Breaking Bad in Oberägeri

03. Mai 2018 17:46; Akt: 04.05.2018 00:25 Print

Manager richtete in Wohnung Drogenlabor ein

von Daniela Gigor/Simon Wespi - Ein 41-jähriger Norweger betrieb in seiner Wohnung in Oberägeri ZG ein Drogenlabor. Aufgeflogen ist er wegen eines Stromausfalls.

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Polizisten fanden vor einer Woche zufällig in einer Wohnung in Oberägeri ein Drogenlabor vor, in dem auch Crystal Meth hergestellt wurde. Wie Recherchen von 20 Minuten ergeben haben, war der Drogenlaborant ein Manager*. Der 41-jährige Norweger hat etwa für BP, Fortis und JP Morgan gearbeitet. Laut seinen Angaben in sozialen Medien studierte der Geschäftsmann an der Harvard Universität in den Vereinigten Staaten. Seine Firma, die in den Bereichen Handel und Versorgung mit Rohstoffen im Energiebereich tätig war, wurde 2017 liquidiert.

«Das ist auch für die Zuger Polizei kein alltäglicher Fund»

Doch auch von Chemie scheint der Manager einiges zu verstehen, wie Frank Kleiner, Sprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden bestätigt: «Der Mann kannte sich mit der Materie gut aus.» Das sei auch für die Zuger Polizei kein alltäglicher Fund gewesen. Laut Einschätzung des Forensischen Instituts Zürich habe er ein Labor eingerichtet, in dem synthetische Drogen, etwa Crystal Meth, hergestellt werden können.

Der Norweger befindet sich in Untersuchungshaft. Kleiner: «Wir klären nun ab, ob im funktionstüchtigen Labor Drogen hergestellt wurden und wenn Ja, ob diese für den Eigengebrauch oder für den Verkauf bestimmt waren.» Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug führt gegen den Mann ein Verfahren wegen Verdachts der Herstellung von Betäubungsmittel durch.

Abbau war minutiös vorbereitet

Für den Abbau des Drogenlabors wurde eine spezialisierte Firma für Chemikalien und Gefahrgüter beigezogen. Die Räumungsaktion dauerte rund zehn Stunden und verlief ohne Zwischenfälle. Die Bewohner des Hauses wurden von der Zuger Polizei über den Fund des Drogenlabors und das weitere Vorgehen informiert. Dann wurde laut Kleiner die Räumung des Drogenlabors minutiös vorbereitet.

Den Bewohnern wurde empfohlen, die Liegenschaft während der Räumungsaktion, die am Mittwoch 2. Mai stattfand, zu verlassen. Dabei hat es sich laut Kleiner um Vorsichtsmassnahmen gehandelt. «Zahlreiche Substanzen, die wir sicherstellten, sind noch unbekannt und werden untersucht», so Kleiner weiter. Für die Nachbarn habe keine direkte Gefahr bestanden.

Die Situation vor Ort war unübersichtlich

Dem Drogenlabor auf die Schliche kam die Zuger Polizei durch einen Zufall: Ein Bürger meldete der Einsatzleitzentrale, dass er in einer Wohnung im Nachbarsgebäude Personen sehe, die mit Taschenlampen hantierten. Die aufgebotenen Polizisten rückten aus und umstellten in der Folge das Mehrfamilienhaus an der Erlimatt in Oberägeri. Als sie mit dem Mann im Innern der Wohnung Kontakt aufnehmen konnten, stellte sich heraus, dass es sich um den Eigentümer, den Norweger, handelte. Kleiner: «Als wir in der Wohnung die Situation überprüften, machte der Mann wirre Angaben.» Die Umstände vor Ort seien auf Grund des Stromausfalls unübersichtlich und komisch gewesen. Auch der Geruch von Benzin aus dem Untergeschoss der zweistöckigen Wohnung habe schliesslich zum Fund des Drogenlabors geführt.

* Name der Redaktion bekannt