Kuchen statt HIV und Holocaust

16. Oktober 2019 19:27; Akt: 16.10.2019 19:27 Print

Kanti greift nach Klamauk-Skandal an Matura durch

Weil zwei Schüler am Maturaklamauk in Sursee zwei Lehrer massiv beleidigt haben, soll der Brauch jetzt reguliert werden.

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Auch an der Kanti Sursee LU sehnen Maturanden den letzten Schultag herbei. Ist es endlich soweit, wird so richtig auf die Pauke gehauen: Am sogenannten Maturaklamauk verabschieden sich die Schüler mit Überraschungen, Spass und Rückblicken auf die vergangene Schulzeit. Dabei müssen auch die Lehrer einiges über sich ergehen lassen.

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HIV und Holocaust

Was aber am 15. Mai dieses Jahres passierte, brachte das Fass aber zum Überlaufen: So sollen Schüler zwei Lehrer massiv beleidigt haben. So wurde etwa einem Lehrer eine Verbindung zum Holocaust vorgeworfen. Über den anderen Lehrer wurde in einem Blog im Internet geschrieben, er würde HIV verbreiten. Diese Einträge wurden am Klamauk öffentlich vorgelesen.

Die Vorfälle wurden als derart schwerwiegend erachtet, dass die Schulleitung eine Strafanzeige gegen vier Maturanden einreichte. Dies wegen übler Nachrede und Ehrverletzung. Damals sagte Rektor Christoph Freihofer zu 20 Minuten: «Wir wollten ein deutliches Zeichen setzen, dass wir dies nicht akzeptieren.»

Musizieren oder Esswaren verkaufen

Schon damals tönte der Rektor an, das man sich an der Kantonsschule nun Gedanken mache, wie der Abschlussanlass der Maturanden künftig aussehen könnte.

Jetzt wird langsam klar, wie sich die Schulleitung den Klamauk vorstellt: Wie eine Schülerin* verrät, hat ein Lehrer kürzlich erklärt, dass beim nächsten Matura-Klamauk im Mai 2020 alles anders werde. Statt Lehrer zu beledigen sollen die Schüler etwa ein Konzert organisieren oder Kuchen verkaufen.

Diese Ankündigung sei in der Schule aber nicht sehr gut angekommen. Die Schülerin sagt: «Was im Mai passierte, geht gar nicht. Trotzdem wäre es schade, wenn wegen vier Personen nun alles geändert werden müsste.»

Schüler hoffen auf neue Chance

Sie hofft nun, dass es eine zweite Chance gibt: «Wir möchten am Klamauk gerne weiterhin unseren Spass haben.» Um das zu gewährleisten, sind die Schüler offenbar sogar zur Zensur bereit:
Etwa indem sie ihre Klamauk-Beiträge der Schulleitung zur Sichtung vorlegen, damit diese Auswüchse bereits im Vorfeld unterbinden könnte.

Weiter sei an der Kanti Sursee informiert worden, dass ein Komitee das aus Lehrern und Schülern gebildet werden soll, das die künftige Richtung des Klamauks vorgebe. Dies wird von Rektor Freihofer auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt: «Wir versuchen, etwas Neues auf die Beine zu stellen.» Wie der Klamauk künftig aussieht, könne er noch nicht sagen, weil der Prozess dazu erst gerade angefangen habe.

(* Name der Redaktion bekannt)


(dag)