Uri

23. August 2017 05:56; Akt: 23.08.2017 05:56 Print

Anti-Wolf-Lampen lösen Polizei-Einsätze aus

In Uri setzen Schafhalter neu auf LED-Signallampen, um Wölfe zu verscheuchen. Bei der Polizei gehen nun aber viele Meldungen ein von Personen, die denken, es sei jemand in Bergnot geraten.

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Mit solchen Lampen wird versucht, Wölfe von Schafsherden fernzuhalten. (Bild: Digitallu)

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Älpler entdecken die Technik, um ihre Schafherden vor Raubtieren zu schützen: Sie setzen auf ihren Alpen LED-Signallampen ein, die bei Dunkelheit in unregelmässigen Abständen in unterschiedlichen Farben blinken. Diese willkürlich blinkenden Lichter sollen Wolf oder Bär verscheuchen und damit die Schafe schützen. Eingesetzt wird die Technik vor allem dort, wo kein Älper oder Hirte ständig seine Herde beschützt.

Alarm wegen Anti-Wolf-Lampen

Die Anti-Wolf-Lampen erzeugen jedoch auch eine ungewollte Wirkung: Bei der Kantonspolizei Uri sind in den letzten Wochen etliche Meldungen von Personen eingegangen, die wegen den Lampen in den stockdunklen Alpen die Befürchtung hatten, es sei jemand in Bergnot geraten, wie die Polizei mitteilte. Denn: «Die Unterscheidung zwischen Signalen von Personen in Bergnot und Lichtimpulsen von Signallampen zum Herdenschutz ist nicht immer auf Anhieb möglich», teilte sie mit.

Laut Polizeisprecher Gusti Planzer gab es schon einige Fälle, in denen die Polizei wegen den Anti-Wolf-Lampen ausrücken musste. «Die Meldungen betreffen exponierte Gebiete, die unter anderem vom Urner Talboden aus gut ersichtlich sind», sagt er. Die Polizei versuche dann zunächst herauszufinden, ob tatsächlich jemand in Not sei.

Lampen-Einsatz den Behörden melden

Die Kantonspolizei Uri ruft in einer Mitteilung Älpler und Hirten auf, sich bei der Polizei unter Telefon 041 874 53 53 zu melden, bevor sie die Lampen einsetzen. «Damit wird es für die Polizei möglich sein, Meldende zu informieren und zu beruhigen und unnötige Einsätze von Blaulicht- und anderen Rettungsorganisationen zu vermeiden.»

Die Polizei sei auch in Kontakt mit der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons. «Diese wird die Schafhalter anhalten, den Lampen-Einsatz vorgängig zu melden und uns künftig entsprechend zu informieren», sagt Planzer.

Wölfe gewöhnen sich an die Lampen

Dieter von Muralt, zuständig für den Herdenschutz beim Zentralschweizer Schafhalter Verein, fände es sinnvoll, wenn Schafhalter vor dem Einsatz den Lampen freiwillig die Polizei ins Bild setzen, damit unnötige Rettungseinsätze vermieden werden. Er rät übrigens, die Anti-Wolf-Lampen nur als kurzfristige Notlösung einzusetzen, wenn in einem Gebiet plötzlich ein Wolf auftaucht und keine anderen Schutzmassnahmen möglich sind: «Nach ein, zwei Wochen merkt ein Wolf, dass ihm die Lampen nichts anhaben können. Nachhaltiger wären Elektrozäune, die den Wölfen eins zwicken. Dann merkt ein Wolf, dass dies ihm Schmerzen bereitet.»

Rega flog wegen Lampe von Naturfotograf

Nicht immer sind es indes Anti-Wolf-Lampen, die Rettungseinsätze provozieren: Anfang Sommer hatte ein Naturfotograf auf dem Klausenpass für seine Bilder auch eine Lampe eingesetzt, was einen Rega-Einsatz zur Folge hatte, weil jemand seine Lampe für ein Bergnot-Signal gehalten hatte. Deshalb bittet die Kantonspolizei Uri nicht nur Schafhalter, sondern alle Personen, die nachts in den Alpen mit Lampen hantieren, dies vorher zu melden.

«Lieber einmal zu viel als zu wenig melden»

Die Kantonspolizei Uri sagt trotz allem: «Im Zweifelsfall gilt nach wie vor: Besser einmal zu viel als einmal zu wenig verdächtige Wahrnehmungen der Polizei melden.»


Eine Anti-Wolf-Lampe des Typs Fox-Light im Einsatz.

(mme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Papa Moll am 23.08.2017 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorbildlich

    Vorbildlich, dass die Leute sowas bemerken und melden.

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  • Tom am 23.08.2017 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und es funktioniert...

    Und spätestens die anrauschende Polizei mit Martinshorn und angeschalteter Signalanlage wird jeden Wolf oder Bär zuverlässig verscheuchen. :)

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  • Peter Miller am 23.08.2017 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber einmal zuviel

    Gehen wir davon aus, ein Fotograf oder Wanderer/Bergsteiger meldet sich bei der Polizei, dass in dieser Region unterwegs ist. Und er kommt in Not. Gibt Zeichen mit der Lampe. Super, die Polizei weiss zwar davon, beruhigt aber den Anrufenden, dass dieser nicht in Not ist, was aber doch so ist. Oder der Hirte/Schafzüchter meldet seine Installation und die oben Erwähnten kommen genau an dieser Stelle in Not. In beiden Fällen wird keine Hilfe kommen. Dabei heisst es doch : Lieber einmal zuviel einen möglichen Notfall melden, als das der in Not geratene Person keine Hilfe erwarten kann.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hubertus am 23.08.2017 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Wölfe sind wie die Pest!

    Wozu brauchen wir eigentlich in der Schweiz WÖLFE? Beim Wolf handelt es sich ja nicht um eine gefährdete Tierart und so kommt es einem vor, als sei die Ansiedlung des Raubtiers etwa gleich motiviert, wie wenn man mit Berufung auf die Natur der PEST hierzulande wieder Ausbreitungsmöglichkeiten bieten würde, um dann mit gewaltigem Aufwand die Menschen punktuell vor der Ansteckung zu schützen. Eigenartig!

    • MrKuzu am 23.08.2017 13:51 Report Diesen Beitrag melden

      Wölfe

      Menschen sind die grösste Gefahr die die Erde je hatte! Ein Tier mit der Pest zu vergleichen ist äusserst niveaulos weil gewisse Menschen diesen Ausdruck mehr verdient haben! Und doch in der Schweiz ist diese Art gefährdet und sollte noch LANGE nicht auf die Abschussliste fallen. Und 3. Die Schweiz braucht sehr wohl Wölfe weil sie schon viel früher hierzulande heimisch waren und stattdessen muss man nicht in alle Wälder Kieswege/Wanderwege einpflanzen und gewisse Wälder einfach mal Naturbelassen lassen!

    • Hubertus am 23.08.2017 14:53 Report Diesen Beitrag melden

      @MrKuzu

      "In der Schweiz ist diese Art gefährdet". Da reden Sie ja ganz schön um den Brei herum, denn das vergleichsweise mikroskopisch anmutende und deshalb intensiv genutzte Staatsgebiet der Schweiz ist wohl kaum für den Fortbestand einer Tierart relevant, schon gar nicht der des gemeinen Wolfes. Bezüglich "Schädling Mensch" aber bin ich geneigt, Ihnen Recht zu geben. Da Sie und ich aber exakt dieser bestialischen Tierart angehören, müssen wir uns da wohl trotzdem ein wenig in Zurückhaltung üben...

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  • Prof. Dr. Von der Heide. am 23.08.2017 10:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Hirte

    Tagsüber arbeitet der Hirte in der Fabrik. Und kassiert Subventionen Für Nichtstun.

  • Chrüsi am 23.08.2017 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Praktische Lampen - jetzt wissen die

    Wölfe wo es Schafe gibt. Das Blitzlicht schreckt sie sowieso nach ein paar Tagen nicht mehr ab.

  • Mirjam B. am 23.08.2017 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Schafzucht ist kein Schleck

    Was nun ? Schafshaltern befiehlt man, ihre Herden mit allen möglichen Mitteln zu schützen. Versuchen sie es, ist's auch wieder nicht recht. Eine Meldepflicht solcher Lampen an die Polizei würde genügen. Dass sich Wölfe bald an die Lampen gewöhnen, glaube ich leider auch. Elektrozäune sähe ich schon eher; aber wirksame, so dass Wölfen die Mordlust ein für alle Mal vergeht. Und so angebracht, dass sie den zu schützenden Schafen nicht schaden. Diese Zäune natürlich nur Nachts, wenn keine Menschen unterwegs sind. Zahlen sollen die Massnahmen die Bauern ? Warum nicht die Wolfs-Verrückten ?

  • Züri Leu am 23.08.2017 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anti Wolf Lampen

    Erst hab ich gedacht, die Lampen seien gegen den Zürcher Stadtrat aufgestellt.