Loki rollt davon

14. Januar 2019 12:25; Akt: 14.01.2019 18:01 Print

Als er zu seiner Loki wollte, war sie plötzlich weg

Ein Lokführer wollte seine HGm 4/4 auf der Bergstrecke von Realp für ein paar Stunden parkieren. Als er aus dem Führerstand sein Zmittag holen wollte, war die Loki einfach nicht mehr da.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Auf der Furka-Bergstrecke ist im Herbst 2018 eine bei einer Baustelle abgestellte Lokomotive talwärts gerollt und entgleist. Jetzt hat die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) herausgefunden, wieso das passiert ist: Grund dafür war, dass der Lokomotivführer die Lokomotive auf der steilen Zahnstangenstrecke ungenügend gesichert hatte, als er sie dort für mehrere Stunden ausser Betrieb genommen hatte, wie die Sust am Montag mitteilte.

Ausbildung dauerte einen Tag

Zum Unfall führte demnach auch, dass der Lokomotivführer nach seiner eintägigen Ausbildung für das Führen dieser dieselelektrischen Maschine im Jahr 2013 keine fachliche Unterstützung mehr erhalten habe und es keine Vorgaben gebe, wie die Lok auf einer Zahnstangenstrecke abzustellen sei.

Strecke hatte Gefälle von 110 Promille

Die Dampfbahn Furka-Bergstrecke (DFB) hatte die Lokomotive HGm 4/4 für einige Monate von der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB) gemietet. Am 25. September 2018 fuhr eine Bauequipe mit dieser auf der gesperrten Bergstrecke von Realp Richtung Tiefenbach, um dort Arbeiten an einer Stützmauer durchzuführen. Um halb acht stellte der 43-jährige Lokomotivführer die Lok auf der Strecke, die dort ein Gefälle von 110 Promille hat, ab und nahm sie ausser Betrieb.

Lokführer ging seine Maschine suchen

Als der Lokführer am Mittag seine Verpflegung aus der Lok holen wollte, stellte er fest, dass diese verschwunden war. Er ging darauf talwärts Richtung Realp, durchquerte dabei drei Tunnel, und stiess nach rund 700 Metern in einer Kurve auf die entgleiste Lokomotive. Verletzt wurde beim Unfall niemand, die Lokomotive wurde aber am Fahrwerk und am Kasten stark beschädigt.

Lok-Bremse verlor Luft und wurde wirkungslos

Der Lokführer hatte zum Abstellen der Lokomotive die Zahnradbremse angelegt und die Handbremse festgezogen, wie es im Bericht der Sust heisst. Weil die Bremse der vollständig ausgeschalteten Lokomotive Luft verlor, zeigte die Zahnradbremse nach einer gewissen Zeit keine Wirkung mehr und die Handbremse allein konnte das Gefährt nicht halten.

Vorschrift nur auf Strecke ohne Zahnrad

Die Sust stellte fest, dass der Lokomotivführer die Lokomotiven nicht gemäss den Vorgaben der MGB abgestellt hatte. Diese sehen unter anderem eine Schnellbremsung mit der automatischen Bremse vor. Die Untersuchungsstelle weist aber auch darauf hin, dass sich das vorgeschriebene Prozedere auf eine Ausserbetriebnahme der Lokomotive in Bahnhöfen und Depots und somit auf Situationen ausserhalb der Zahnstangenstrecke beziehe. So sei der Einsatz der auf die Zahnräder wirkende Betriebe-Bandbremsen in den Vorgaben nicht vorgesehen.

Lokführer handelte nach besten Wissen

Die Sust schreibt zudem, dass der Lokomotivführer seit seiner Ausbildung auf der HGm 4/4 fachlich nicht unterstützt worden sei. Er habe in der Meinung gehandelt, sein Vorgehen sei in Ordnung. Die sich gebildete Routine habe dann zu dieser ungünstigen Situation geführt.

Vor drei Jahren entgleiste ganzer Zug wegen Bremsproblemen

Bereits im August 2015 war bei Realp ein Zug entgleist – ebenfalls wegen Bremsproblemen. Damals hatte ein Autozug des Autoverlads Furka bei der Einfahrt in den Bahnhof Realp nicht rechtzeitig anhalten können. Der Zug prallte in einen Prellbock, anschliessend entgleisten die Lokomotive und die ersten beiden der insgesamt zwölf Wagen. Die erreichte Bremswirkung lasse den Schluss zu, dass nur die Lok gebremst habe, schrieb die Sust nachher. Die Ursache für die ungenügende Bremswirkung lag mit grosser Wahrscheinlichkeit in der Verbindung zwischen der Lok und dem ersten Wagen. Verletzt wurde damals niemand.

(sda)