Unterirdischer Bahnhof

17. Februar 2011 14:11; Akt: 17.02.2011 14:46 Print

Bald unter dem See nach Luzern?

Ein Tiefbahnhof Luzern ist geologisch machbar und die beste Massnahme, um die Kapazitätsprobleme langfristig zu beheben. Dies zeigt eine Machbarkeitsstudie. Knacknuss wird die Finanzierung sein.

Bildstrecke im Grossformat »

Fehler gesehen?

Vertreter der Zentralschweizer Kantone, der Stadt Luzern und der SBB haben am Donnerstag die Grundlagen für ein Vorprojekt Tiefbahnhof Luzern vorgestellt. Dieses soll nun bis Ende 2012 ausgearbeitet werden.

Beim Tiefbahnhof Luzern handelt es sich um einen neuen Bahnhof für die Linie Zürich-Luzern. Erschlossen wird er mit einem 3,5 Kilometer langen doppelspurigen Tunnel, der in Ebikon LU abzweigt und dann unter dem Luzerner Quartier Dreilinden und dem Luzerner Seebecken zum Bahnhof führt.

Der viergleisige Bahnhof wird rund 14 Meter unter den heutigen Gleisen zu liegen kommen. Zwischen die beiden Gleisgeschossen wird eine Ladenebene eingebaut. Wie der bestehende Bahnhof, wird auch der Tiefbahnhof ein Kopfbahnhof sein. Er könnte von einer späteren Generation zum Durchgangsbahnhof ausgebaut werden.

Offene Bauweise im See

Die 3,1 Kilometer des Tunnels von Ebikon bis zum See werden konventionell mit einer Tunnelbohrmaschine erstellt. Der Luzerner Kantonsingenieur Rolf Bättig sagte, es handle sich um einen guten Felsen. Dieser Tunnelabschnitt wird auch über einen Sicherheitsstollen verfügen.

Als «pièce de résistance» bezeichnete Bättig den 400 Meter langen Abschnitt unter dem Seebecken hindurch. Die Seeablagerungen seien schlechter Baugrund, sagte er.

Der Seetunnel wird deshalb in der Tagbauweise realisiert. Dabei wird vor dem Tunnelaushub mittels Pfahl- und Spundwänden sowie Dichtsohlen eine trockene Baugrube geschaffen. Der Seetunnel wird in vier Ertappen erstellt, so dass für die Schifffahrt genügend Platz bleibt.

Das Luzerner Schienennetz dürfte ab 2020 deutlich überbelastet sein. Für den Luzerner Baudirektor Max Pfister gibt es keine Alternative zum Tiefbahnhof. Mit den 220 Zügen, die er täglich abfertigen könne, löse er das Kapazitätsproblem des Luzerner Bahnhofs langfristig. Eine «kleine Lösung» sei in Luzern nicht möglich, sagte auch Ernst Eugster von der SBB Infrastruktur.

Tatsächlich würde der Tiefbahnhof nicht nur die Kapazität auf der Linie Zürich-Luzern erhöhen, sondern auch die enge, nur zweigleisige Bahnhofszufahrt und den bestehenden Bahnhof selbst entlasten. Davon würden auch die anderen Linien profitieren.

Bund entscheidet

Die Frage ist aber, ob der Bund den Tiefbahnhof als ebenso dringlich einstuft wie die Zentralschweiz. Das Bundesamt für Verkehr hatte dem Projekt im letzten Frühling nur zweite Priorität eingeräumt.

Wie viel der Tiefbahnhof kostet, ist derzeit offen, es dürfte aber mehr als eine Milliarde Franken sein. Die Kantone Luzern, Ob- und Nidwalden sowie die Stadt Luzern sind bereit, das Vorhaben mitzufinanzieren.

Im Vergleich mit anderen Agglomerationen habe Luzern ein klar schlechteres Bahnangebot, sagte der Nidwaldner Baudirektor Hans Wicki. Die eidgenössischen Instanzen müssten deshalb die Weichen im Projekt Bahn 2030 entsprechend stellen.

(sda)