«Tagesschau» statt Israel

10. Oktober 2010 21:50; Akt: 10.10.2010 20:53 Print

André Marty ist zurück

von Martin Erdmann - Der Luzerner SF-Korrespondent André Marty hat sechs Jahre aus Israel berichtet. Ab dem ­1. November arbeitet er wieder in der Schweiz.

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Der Luzerner SF-Korrespondent André Marty. (Bild: Gilad Kavalerchik)

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«Ich bin eher ein ängstlicher Mensch und bestimmt kein Held», sagt SF-Korrespondent André Marty (45). Trotzdem berichtete er seit 2004 sechs Jahre lang aus Tel Aviv in Israel. Palästinensische Selbstmordattentate und israelische Militäraktionen gehörten in dieser Zeit zum Alltag vieler dort lebender Menschen.

Nun ist Marty mit seiner Familie zurück in die Schweiz ­gezogen. Die schlimmen Eindrücke begleiten den Familienvater aber bis zu seinem Wohnsitz in Oberkirch. «Der Geruch des Todes ist mir geblieben», so Marty. Er sei mit einer gewissen westlichen Naivität nach Israel gekommen. Der Glaube an Frieden habe er mit der Zeit verloren. Dennoch dachte der Korrespondent nie ans Auf­hören: «Man darf nicht den Mut verlieren. Obwohl die Leute manchmal genug vom Nahost-Konflikt haben, ist es wichtig, darüber zu berichten.» Kriege würden nicht verhindert werden, bloss weil man wegzappe.

Am 1. November tritt Marty seine neue Stelle als Redaktor bei der «Tagesschau» an. «Ich brauche sicher noch ein wenig Zeit, um mich wieder einzuschweizern», sagt er. Denn an die teilweise anzutreffende Selbstfixiertheit der Schweizer müsse er sich erst wieder gewöhnen. «Genauso wie an das schlechte Wetter», schmunzelt Marty.