Influencing extrem

15. Oktober 2019 16:29; Akt: 15.10.2019 16:29 Print

Schönling lockt tausende Inder nach Luzern

Ranveer Singh setzt einen Post ab, und schon strömen tausende seiner Landsleute aus Indien nach Luzern. Klickt der Bollywood-Star jedoch nicht, dann bleiben viele daheim.

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Auf Facebook sind es 10,6 Millionen, auf Twitter 12,9 Millionen und auf Instagram gar 27,3 Millionen: Zusammengerechnet mit weiteren sozialen Medien erreicht der indische Bollywood-Star Ranveer Singh eine Followerzahl von über 100 Millionen. Er ist der Brad Pitt Indiens.

Der Bollywood-Star ist auch Markenbotschafter von Schweiz Tourismus in Indien – und das mit grossem Erfolg: Reist Singh in die Schweiz, kommen später auch seine Follower. 2017 war er für ein Fotoshooting in der Zentralschweiz. «Die nachfolgenden Aktivitäten in Indien haben einen regelrechten Boom ausgelöst und lockten viele indische Fans nach Luzern», sagt der Luzerner Tourismusdirektor Marcel Perren zur «Luzerner Zeitung». Dieser Boom sei mittlerweile wieder abgeflacht.

Werbe-Effekt tritt schnell ein

Seit 2016 ist Singh Botschafter: 2017 stieg die Zahl der Hotelübernachtungen indischer Touristen in der Schweiz im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent auf 739'000. Im Jahr 2018 stieg die Zahl nochmals um 9,6 Prozent an.

Inzwischen ist der Boom um den Star abgeflacht: Zwischen Januar und August 2019 übernachteten in der Region Luzern 20 Prozent weniger Inder als im gleichen Zeitraum 2018. Wie nachhaltig ist denn Influencer-Marketing überhaupt? «Bei Posts in sozialen Medien tritt der Effekt relativ kurzfristig ein», sagt Luzern-Tourismus-Sprecherin Sibylle Gerardi. Denn: Direkt nach der Veröffentlichung der Posts sind diese weltweit einsehbar. Bei TV- oder Filmproduktionen beispielsweise verzögert sich der in den Übernachtungszahlen sichtbare positive Effekt. Einfach, weil diese Beiträge nicht wie Posts sofort, sondern später gezeigt würden.

Singh schwärmt noch immer von der Schweiz

«Es war zu erwarten, dass es in Indien einen Hype geben wird», sagt Gerardi zum Fall des Schönlings Singh. Aber auch wenn die Zahlen nun etwas sinken, bleibe das Thema dennoch in den Köpfen hängen. «Nachhaltig ist diese Art von Marketing trotzdem, denn Singh postet nach wie vor Inhalte zur Schweiz und die Kampagne hat die Marke Luzern in Indien bekannter gemacht.» Das Material, das bei Singhs Aufenthalten in Luzern entstanden ist, würde nach wie vor verwendet, beispielsweise für eine Billboard-Kampagne in diversen indischen Städten in diesem Jahr.

Bei Social-Media-Schwergewichten wie Singh seien solche Effekte einfacher nachzuvollziehen als bei Influencern mit tieferen Followerzahlen. Weiter sei es so, dass man je nach Projekt auch mit mehreren Influencern zusammenarbeitet. So etwa beim Lichtfestival «Lilu», das im Januar erstmals durchgeführt wurde. Dazu seien beispielsweise ein halbes Dutzend Influencer eingeladen worden. «Oft werden wir aber auch von Influencern für eine Zusammenarbeit angefragt», sagt Gerardi.

(gwa)