Stadt Luzern

20. August 2015 18:32; Akt: 20.08.2015 19:35 Print

Altstadt verliert wieder Beiz in Traditionshaus

von Daniela Gigor - Schon wieder verschwindet ein Restaurant in der Altstadt. Ende Jahr ist Schluss im historischen Zunfthaus zur Metzgern. Geplant sind dort Wohnungen.

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Das Restaurant La Gondola im altehrwürdigen Zunfthaus zur Metzgern am Weinmarkt 3 in der Luzerner Altstadt wird per Ende Jahr geschlossen. Wirt Daniele Mariani hat auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt, dass ihm per Ende Dezember gekündigt wurde. Das Zunfthaus zur Metzgern wurde 1529 erbaut. Urs Bucher, Liegenschaftsbesitzer des Zunfthauses, war für eine Stellungnahme am Donnerstag nicht erreichbar.

Der Grund für die Schliessung des Restaurants ist in der neusten Bauausschreibung der Stadt ersichtlich: Am Weinmarkt 3 ist ein Umbau und eine Umnutzung in Wohnungen geplant. Markus Hofmann, Leiter Ressort Baugesuche der Stadt, sagt auf Anfrage: «Im ersten und zweiten Stock des Hauses sind je eine Ein- und eine Zweizimmerwohnung geplant.»

Weiter bestätigt Hofmann, dass im geschichtsträchtigen Haus historische Funde ans Tageslicht gekommen sind. Die Denkmalpflege sei darüber informiert. «Im Rahmen des Baugesuchs wird abgeklärt, wie mit diesen Funden umgegangen wird», sagt Hofmann weiter.

«Wir können nur zuschauen und bedauern»

Mit dem Aus für das Restaurant La Gondola verliert die Luzerner Altstadt innerhalb von ein paar Monaten bereits den zweiten Gastrobetrieb. Im Frühling wurde bekannt, dass die Traditionsbeiz Hirschen den Besitzer wechselte und darum die Restaurants geschlossen wurden. Dort wurde über 500 Jahre gewirtet. Vom Aus des La Gondola im Zunfthaus zur Metzgern erfuhr Pierre Rügländer, Präsident des Quartiervereins Altstadt durch 20 Minuten. «Wir können nur zuschauen und bedauern, wenn alteingesessene Unternehmen aus der Altstadt verschwinden», sagt Rügländer. Die Art der Verpflegung und das Ausgangsverhalten habe sich halt verändert.

Das Zunfthaus zur Metzgern war eine der ältesten Weinschenken und Trinkstube der Stadt. Und dort stand ein legendärer Ofen, der in der Sage «Die Mordnacht von Luzern» eine Hauptrolle spielt: Laut Legende wurde ein Bub Zeuge einer Verschwörung von habsburgerfreundlichen, vornehmen Luzernern. Weil er den Eidgenossen nichts von den mörderischen Plänen verraten durfte, vertraute er sein Geheimnis dem Ofen an und konnte dadurch das Blutvergiessen verhindern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marc W am 20.08.2015 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bin gespannt

    Wer kann sich denn an einer solch exklusiven Lage eine Wohnung leisten?

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  • Luzernerin am 20.08.2015 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Schade, wird dieses Restaurant geschlossen. Wir waren sehr gerne da. Bin gespannt, wer sich diese tolle Wohnung leisten kann....

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  • Meyer am 20.08.2015 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    Freie Marktwirtschaft unfreier machen

    Irgendwie sollte die freie Marktwirtschaft reguliert werden. Sei es bei "Umnutzung" von Gebäuden oder ein Kauf- und Mietverbot von grossen Konzernen bei historischen Gebieten (betrifft v.a ausländische Unternehmungen die keine Tradition kennen, siehe z.B. das Thema Weihnachstbeleuchtung).

Die neusten Leser-Kommentare

  • cheeky620 am 22.08.2015 16:23 Report Diesen Beitrag melden

    Ach Ofen, Ofen, ich will dir klagen...

    In dem Haus müsste doch ein Museum entstehen - oder eben das Restaurant bleiben. Man müsste den Ofen rekonstruieren können, ihn öffentlich bestaunen können und so Luzerns Geschichte aufrecht erhalten. Warum handelt hier der Denkmalschutz denn nicht?? Will man aber mal ein verlottertes Haus ersetzen oder anbauen, steht der Denkmalschutz prontofix da. Komisch...

  • Eschpu am 22.08.2015 12:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Durchszügli

    Bin ex Luzerner wo ist eigentlich das durchzügli? Möchte dort mal bei meinem nächsten Besuch vorbeischauen da ich so viel positives von diesem Lokal gehört habe. Lozärner bleibt immer lozärner auch wenn er berufsmässig mal halt den Kanton wechseln muss.

    • cheeky620 am 22.08.2015 16:26 Report Diesen Beitrag melden

      Durchzügli

      @Eschpu Das Durchzügli ist auch Café La Suisse bekannt und hat eine eigene HP. Es ist an der Gerbergasse 11, hinter dem Schwanenplatz in einer Seitengasse. Viel Spass beim Besuch - es ist einmalig.

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  • lozärner 41 am 22.08.2015 11:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fremd in luzern

    @waschbär,bin 41jährig und stadtluzerner,aber was in den letzten 3jahren abgeht in luzern ist der totale abriss!! Abriss von vorallem chinesen,aber auch vielen indern und amis!! Die chinesischen investoren kaufen sich fast ganze strassen zusammen,siehe grendel und kapellplatz!! Die eigentümer werden durch extrem hohe gebote faktisch enteignet,und überall entstehen uhren und schmuckläden (die uns ch's viel bringen lol). In der gastro bringen sie schon etwas,aber auch nicht viel mehr,denn sie probieren immer mit 15pers vier menus zu bestellen (werden geteilt) und dann noch hahnenwasser dazu. Dazu sind sie mit der "platz da,wir sind chinesen" menthalität unterwegs!! Man sollte mal einen tag den schwanenplatz beobachten,dann fühlt man sich wie in chinatown,also ziemlich fremd.

    • Arnold am 23.08.2015 12:27 Report Diesen Beitrag melden

      Ergeht nur um Geld!

      Das traurige die Luzerner-Regierung reagiert nicht auf das Chaos !Ich bin in Luzern aufgewachsen und habe den ganzen Wandel miterlebt,sehr zum NACHTEIL der Bevölkerung und nur zum Vorteil einiger Investoren die Luzern verschandeln!Auf Dauer schadet das der Qualität des Tourismus,wenn der Charme von Luzern verloren geht,aber einige tun alles für ein paar Fränkli!

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  • Junger Luzerner am 22.08.2015 11:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für den Erhalt

    Könnt ihr Luzerner denn nichts dagegen tun? Wer bewilligt so ein Unding? Gerade die schönen geschichtlich interessanten Gebäude müssten restauriert und für uns Nachkommen erhalten bleiben.

  • cheeky620 am 21.08.2015 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Luzern

    Sehr sehr schade. Luzern hat sich so sehr gewandelt in kurzer Zeit. Alles steht in Chinesisch angeschrieben, aus urchigen Beizen werden Uhrenläden, Dönerbuden, Kleiderboutiquen. Die Stadt lebt schon längst nicht mehr. Abends nach Feierabend ist in Luzern totenstille. Nur schon in der Umgebung des Schwanenplatzes befinden sich 8-10 Uhrengeschäfte. Hoffentlich reguliert sich das bald von selber. Als gebürtige Luzernerin gefällt mir die "Chinesenstadt" je länger je weniger. Im Löwencenter einkaufen war mal schön - heute nimmer aus obigem Grund. Ich bin nicht Rassist, aber traure einer Stadt nach.

    • Wasch Baer am 21.08.2015 15:25 Report Diesen Beitrag melden

      Luzern verändert sich

      Da stimme ich dir voll zu aber wie sähe es finanziell ohne die Touristen aus die ja eine Menge Geld mitbringen? So viele Uhrenläden gäbe es bestimmt nicht wenn es sich nicht für die Inhaber rechnen würde. Und gerade der Tourismus bringt eine Menge Arbeitsplätze.

    • BitteWas am 22.08.2015 19:25 Report Diesen Beitrag melden

      Meine Meinung

      @Cheeky610, Luzern ist sicher abends nicht tot, was für ein Quatsch. @WaschBär, schau dir mal ein paar Statistiken an, du wirst schnell erkennen dass die meisten Arbeitsplätze mitnichten an die Touri-Industrie gehen. Grösster Arbeitgeber ist z.B. nach wie vor das Kantonsspital. Auch Suva und CSS sind gross.

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