Gerichtsurteil

13. September 2019 11:51; Akt: 15.09.2019 00:52 Print

Bruder vergewaltigte seine Schwester über Jahre

Über Jahre wurde eine Luzernerin von ihrem Bruder sexuell missbraucht. Neben der Familie vertraute sie sich mehreren Personen an. Passiert ist lange nichts.

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Das Luzerner Kantonsgericht hat einen Mann aus dem Kanton Luzern der mehrfachen Vergewaltigung, der teilweise versuchten Vergewaltigung und auch der mehrfachen, teilweise versuchten, sexuellen Handlungen mit einem Kind schuldig gesprochen.

Dafür wird der Mann zu einer Freiheitsstrafe von 2,5 Jahren verurteilt, davon muss er sechs Monate im Gefängnis absitzen. Die restliche Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt, berichtet Zentralplus.

Im Spielzimmer begann alles

Über Jahre hinweg hatte der Mann seine Schwester immer wieder sexuell missbraucht und vergewaltigt. Angefangen hatte es, als der Verurteilte ein Teenager war und seine Schwester acht Jahre alt war. Beim Spielen unter anderem im Dachzimmer des Elternhauses hatte er das Mädchen überall angefasst, auch unter der Kleidung. Zur ersten Vergewaltigung kam es, als die Schwester noch keine zwölf Jahre alt war.

Immer wieder kam es in den Jahren darauf zu Missbrauch und Vergewaltigung: Der Verurteilte schlich nachts ins Zimmer seiner Schwester und schlüpfte zu ihr ins Bett – teilweise zwei bis drei Mal wöchentlich. Sie wehrte sich verbal dagegen. Im Urteil heisst es, sie habe ihren Bruder auch versucht wegzustossen oder zu treten. Auch trug sie mehrere Kleidungsstücke, um sich zu schützen, oder sie zog die Decke fest über sich. Manchmal liess er dann von ihr ab, oft half die Gegenwehr nichts.

Thema wurde verdrängt

Weil sie ihre Familie liebte und schützen wollte, habe sie nichts erzählt. Als sie schliesslich zwölf Jahre alt war, erzählte sie ihrer Familie davon. Passiert ist nichts, die Eltern unterstützten sie nicht. Das Thema sei verdrängt worden. Die Übergriffe gingen weiter.

Auch als das Opfer im Alter von etwa 15 Jahren einer Lehrerin davon erzählte, passierte nichts. Die Lehrerin gab später an, dass sie mit der Situation überfordert gewesen sei und sie nicht über Details gesprochen hätten. Der Fall ging weiter an eine Schulpsychologin. Diese habe es nicht als ihre Aufgabe gesehen, über das Thema zu sprechen.

Auch einem Familientherapeuten erzählte sie von den Taten – und das sogar im Beisein der Familie. Dabei habe der Bruder sogar sexuelle Übergriffe zugegeben. Doch es passierte wiederum nichts.

Bundesgericht wird entscheiden müssen

Das Opfer sei erst später fähig gewesen, den Bruder anzuzeigen. Zwischen der Erhebung der Anklage beim Kriminalgericht und dem Moment, als sich das Mädchen der Lehrerin anvertraut hatte, dauerte es rund zehn Jahre. Ein grosser Teil der Taten war in der Zwischenzeit verjährt. Das Kriminalgericht verurteilte den Mann. Dieser war in Berufung gegangen, weswegen das Kantonsgericht nun über den Fall befinden musste.

Und das wird nicht die letzte Instanz sein: Das Urteil wurde beim Bundesgericht angefochten und ist somit noch nicht rechtskräftig.

(gwa)