«Romance Scam»

10. April 2018 10:28; Akt: 10.04.2018 12:21 Print

Zugerin überweist Dating-Betrüger 400'000 Franken

Fast eine halbe Million Franken haben «Romance Scammer» zwei Zugerinnen abgenommen. Via Partnerportal bauten sie eine vorgetäuschte Beziehung auf und verlangten Geld.

Bildstrecke im Grossformat »
Betrüger und Opfer lernten sich auf Datingseiten oder Social Media kennen. Wie es funktioniert, zeigt folgender Fall: Die attraktive Internetbekanntschaft schickte Bilder, die sie zeigen sollen. Er sei Ingenieur, jetzt aber Kapitän auf einem Schiff. Die Facebook-Freundschaft zwischen Mirco Blaser und L. F.* nahm eine Woche vor Heiligabend des vergangenen Jahres ihren Anfang. Ihm habe das Bild gefallen, schreibt er in gebrochenem Deutsch. Er will Brücken an Bauunternehmen verkauft haben. «Sie sind das exakte Modell und eine perfekte Frau.» Blaser mag das Abenteuer und Musik. Ein hartes Los: Seine Frau soll an Krebs gestorben sein. Die beiden wechseln die Sprache. Blaser stellt sich als gottesfürchtiger Familienmensch dar. Das Blatt wandte sich, als er und seine Schiffsbesatzung angeblich plötzlich in Gefahr waren. Er klagte über Verletzungen auf dem Schiff und berichtete von Problemen mit der Besatzung. Seine Storys wurden immer verworrener und skurriler. Er erzählte plötzlich von Piraten, die angeblich vor der Küste in Italien lauerten, sie bedrohten. Dann wollte er ihr angeblich Geld schicken und so die wertvolle Fracht retten. Er bittet L. F., ihm beizustehen. «Es gibt keine Bank für mein Geld hier, lass mich nicht mein hart erarbeitetes Geld verlieren», forderte er sein Opfer auf. Dann forderte er die Adresse ultimativ ein. L. zieht die Reissleine, bevor Geld fliesst oder gewaschen wird. Sie findet heraus, dass Blaser mit anderen älteren Damen schreibt. Wenig später ist sein Account gelöscht. Zurück bleibt eine grosse Enttäuschung. «Er hat mir so gutgetan, aber das spielt jetzt keine Rolle mehr.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die grosse Liebe sollte es werden, aber übrig bleibt ein bitterer Nachgeschmack: Vor zwei Jahren hatte eine 59-jährige Zugerin einen Mann auf einem Partnerportal kennengelernt und eine Online-Beziehung zu ihm aufgebaut. Mit steigendem Vertrauen brachte der Mann sein Opfer dazu, ihm wegen angeblicher finanzieller Engpässe immer wieder Geld zu überweisen. Rund 400'000 Franken überwies ihm die Frau, wie die Zuger Strafverfolgungsbehörden am Dienstag mitteilten.

Regen Kontakt hatte auch eine 41-Jährige zu einem Unbekannten. Sie lernten sich auf Facebook kennen und tauschten Nachrichten via Whatsapp aus. Auch hier war die Masche dieselbe: Wegen finanzieller Not solle ihm die Frau Geld überweisen – und sie tat es: Rund 74'000 Franken überwies die Frau ihrem Facebook-Freund in der Türkei.

Täter sprechen nach kurzer Zeit von grosser Liebe

Bei der Masche handelt es sich um sogenannten «Romance Scam»: Die Täter täuschen ihren Opfern die grosse Liebe vor. Immer wieder senden sie den Geschädigten charmante Nachrichten. Das gehe bis hin zu Heiratsversprechen, heisst es in der Mitteilung. Die Opfer finden die Täter dabei auf Datingplattformen oder auf Social Media.

Ist das Vertrauen aufgebaut, wird Geld gefordert: «Bei der Begründung sind die Betrüger nie um eine Idee verlegen – beispielsweise benötigen sie das Geld für einen neuen Reisepass, für die Pflege eines kranken Verwandten, wegen eines Unfalls von einem Familienmitglied, um eine neue Firma zu gründen oder für einen neuen Internetanschluss», so die Mitteilung

Die Strafverfolgungsbehörden warnen: Man soll vorsichtig sein, wenn das Gegenüber rasch von der grossen Liebe spricht. Auch wenn es plötzlich um Geldnot geht und Hilfe gesucht wird, sei Vorsicht geboten: Geld solle nie an Leute ausgeliehen werden, die man nicht gut kennt und die man noch nie persönlich getroffen hat.

«Ermittlungen im Ausland sind sehr schwierig»

Hoffnung, dass die Zugerin ihr Geld wieder erhält, besteht kaum. Sandra Peier, Sprecherin der Zuger Polizei, sagt: «Manchmal hat man Glück und das Geld liegt noch bei der Bank, wurde also noch nicht überwiesen. Aber wenn es bereits ins Ausland übermittelt wurde, wird es sehr schwierig.» Für die Ermittlungen brauche es zum Beispiel ein Rechtshilfegesuch an den betreffenden Staat. «Natürlich machen wir, was wir können», sagt Peier.

Schon mal Zuger um 400'000 Franken betrogen

Auch die Banken seien auf das Thema sensibilisiert, «die machen einen guten Job». Aber auch das hilft nicht immer: Im Februar 2017 wurde ebenfalls in Zug ein Mann von seiner Internetbekanntschaft um 400'000 Franken betrogen. Die Bank des Betrugsopfers wurde ob der vielen Transaktionen misstrauisch und warnte ihren Kunden vor der Betrugsmasche «Romance Scam». Dennoch tätigte der Mann weitere Überweisungen nach Afrika. Als seine vermeintliche Geliebte den Kontakt abbrach, erstattete der Senior Anzeige.

(gwa)