LUKB

11. Februar 2020 14:05; Akt: 11.02.2020 14:47 Print

Kontoauszug eines Toten kostet 120 Franken

Nach dem Tod ihres Vaters benötigte eine Luzernerin eine Saldobestätigung von dessen Konto. Diese bekam sie – für 120 Franken.

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«Das ist ein stolzer Preis für eine Saldobestätigung, die per Mausklick erzeugt wird», sagt eine Frau zur «Luzerner Zeitung». Hintergrund: Der Vater der Frau war vor kurzem gestorben. Neben der Erledigung diverser anderer administrativer Aufgaben benötigte die Frau auch eine Saldobestätigung Luzerner Kantonalbank (LUKB) für das Konto des verstorbenen Vaters.

Viele Arbeiten von Hand

Diese Bestätigung, ein einseitiges Papier, hat die Frau erhalten. Und: Gleichzeitig wurde das Konto des Verstorbenen wegen der Eröffnung der Erbenposition mit 120 Franken belastet. Ein Beileidsschreiben habe es nicht gegeben. «Anteilnahme und Kundenfreundlichkeit sehen für mich anders aus», sagt die Frau.

Die Bank erklärt dies gegenüber der «LZ» so: Das Einrichten und Verwalten von Geschäftsbeziehungen mit ungeregelten Erbschaften sei «mit sehr hohem Aufwand verbunden». Die Saldobestätigung sei lediglich ein Teil aller Arbeiten, die nach einem Todesfall anfielen. So müssten viele Arbeiten manuell ausgeführt werden, damit die Bank ihren rechtlichen Pflichten nachkommen könne. Beispielsweise würden Daueraufträge und Kreditkarten gelöscht. Solche Arbeiten liessen sich «nicht in vollem Umfang digitalisieren oder automatisieren», wie LUKB-Sprecher Daniel von Arx zum Blatt sagt.

Andere Banken verlangen nichts

Eine solche Gebühr ist bei anderen Banken nicht üblich: Bei den anderen fünf Zentralschweizer Kantonalbanken sind diese Dienstleistungen kostenlos. Die Banken würden aber den Markt beobachten. Bei Credit Suisse, UBS, Migros Bank und Postfinance bezahlt man ebenfalls nichts. Und auch die Raiffeisen-Bank empfiehlt ihren Genossenschaften, keine Gebühr zu erheben. Sei der Aufwand sehr gross, würde die Bank «in Absprache mit dem Kunden ihren Aufwand normal» verrechnen. Bei der Valiant Bank bezahlt man nichts für die Eröffnung der Erbenposition, die Saldobestätigung koste aber 27 Franken.

Eingeführt wurde die Gebühr bei der LUKB Anfang Jahr, um eine «möglichst verursachergerechte Gebührengestaltung» zu ermöglichen. Daneben wurden andere Gebühren teilweise erhöht, beispielsweise für eine Steuerberatung. Für einen Aufschrei sorgte zudem, dass eine Kontoeröffnung für Kunden mit einem Beistand seit Anfang Jahr 120 Franken kostet. Diese Konten seien ebenfalls mit einem hohen Aufwand verbunden, erklärte die Bank.

Zusammen mit betroffenen Behörden wie der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) habe man Wege gesucht, um Abläufe zu vereinfachen und Kosten tief zu halten. «Aufgrund der hohen Individualisierung der einzelnen Verträge und der daraus entstehenden Komplexität lassen sich die entsprechenden Prozesse jedoch nach wie vor nicht standardisieren beziehungsweise digitalisieren oder automatisieren», so von Arx. Man sei zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden werde. Deshalb wurden die Gebühren für Personen mit Beistand vorläufig sistiert.

(gwa)