Hochschule Luzern

26. Dezember 2018 15:25; Akt: 26.12.2018 20:29 Print

Bananen sollen Rohstoff für Kleider liefern

Die Bananenstauden, die nach der Ernte übrig bleiben, werden weggeworfen. Das soll sich ändern. Laut HSLU haben die Fasern Potenzial zur Textilherstellung.

HSLU-Forscherin Tina Moor macht Garn aus Bananenfasern. (Video: Youtube/ Hochschule Luzern)

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Bananenstauden liefern eine Naturfaser, die mit Jute, Hanf oder Leinen vergleichbar ist. Anders als diese braucht sie jedoch keine extra Anbaufläche. Denn Bananenstauden tragen nur ein einziges Mal Früchte. Und mehr als 100 Millionen Tonnen Bananen werden weltweit pro Jahr geerntet. Viel pflanzlicher Abfall also, der sonst mitunter am Feldrand verbrannt wird.

Veredelung für Kleidung

In einem zweijährigen Projekt, das dieser Tage zum Abschluss kommt, hat ein Forschungsteam der Hochschule Luzern (HSLU) mit Partnern das Potenzial dieser Faser untersucht. Als greifbares Resultat ging ein kleiner Teppich hervor, der auf einer Industriemaschine produziert wurde.

Auch erprobten die Forscher Techniken, um die raue Faser geschmeidiger zu machen. An einem Handwebstuhl produzierte Projektleiterin Tina Moor dabei Stoffstücke, wie es in einem Artikel des HSLU-Magazins heisst.

«Wenn man die Bananenfasern für Kleidung verwenden möchte, bräuchte es eine Oberflächenbehandlung», erklärte Andrea Weber-Marin, ebenfalls am Projekt beteiligt, im Gespräch mit der Agentur Keystone-SDA. «Wir haben erste Ideen für Verfahren, um die Faser geschmeidiger zu machen.»

Wirtschaftlich konkurrenzfähig

Ein weiterer Schritt wäre nun, zu prüfen, inwiefern man diese Verfahren hochskalieren und standardisieren könnte für die industrielle Produktion. Auch die Kosten kann man laut Weber-Marin noch nicht abschätzen. «Weil es sich um ein Abfallprodukt aus der Nahrungsmittelproduktion handelt und somit nicht extra angebaut werden muss, bleibt die Faser wahrscheinlich trotz eines Veredelungsschritts kostenmässig konkurrenzfähig.»

Bananenfasern könnten künftig einen Teil des Baumwollbedarfs decken und damit Anbaufläche für die Nahrungsmittelproduktion freigeben, hofft die Forscherin. «Sie wäre jedenfalls eine gute Ergänzung der Palette der Naturtextilien.» Färben liesse sie sich ähnlich wie Baumwolle, wäre dabei aber widerstandsfähiger. Ohne Veredelungsschritt eignet sich das Garn aber bereits für Teppiche sowie für textilverstärkte Verbundstoffe.

Das Projekt, dessen Abschlussbericht im Frühjahr ansteht, hatte aber auch seine Rückschläge: So kämpften Moor und ihr Team mit sehr begrenztem Ausgangsmaterial, das für Spinnversuche aufzubereiten war: Lediglich 50 Kilogramm stand ihnen zur Verfügung. Die Industriepartner besassen jedoch nur grosse Industriemaschinen, die auf deutlich mehr Material ausgelegt sind.

Produktionsländer sind gefragt

Um der Bananenfaser zum Durchbruch zu verhelfen, sind aber in erster Linie die Länder gefragt, in denen Bananen produziert werden. Dort sind laut Moor starke Partner nötig, die bereit und fähig sein müssten, in einen neuen Geschäftszweig zu investieren und die nötige Infrastruktur vor Ort aufzubauen.

In dieser Hinsicht ist das nun abgeschlossene Projekt nur ein erster Schritt. Viele weitere müssen folgen, bevor in europäischen Wohnungen und Büros Bananenteppiche liegen oder gar Bananenkleidung im Kleiderschrank hängt.

(gwa/sda)