Zuger Sex-Skandal

05. Januar 2015 16:00; Akt: 05.03.2015 12:25 Print

Auch Hürlimann kann sich nicht erinnern

Der Zuger SVP-Präsident Hürlimann habe nie gesagt, mit Kantonsrätin Spiess-Hegglin Sex gehabt zu haben – das hält Hürlimanns Anwalt fest. Bestätigt werden nur Küsse.

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In den Proben der Zuger Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin sind keine K.-o.-Tropfen nachgewiesen worden. Die Zuger Staatsanwaltschaft teilte am Montag mit, dass Blut und Urin der 34-Jährigen frei von jeglichen Substanzen gewesen seien.

Das bedeutet allerdings nicht, dass mit absoluter Sicherheit keine solchen Tropfen im Spiel waren. Polizeisprecher Marcel Schlatter sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA, dass die Substanz GHB acht Stunden lang nachweisbar sei. Im Falle von Spiess-Hegglin vergingen zwischen dem mutmasslichen Vorfall und der Probe-Entnahme im Spital allerdings rund 20 Stunden.

SVP zeigt sich erfreut

Jolanda Spiess-Hegglin zeigt sich vom Testresultat nicht beeindruckt. «Ich bin darüber nicht überrascht», sagt sie und hält an ihrer Darstellung fest. «Die Umstände meines Erwachens am Sonntagmorgen – ohne jedes Anzeichen einer Alkoholvergiftung am Vorabend und die Erinnerung an das, was ich bis zum Beginn der Erinnerungslücke nur getrunken hatte, lassen für mich keinen anderen Schluss zu», schreibt Spiess-Hegglin in einer Mitteilung. Die Politikerin erhebt gleichzeitig Vorwürfe gegen das Kantonsspital Zug: «Ich war um zirka 11 Uhr im Kantonsspital, wurde dann erst von einer Stelle zur nächsten und wieder nach Hause geschickt, um meine Kleider vom Vorabend holen zu gehen.» Offensichtlich sei das Spital überhaupt nicht vorbereitet auf solche Fälle.

SVP-Politiker Markus Hürlimann fühlt sich nun laut einer Mitteilung seines Anwalts Markus Dormann bestätigt: «Er hat stets festgehalten, dass er weder irgendwie mit K.-o.-Tropfen zugange war, noch sonstwie strafbare Handlungen vorgenommen hat», heisst es in der Mitteilung. Hürlimann sei zuversichtlich, dass die Vorwürfe gegen ihn rasch geklärt würden. Aktuell laufe lediglich ein Vorverfahren gegen ihn und es sei denkbar, dass gar kein Untersuchungsverfahren eröffnet werde.

Nur Küsse, kein Sex

Hürlimann könne sich aufgrund des Alkoholkonsums nur bruchstückhaft an die Ereignisse erinnern. Der Politiker habe auch nie einem Medium gesagt, es sei zwischen ihm und Jolanda Spiess-Hegglin zu Sex gekommen. «Alle bisher befragten Zeugen bestätigen jedoch eine beidseitig freiwillige Annäherung zwischen den beiden unter Alkoholeinfluss», heisst es in der Mitteilung. Laut übereinstimmenden Zeugenaussagen hätten Spiess-Hegglin und Markus Hürlimann sich geküsst.

Bei der SVP des Kantons Zug nimmt man das Ergebnis ebenfalls erleichtert zur Kenntnis. «Wir freuen uns. Es gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung», sagt Nationalrat Thomas Aeschi, der das Präsidium interimistisch übernommen hat. Nun wolle man die Ergebnisse des Vorverfahrens abwarten und dann entscheiden, wie es weitergeht. «Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass aufgrund der laufenden Befragungen und medizinischen Untersuchungen gar kein Verfahren eröffnet wird.»

Mit Unterleibsschmerzen aufgewacht

Der Vorfall soll sich nach der Feier für den neuen Landammann Heinz Tännler (SVP) in der Nacht auf den 21. Dezember 2014 ereignet haben. Dort war Spiess-Hegglin zuletzt zusammen mit Hürlimann gesehen worden.

Die Politikerin wachte am Morgen danach mit Unterleibsschmerzen auf, hatte aber keinen Kater. Weil sie sich an nichts mehr erinnern konnte, ging Spiess-Hegglin ins Spital. Die Ärzte informierten schliesslich die Polizei.

(mme/sda)