Kanton Uri

16. August 2016 08:29; Akt: 16.08.2016 18:40 Print

Aus für Asylzentrum Seelisberg

Die Regierung stoppt ihre Pläne für ein Asylzentrum in Seelisberg. Das Asylwesen führt zudem neu ein dreiköpfiger Ausschuss.

So reagiert die Bevölkerung auf den Stopp zu den Plänen für ein Asylzentrum.
Zum Thema
Fehler gesehen?

In Uri verzichtet die Regierung vorerst auf ein geplantes Asylzentrum im Bergdorf Seelisberg, wie sie am Dienstag mitteilte. Im Urner Talboden bestünden derzeit genügend Unterkunftsplätze. «Angesichts dieser Unterkunftsreserve wird das Projekt Kollektivunterkunft in Seelisberg im Einverständnis mit dem SRK (Schweizerisches Rotes Kreuz) einstweilen sistiert», heisst es. Die Berggemeinde hatte sich heftig gegen die geplante Unterkunft in einem Hotel gewehrt. Über das Aus für die Asylpläne hatte in ihrer heutigen Ausgabe bereits die «Basler Zeitung» spekuliert.

Umfrage
Ist Seelisberg als Asylstandort noch tragbar?
10 %
59 %
7 %
24 %
Insgesamt 4118 Teilnehmer

Nun soll sich die Situation beruhigen: Die Regierung lädt zu einem runden Tisch. Dort sollen sich Vertreter des Kantons, des SRK, der Gemeinde und der IG «Vernünftige Asyllösung für Seelisberg» treffen, damit das Vertrauen wieder hergestellt werden kann. Zudem sollen Massnahmen erarbeitet werden, damit genügend Plätze für Asylsuchende geschaffen werden können.

Weiter hat die Regierung einen Asylausschuss – bestehend aus Landammann Beat Jörg, Sozialdirektorin Barbara Bär und Sicherheitsdirektor Dimitri Moretti – eingesetzt. So sollen im nächsten halben Jahr «gemeinsam getragene und breit abgestützte Lösungen» im Asylwesen erarbeitet werden.

Strafanzeige nach Infoveranstaltung

Hintergrund ist der Streit um das geplante Asylzentrum in Seelisberg: Die erste öffentliche Infoveranstaltung am 4. August musste wegen der vielen Proteste abgebrochen werden. Der Vorwurf: Die Regierung habe Gemeinde und Bevölkerung zu spät über das Vorhaben informiert und vor vollendete Tatsachen gestellt, so der Vorwurf. Regierungsrätin Bär zeigte sich danach schockiert über den Verlauf – inzwischen kam es sogar zu einer Strafanzeige.

Wie die «BaZ» berichtet, sollen die Urner Behörden bereits nach Personal für das geplante Asylzentrum in Seelisberg gesucht haben, noch bevor die Bevölkerung von den Plänen erfuhr. So soll auf der internen Stellenbörse des SRK am 13. Juli ein Inserat aufgeschalten worden sein, mit dem «4 motivierte, belastbare und sozialkompetente Mitarbeiter Aufsicht Asylunterkunft» gesucht wurden. Die «Führung der neuen Erstaufnahme-Asylunterkunft in Seelisberg» sei dem SRK aufgetragen worden. Brisant: Die Bevölkerung wurde erst am 21. Juli – knapp eine Woche später – via Flugblatt über die Pläne informiert.

Auch SP übt Kritik

Der Einsendeschluss für die Bewerbungsunterlagen war jedoch schon zwei Tage vor dieser Veranstaltung am 2. August. Bär ihrerseits hatte nach dem Anlass betont, dass der Kanton dem Gemeinderat einen früheren Termin vorgeschlagen hatte. Dieser sei für die Gemeinde aber nicht passend gewesen.

Dies stösst nun laut «BaZ» auch der SP sauer auf: Hatte sie sich zuvor noch hinter die zuständige Regierungsrätin Barbara Bär (FDP) gestellt, bezeichnet nun SP-Geschäftsleitungsmitglied Sebastian Züst dieses Vorgehen als «unsensibel». Dass bereits nach Personal gesucht wurde, bevor man die Bevölkerung informiert hat, «führt automatisch zu Verärgerung und Unmut», sagt er. Aber auch das Verhalten von Teilen der Bevölkerung sei nicht zu akzeptieren.

(gwa)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • René B. am 16.08.2016 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Seelisberg

    Von mir gibt es ein ganz grosses BRAVO an die Seelisberger Bevölkerung. Recht habt ihr, wehrt euch, lasst euch nicht alles gefallen, weiter so. Hoffentlich lassen sich dadurch auch andere ermutigen aufzustehen. Noch einmal BRAVO.

    einklappen einklappen
  • Huan am 16.08.2016 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo an diese Gemeinde

    Das ist Volkswille !

  • Mav am 16.08.2016 11:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    das Volk hat das letzte Wort!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Cavi33 am 16.08.2016 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wundert sich da jemand

    Es wird langsam Zeit wenn unsere Regierung aus ihrem Pseudo-Dornröschenschlaf erwacht und das Asylproblem endlich mit rigorosen Massnahmen eindämmt und die Asylanten wieder nach Hause spediert. Hilfe vor Ort ist dringend notwendig und nicht unsere Durchfütterungsmethoden. Wirtschaftlich gesehen laufen wir das voll ins Abseits das gilt dann auch für linke und grüne

  • Fabu am 16.08.2016 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    moll. toll. super.

    typisch uri. jetzt hat es aufeinmal genügend platz im bereich des talbodens. warum zuerst seelisberg nennrn obwohl es auch im bereich des talbodens platz hat?

  • Loou am 16.08.2016 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Vielleicht besser so, weil Konflikte zw Bevölkerung und Asylanten vorprogrammiert waren. Bedauernswert aber, dass der Grossteil der Bewohner von Seelisberg nicht helfen möchte, weil diese wahrscheinlich eine sehr eingeschränkte Sicht der Dinge haben, die auf internationaler Ebene im Migrationsbereich geschehen. Geschweige denn, dass diese ein Verständnis für die Situation der Flüchtlinge haben.

  • Alca74 am 16.08.2016 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na super

    Jetzt müssen andere Gemeinden mehr aufnehmen. Sehr solidarisch Seelisberg. Ich denke man hört erst wieder etwas von dieser Alp, wenn es um den Fianzausgleich geht, denn dann fordern die Bergler wieder laut Solidarität!

  • Mika7 am 16.08.2016 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausverkauf der Schweiz

    Liebe Politiker. Wann merkt ihr endlich, dass wir Eidgenossen schon lange genug von euren Ideen haben? Stichwort: Ausverkauf CH, Plünderung unserer Sozialsysteme etc.