Bundesgericht

07. Januar 2016 12:09; Akt: 07.01.2016 15:32 Print

Betrunken von Schanze gestürzt – selbst schuld

2012 kletterte ein Betrunkener auf die Skisprungschanze in Engelberg, rutschte aus und verletzte sich schwer. Nun ist der junge Mann vor Bundesgericht abgeblitzt.

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Der verunfallte Schanzenkletterer argumentierte, dass der Schanzenbetreiber den Unfall hätte verhindern können, wenn er das Gelände eingezäunt und Warntafeln angebracht hätte. (Bild: Keystone/Symbolbild)

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Das Bundesgericht hat entschieden, dass die Obwaldner Staatsanwaltschaft die Untersuchung eines Unfalls von Ende 2012 auf der Titlis-Skisprungschanze zu Recht eingestellt hat. Damals verschaffte sich ein junger Mann Zugang zum Schanzenstart, rutschte aus und schlitterte die Schanze hinunter. Dabei zog sich der junge Mann schwere Verletzungen zu.

Der Verunfallte hatte an jenem Abend mit drei Kollegen in einer Bar Alkohol konsumiert. Weit nach Mitternacht gingen alle zusammen zur Skisprungschanze, um den unteren Teil der Schanze hinunterzurutschen. Es gelang ihnen, die Gondel in Bewegung zu setzen, mit der die Sportler jeweils zum Schanzenstart fahren.

Lebensbedrohliche Verletzungen

Oben angekommen, betrat der betroffene Mann die 35 Grad steile Schanze, rutschte auf einer Plastikabdeckung aus und schlitterte unkontrolliert 123 Meter nach unten. Auf dem Schanzentisch kollidierte er mit einem Holzbalken und stürzte vier Meter in die Tiefe.

Der junge Mann trug lebensgefährliche Verletzungen davon und kann sich nicht mehr an den Vorfall erinnern. Bis heute hat sich der Mann nicht vollständig vom Unfall erholt.

«Qualifizierte Unvorsicht»

Die Staatsanwaltschaft eröffnete im Februar 2013 ein Verfahren wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung durch Unterlassung. Im Sommer 2014 stellte sie die Untersuchung ein.

Dagegen erhob der junge Mann erfolglos Beschwerde. Vor Bundesgericht beantragte er, das Strafverfahren sei weiterzuführen und Anklage zu erheben. Er argumentierte, dass der Schanzenbetreiber den Unfall hätte verhindern können, wenn er das Gelände eingezäunt und Warntafeln angebracht hätte.

Das Bundesgericht sieht das anders. Es bezeichnet das Verhalten des jungen Mannes als «qualifizierte Unvorsicht», mit der «schlechthin» nicht gerechnet werden musste.

Der Schanzenbetreiber habe nicht davon ausgehen müssen, dass jemand «derart unvernünftig ist, nachts, alkoholisiert und nach rechtswidriger Inbetriebnahme der Gondel den Schanzenanlauf beim Schanzenstart zu betreten».

Direktor von Engelberg-Titlis Tourismus erleichtert

«Wir sind über das Urteil erleichtert. Wir wären aber auch überrascht gewesen, wenn es anders gekommen wäre», sagt Frédéric Füssenich, Direktor von Engelberg-Titlis Tourismus, auf Anfrage von 20 Minuten. Obwohl es sich um einen sehr tragischen Unfall handle, sei es nicht gerade clever gewesen, was der junge Mann damals getan habe. Obwohl die Schanze neu gebaut wird, können laut Füssenich die Sicherheitsvorkehrungen nicht erhöht werden. «Dann müssten etwa auch die Berge gesichert werden. Wenn jemand in der Nacht einen Blödsinn machen will, ist dies nicht zu verhindern», sagt Füssenich weiter.

(dag/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jogibear am 07.01.2016 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..leider pech gehabt..

    ja..finde es richtig so. Es sind erwachsene Leute mit gesundem Menschenverstand. Auch in alkoholisiertem Zustand ist man, solange man sich fussmässig ohne umzuknicken fortbewegen kann, geistig in der Lage richtige Entscheidungen zu treffen.

    einklappen einklappen
  • katerli84 am 07.01.2016 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so

    Bei denen hätten wohl alle Zäune und Verbotstafeln nichts genützt, wenn sie sogar die Gondelbahn in Betrieb nehmen. Denen würde ich eher noch eine Strafe aufbrummen wegen verbotenem Betreten des Grundstückes und der Inbetriebnahme der Bahn. Und: Weshalb muss man sich überhaupt so betrinken, dass man nicht mehr weiss, was man macht? Das werde ich wohl nie verstehen.

  • Leser am 07.01.2016 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Korrekte Begründung

    Richtig so. Irgendwie muss man das Bundesgericht gern haben. "Qualifiziert Unvorsichtig" - Bester Begriff Aber hey, immerhin Qualifiziert. ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • I.G am 07.01.2016 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig

    Richtig, wer Mist baut sollte auch bestraft werden. Vielleicht lernt man es mal so.

  • superschmidi am 07.01.2016 17:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Ein absolut richtiger Entscheid! Hoffentlich muss er auch alle Kosten selber tragen!

  • Lokführer am 07.01.2016 15:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Stellt euch vor wir wären in Amerika... Ich bin froh, sind wir es nicht! Danke Bundesgericht für dieses Urteil mit Menschenverstand.

  • Myke am 07.01.2016 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsches Land

    Tja, in den USofA hätte der Gute wohl einige Millionen abkassieren können, selber denken wird ja dort vom Bürger nicht erwartet.

  • NN am 07.01.2016 14:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt hart

    Jugendlicher Leichtsinn wird leider oft durch das Schicksal gestraft. Ich wünsche nachträglich gute Besserung. Sicher hat er seine Unvernunft gelernt.