1500 Mützen. Einige Kisten wurden bereits nach Jordanien gebracht und der Inhalt verteilt, weitere sollen in den Irak kommen. Den Rest wird die Studentin nun selbst an ihren Bestimmungsort bringen: «Ich reise am kommenden Samstag nach Jordanien und werde dort die Stricksachen und Esswaren verteilen», sagt sie. Den Flug bezahlt die Studentin selbst. Unterstützt wird sie von Mitgliedern der Schweizer Stiftung Noiva, mit der Gasser inzwischen zusammenarbeitet. Für die Essensverteilung werden aktuell noch Geldspenden gesucht.

Was sie vor Ort in Jordanien erwarten wird, weiss die Wirtschaftsstudentin noch nicht genau: «Ich werde mich wohl vorwiegend ausserhalb der Flüchtlingscamps bewegen.» Denn: Neben den Bewohnern der Camps gebe es auch zahlreiche Flüchtlinge, die wegen Platzmangel, ihrer Religionszugehörigkeit oder aus anderen Gründen ausserhalb der Lager bleiben müssten. «Die Leute ausserhalb haben noch weniger zur Verfügung als die Flüchtlinge in den Lagern.»

Vom Ein-Personen-Hilfswerk zum Teamprojekt

Den Bedürftigen wird die Triengerin neben Strick- und Esswaren Hilfe zur Selbsthilfe anbieten. «Ich werde vor Ort Häkelunterricht geben, damit die Betroffenen selbst Mützen herstellen können.» Zudem will sie eine Schule besuchen, in der traumatisierte Flüchtlingskinder betreut werden. Eine Woche lang wird sie in Jordanien unterwegs sein. Zurück in der Schweiz hört die Arbeit für die Studentin jedoch noch nicht auf. «Es wird weitere Projekte geben.» Inzwischen ist Gasser auch nicht mehr alleine – sie wird von mehreren Gleichgesinnten unterstützt: «Wir haben zusammen einen Verein namens Strickwärme gegründet, mit dem wir weitere Projekte realisieren wollen.» Mit dabei sind etwa Grafiker, Jus-Studenten und Politikwissenschaftler. «Alle bringen ihr Know-How mit ein, so kommen wir zügig voran.»

So gut das Hilfsprojekt läuft, so wenig Zeit bleibt momentan für Studium und Arbeit: «Glücklicherweise waren gerade Semesterferien – und im Job kann ich auf meine Vorgesetzten zählen. Sie sind sehr tolerant und unterstützen mich.» Zudem würde sie das ehrenamtliche Engagement auch persönlich weiterbringen: «Es ist nicht einfach, in diesem Gebiet an Wissen zu kommen. Viele Dinge mussten wir selbst herausfinden. Es ist unglaublich, was man in so kurzer Zeit alles lernen kann», sagt Gasser.

(gwa)