Luzern

02. Februar 2012 22:50; Akt: 02.02.2012 20:55 Print

Bitterer Ehestreit landet vor dem Kriminalgericht

von Sarah Rivoli - Um sich an ihrem Ehemann zu rächen, beschuldigte Ayse B.* ihn zu Unrecht der häuslichen Gewalt – ihre Schwester hatte es bereits zuvor auf die gleiche Tour versucht.

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Ausgearteter Rosenkrieg: Weil ihr Ehemann sie verlassen wollte, soll die heute 35-jährige Türkin Ayse B. ihn zu Unrecht der häuslichen Gewalt bezichtigt haben. Aufgrund dieser Falschaussagen musste sich die Analphabetin gestern dem Luzerner Kriminalgericht stellen. Ihr Ehemann habe sie mehrmals wöchentlich aufs Massivste verprügelt, bis zur Ohnmacht gewürgt und ihr damit gedroht, die Zunge herauszuschneiden – so ihre Aussagen gegenüber der Polizei. Anschliessende Untersuchungen ergaben, dass keinerlei Anzeichen von häuslicher Gewalt vorliegen. «Weder die behandelnden Ärzte noch die Nachbarn konnten ein Vorliegen von Misshandlungen bestätigen», so der Staatsanwalt gestern vor Gericht. Besonders verdächtig sei ausserdem, dass die Schwester der Angeklagten vor einiger Zeit in einem gleichen Verfahren gegen ihren eigenen Ehemann teilweise identische Aussagen gemacht hatte.

Von Seiten der Verteidigung wird ein Freispruch gefordert – die Nachbarn seien bezüglich ihrer Aussagen vom Ehemann beeinflusst gewesen. Eine Muslimin müsse sich ausserdem beim Arzt nicht vollständig entblössen, so würden Verletzungen oftmals unentdeckt bleiben. Der Angeklagten droht jetzt eine Geldstrafe. Das Urteil steht noch aus.

*Name der Redaktion geändert