Arbeitssuchender hat Angebote

10. Januar 2019 05:39; Akt: 10.01.2019 09:19 Print

«So viele Nachrichten – mir kamen die Tränen»

von Miryam Koc - Clauco Fratini (48) sucht seit 2014 verzweifelt einen Job – ohne Erfolg. Dank einer ungewöhnlichen Bewerbungs-Aktion kann er sich nun erstmals seit Jahren wieder vorstellen.

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Über 450 Bewerbungen hat Clauco Fratini bereits verschickt, aber ausser Absagen kam nichts zurück. Der 48-Jährige ist seit Jahren auf Sozialhilfe angewiesen und das, obwohl er verzweifelt nach Arbeit sucht. Diese Verzweiflung treibt ihn nun sogar dazu, mit einem Leuchtplakat und Flyern am Bahnhof Luzern für sich Werbung zu machen (20 Minuten berichtete). Er möchte als Chauffeur, Behindertentransporteur, Allrounder oder als allgemeine Hilfskraft arbeiten.

20 Minuten berichtete am Dienstagabend von dieser Aktion – und die Resonanz auf Fratinis Aktion gross. «Das hat wie eine Bombe eingeschlagen. Ich bin sprachlos. Mein Telefon hat ununterbrochen geklingelt», sagt Fratini. «Ich habe so viele positive Nachrichten und Ermunterungen erhalten, dass mir die Tränen kamen.» Unter den vielen Rückmeldungen seien auch Jobangebote aus der ganzen Schweiz dabei gewesen. «Sogar Firmen aus dem Tessin und der Ostschweiz haben mich kontaktiert.» Mindestens ein dutzend seriöser Angebote für Stellen habe er erhalten.

Das erste Vorstellungsgespräch seit Jahren

Trotz Hunderten von Bewerbungen hatte Fratini zuvor nie eine Chance erhalten, sich vorzustellen. Laut seinem Jobcoach Oreste Wernli würden Sozialhilfebezüger schnell abgestempelt und erhielten keine Gelegenheit, sich zu beweisen. Doch obwohl Fratini viele Rückschläge erlitt, liess er sich nicht entmutigen und suchte weiter. Sein Durchhaltevermögen könnte sich nun bald auszahlen: «Ich habe am Donnerstag mein erstes Vorstellungsgespräch seit Jahren und bin einfach unendlich dankbar.»

Obwohl die Resonanz nach der Veröffentlichung des Artikels gross war, steht Fratini mit seinem Jobcoach vom Mittwoch bis Freitag von 17.30 bis 19.30 Uhr dennoch vor der Leuchtreklame und bewirbt sich um einen Job. «Das alles hat mir neue Hoffnung und Energie gegeben. Ich möchte mich für jede Nachricht aus tiefstem Herzen bedanken.»

Diese Flyer verteilt Clauco Fratini am Bahnhof.

Auch vor Ort am Bahnhof Luzern zeigt sich, dass die Passanten interessiert auf diese ungewöhnliche Bewerbung reagieren. Welche Reaktionen die Aktion am Bahnhof auslöst wird sich in den kommenden Tagen zeigen.