Kripo-Chef warnt

01. Oktober 2018 18:18; Akt: 03.10.2018 09:03 Print

«Haben kaum Ressourcen gegen Drogenhandel»

Der Luzerner Kripo-Chef fürchtete, dass wegen fehlender Ressourcen bei der Polizei kriminelle Banden profitieren könnten. Nun gibt er die Kripo in neue Hände. Mit welcher Schlagkraft?

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Ende Dezember geht der 59-jährige Chef der Luzerner Kriminalpolizei, Daniel Bussmann, aus privaten Gründen frühzeitig in Pension. Sein Nachfolger Jürg Wobmann startet am 1. Dezember.


Auf den neuen Chef warten viele Herausforderungen: Noch im März 2018 hielt Bussmann im Geschäftsbericht für das Jahr 2017 fest, dass etwa im Bereich Bandenkriminalität die Kripo aus Ressourcengründen den Vergehen nicht immer nachgehen konnte. «Heute muss davon ausgegangen werden, dass kriminelle Gruppierungen daraus Kapital schlagen werden», schrieb Bussmann damals. Neue Ermittlungsressourcen seien erst 2019 möglich. Von ihm wollten wir wissen, in welcher Schlagkraft er die Kripo seinem Nachfolger übergeben kann.

Daniel Bussmann, wie hat sich die Situation seit dieser Aussage bis heute entwickelt?
Daniel Bussmann: Die Situation ist nach wie vor sehr angespannt. Die Ermittlungsressourcen werden stark durch aktuelle Ereignisse gebunden, weshalb für die Verdichtung von Verdachtslagen und gezielte Ermittlungen vor allem in Fällen von qualifiziertem Drogenhandel, Förderung der Prostitution und anderen anspruchsvollen und aufwändigen Deliktsfeldern kaum mehr Ressourcen vorhanden sind. Weiter mussten im laufenden Jahr 210 Stellenprozente zu Lasten der Ermittlungsarbeit abgebaut werden.

Wird sich der Zustand 2019 bessern?
Bussmann: Die Entwicklung der personellen Ressourcen ist vor der Haushaltsdebatte im Kantonsrat nicht absehbar. Selbst im günstigsten Fall, also wenn zusätzliche Stellen geschaffen werden könnten, wird es dauern, bis die Kriminalpolizei geeignete Anwärter rekrutieren und in die neuen Aufgaben einführen kann.

Die Fachgruppe Intervention musste 2017 Überzeit abbauen. «Phasenweise ist die Fahndung kaum mehr existent gewesen», schrieben Sie im Frühling dieses Jahres im Geschäftsbericht. Welche Fahndungsarbeit musste diese Fachgruppe liegen lassen?
Bussmann: Darunter litten vor allem Schwerpunktsanktionen im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Strassenkriminalität, wie beispielsweise die Drogenkriminalität, Raubstraftaten, Taschen- und Trickdiebstähle sowie andere aktuelle Kriminalphänome wie etwa bandenmässige Einbruchdiebstähle.

Litt darunter die öffentliche Sicherheit?
Bussmann: Die Entwicklung wird nach Vorliegen der Kriminalstatistik für das laufende Jahr zu analysieren sein. Vorher können keine fundierten Aussagen dazu gemacht werden.

Sie hatten im Geschäftsbericht auch die Situation im IT-Bereich beklagt. Wie ist der aktuelle Stand in diesem Bereich?
Bussmann: Im Bereich der IT Forensik konnte ein neues System in Betrieb genommen werden, was die Arbeit in Zukunft erleichtern wird. Aktuell ist der Fachdienst mit seinen Auswertungen von strafrechtlich relevanten elektronischen Daten drei bis vier Monate im Rückstand, was die Ermittlungen verzögert. Positiv sind die zunehmende Vernetzung der schweizerischen Dienststellen und der Austausch von Best Practice zu vermerken. Zudem wurde unter den Ermittlern eine kleine Gruppe von Spezialisten zur Verfolgung von derartigen Straftaten gebildet. Die Weiterbildung wurde für alle Polizisten mit einem E-Learning des Schweizerischen Polizeiinstitutes forciert. Es wird in naher Zukunft darum gehen, das entsprechende Wissen breiter auszurollen, damit in allen Deliktsfeldern Straftaten gezielt bekämpft werden können.

Auffallend ist, dass die Polizei laut Statistik in den Bereichen von schwerwiegenden Straftaten wie etwa Tötungsdelikte, versuchte Tötungen, Vergewaltigungen und sexuelle Handlungen an Kindern auffallend hohe bis 100 prozentige Aufklärungsquoten vorweisen kann. Stehen für dieses Jahr und 2019 genügend Ressourcen zur Verfügung, damit man weiterhin solch erfreuliche Quoten präsentieren kann?
Bussmann: Diese Ermittlungserfolge sind auch auf die gezielte Prioritätensetzung und den Ressourcenansatz bei schweren Kriminalstraftaten zurückzuführen. Teilweise bestanden bei klassischen Täter-Opfer-Konstellationen gute Ermittlungsansätze zur Eruierung der Tatverdächtigen. Fakt ist, dass solche Ermittlungsanstrengungen in einem einzelnen Fall immer zu Lasten anderer Fälle gehen.


Wie wird der Übergang an Ihren Nachfolger Jürg Wobmann stattfinden?
Bussmann: Jürg Wobmann tritt seine Stelle am 1. Dezember 2018 an und wird während drei Wochen von mir eingeführt. Jürg Wobmann steht bei der anspruchsvollen, neuen Aufgabe eine eingespielte Führungscrew zur Seite.

Interview von Daniela Gigor
Dieses Interview wurde schriftlich geführt