Schlachtfeier von Sempach

25. Juni 2009 09:39; Akt: 25.06.2009 18:04 Print

Bremst der Internet-Pranger die Neonazis aus?

von Adrian Müller - Seit drei Jahren marschieren Rechtsextreme immer zahlreicher an der Schlachtfeier von Sempach LU auf. Nicht eine Juso-Gegendemo, sondern öffentliche Denunzierung verhindert dieses Jahr wohl einen Rekord-Aufmarsch der braunen Schar.

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Mit dem Kranz voran: Umzug der Rechtsextremen in Sempach vom vergangen Jahr.

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Seit der ersten Kundgebung von Rechtsextremen an der Schlachtfeier in Sempach 2006 mit 55 Teilnehmern ist die Anzahl der Anhänger aus dem Dunstkreis der Pnos stets angewachsen (2007: 160 Teilnehmer; 2008: 250). Hat der rechte Aufmarsch nun seinen Plafond erreicht? Einige Anhaltspunkte sprechen dafür: Etliche Rechtsextreme fürchten sich offenbar davor, dass Bilder des Umzugs wiederum im Internet landen und sie öffentlich als Neonazis denunziert werden. Die Angst ist begründet: 2008 veröffentlichten linksextreme Gruppen wie die Antifa Bern 241 Bilder von mutmasslichen Rechtsextremen auf Indymedia. «Einige Personen haben durch die Publikation der Bilder Probleme bekommen. Sie wurden etwa vom Arbeitgeber erkannt und ins Büro zitiert», erklärt Pnos-Sprecher Martin Martig gegenüber 20 Minuten Online. Beobachter der rechten Szene gehen ebenfalls davon aus, dass der Internet-Pranger den Aufmarsch der Glatzen bremst.

Die Antifa-Fotografen werden am kommenden Samstag nicht alleine sein: Auch die Kantonspolizei Luzern ist mit Videokameras vor Ort. «Zur Beweissicherung», wie es heisst. Etliche Pnos-Mitläufer dürften also zu Hause bleiben. Aber längst nicht alle: «Die, die kommen, stehen auch zu ihrer Gesinnung», sagt Martig.

Pnos will nicht verhandeln

Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren formiert sich heuer auch von politischer Seite her Widerstand gegen den Grossaufmarsch der Glatzen: Die Jungsozialisten protestieren an einer Platzkundgebung auf dem Schulhausplatz gegen Rechtsextremismus. «Mit der Demo konnten wir Druck auf die Behörden ausüben», freut sich David Roth von der Juso Luzern. Die Luzerner Kantonsregierung versuche mit informellen «Geheimgesprächen» die Pnos davon abzubringen, einen Kranz direkt nach der offiziellen Kundgebung am Denkmal niederzulegen. Pnos-Sprecher Martin Martig dementiert einen entsprechenden Bericht des «SonntagsBlick»: «Wir haben keine Verhandlungen geführt und werden uns nicht davon abbringen lassen, einen Kranz niederzulegen.» Martig rechnet mit etwa 200 bis 300 Kundgebungsteilnehmern, in etwa gleich viel wie letztes Jahr.

Bleibt der schwarze Block daheim?

Die Marschroute des Schlachtfeier-Umzugs führt direkt neben der Juso-Platzkundgebung vorbei. Die beiden Demo-Gruppen werden sich von Angesicht zu Angesicht begegnen. «Wir werden drei Reden halten und uns nicht auf Provokationen einlassen», sagt Juso-Präsident Roth, der etwa 120 Teilnehmer an der Gegendemo erwartet. Nach Gesprächen mit Personen aus dem Umfeld der linksautonomen Szene sei er überdies zuversichtlich, dass der «schwarze Blocks» nicht anreisen werde. Für den Infochef der Luzerner Kantonsregierung ist die Sache immer noch verworren: «Es ist schwierig einzuschätzen, wie die zwei Parteien miteinander klarkommen werden», sagt Urs Hangartner.

«Friedrich Laibacher, Nationalheld»

Bis anhin hat auch die Pnos nie für grössere Zwischenfälle gesorgt. Vom Rütli hat man sie vertrieben, doch an der Gedenkfeier zur Schlacht von Sempach marschierten die Rechtsextremen in den letzten Jahren immer zahlreicher auf. 2008 nahmen über 250 Neonazis aus dem Umfeld der «Helvetischen Jugend», der «Hammerskins» und der Partei National Orientierer Schweiz (Pnos) am Winkelried-Denkmal an einer Demonstration teil. Ein Rechtsextremer trug gar ein T-Shirt mit der Aufschrift: «Friedrich Laibacher, Nationalheld – Warum hast du nicht in Bern gewohnt?» und zeigte damit Sympathien für den Amokläufer von Zug. Die Luzerner Kantonsregierung tolerierte den jedes Jahr anwachsenden braunen Aufmarsch stillschweigend.