DJ Bobo empfiehlt

05. Februar 2019 08:25; Akt: 05.02.2019 08:49 Print

«Geht nicht wegen jedem Bobo zum Arzt»

DJ Bobo will mithelfen, in Luzern die Gesundheitskosten zu senken. Doch was sind eigentlich Bobos?

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Mit diesem Plakat wirbt DJ Bobo für das Anliegen des Kantons Luzern. Ziel: Das Kostenwachstum im Gesundheitswesen einzudämmen. DJ Bobo geht nicht wegen jedem Bobo zum Arzt. Er sagt: «Bei Heiserkeit muss ich meine Stimme schonen. Mit Salzwasser gurgeln hilft da genauso gut wie eine halbe Stunde beim Hausarzt.» Nun will Bobo, dass auch die Luzerner nicht wegen Bobos zum Arzt gehen. Die Krankenkassenprämien im Kanton Luzern im Vergleich zu den anderen Kantonen. Wenn man wegen Bagatellen ins Spital gehe, verursache das unnötige Kosten und das wirke sich «positiv auf die Entwicklung der Krankenkassenprämien» aus, schreibt der Kanton. Auch der Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf leistet seinen persönlichen Beitrag: «Ich versuche, nicht vorschnell zum Arzt zu gehen.» Die jährlich steigenden Gesundheitskosten belasten nicht nur die Krankenkassenprämien der Einwohner, sondern auch die öffentliche Hand, gibt die Gesundheitsdirektion zu bedenken. So hat der Kanton Luzern im Jahr 2017 rund 85 Millionen Franken mehr für die Gesundheitskosten ausgegeben als noch im Jahr 2012. Kantonsarzt Roger Harstall betont wie Gesundheitsdirektor Graf: «Es geht bei der Kampagne nicht darum, dass Personen, die wirklich ein medizinisches Problem haben, keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt.» Der Kantonsarzt nennt einige Beispiele von Bagatellen, wegen denen man nicht zum Arzt müsse. Etwa leichter Husten. Laufende Nase. Eine leicht erhöhte Körpertemperatur erfordere ebenfalls keinen Arztbesuch. Leichtes Unwohlsein: Auch hier müsse man nicht medizinische Hilfe beanspruchen. Kleine Insektenstiche sind laut dem Kantonsarzt ein weiteres Beispiel für ein Bobo. Bei Kopfweh muss man auch nicht immer sofort zum Arzt, rät der Kantonsarzt. Bei Gliederschmerzen auch nicht. Kleine Blessuren, etwa an den Beinen, muss auch nicht immer ein Arzt begutachten, so der Kantonsarzt.

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Der Kanton Luzern spannte einen Promi ein, «um die Bevölkerung zu mehr Eigenverantwortung aufzurufen, um das Kostenwachstum im Gesundheitswesen zu dämpfen», teilte die Staatskanzlei am Montag mit. Der Promi heisst DJ Bobo, den der Kanton folgenden Slogan zur Kampagne «Eigenverantwortung wirkt» sagen lässt: «Gehen Sie nicht wegen jedem Bobo zum Arzt!»

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Betont wird vom Kanton, dass das «grosse medizinische Leistungsangebot mit hoher Versorgungsdichte» seinen Preis hat. So habe Luzern im Jahr 2017 85 Millionen Franken mehr für die Gesundheitskosten ausgegeben als noch 2012. Im Kampf gegen die steigenden Kosten im Gesundheitswesen appelliert der Kanton Luzern deshalb an die Eigenverantwortung der Bevölkerung.

Gesundheitsdirektor Guido Graf formuliert es wie folgt: «Wer bei harmlosen Beschwerden nicht vorschnell einen Arzt oder ein Spital aufsucht und sich zuerst selber zu helfen versucht, leistet einen Beitrag zur Dämpfung der steigenden Gesundheitskosten.» Jeder Bagatellfall verursache unnötige Kosten – und dies wirke sich «positiv auf die Entwicklung der Krankenkassenprämien» aus.

Ihm sei aber bewusst, dass es «für Laien oft schwierig zu beurteilen ist, was ein medizinischer Notfall ist. Keinesfalls raten wir generell davon ab, bei gesundheitlichen Problemen professionelle medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen».

DJ Bobo hilft sich selber

Was also ist ein Bobo, das man lieber allein heilen soll? Dazu äussert sich Musiker DJ Bobo in der Kampagne des Kantons mit einem persönlichen Beispiel:

«Bei Heiserkeit muss ich meine Stimme schonen. Mit Salzwasser gurgeln hilft da genauso gut wie eine halbe Stunde beim Hausarzt.»

DJ Bobo, Musiker

Auch Gesundheitsdirektor Graf will seinen privaten Beitrag zu tieferen Gesundheitskosten leisten. Sein Motto:

«Ich versuche, nicht vorschnell zum Arzt zu gehen.»

Guido Graf, Gesundheitsdirektor

Kantonsarzt Roger Harstall beantwortet die Frage, was denn nun solche Bobos seien, die keinen Arztbesuch erfordern, mit einigen konkreten Beispielen:

leichter Husten

laufende Nase

ganz leicht erhöhte Körpertemperatur

leichtes Unwohlsein

kleine Insektenstiche

Kopfweh

Gliederschmerzen

Kleine Verletzungen wie «Tomaten» am Oberschenkel

«Es geht also um kleine Sachen», sagt der Kantonsarzt. Denn «nicht jeder, der meint, er habe eine Grippe, hat eine Grippe. Oft helfen Hausmittel».

Auch Kantonsarzt Harstall betont aber: «Es geht bei der Kampagne nicht darum, dass Personen, die wirklich ein medizinisches Problem haben, keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt.»

Er glaubt nicht, dass wegen der Kampagne die Gefahr besteht, dass Patienten mit ernsthaften Problemen nun auf den Arztbesuch verzichten, weil sie denken, sie hätten nur ein Bobo oder weil sie nicht als wehleidig gelten wollen. «Dieses Risiko erachte ich als sehr gering. Die Leute sind genug kritikfähig und verfügen über genug Urteilsvermögen, um zu unterscheiden, wann sie zum Arzt müssen und wann das nicht zwingend nötig ist.» Und Personen, auf die das nicht zutreffe, würden im Zweifelsfall kaum darauf verzichten, zum Arzt zu gehen.

(mme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Amg am 05.02.2019 08:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitgeber

    Gut und recht diese Kampagne...... aber bei meinem Mann steht im Arbeitsvertrag : beim 1.Tag bei Krankheit muss er zum Arzt und ein Zeugniss bringen.Au nur bei einer starken Erkältung oder bei einer Magendarmgrippe. In diesem Fall müsste man die Arbeitgeber auch in die Pflicht nehmen. Wegen einem kleinen Bobo ginge auch mein Mann nicht zum Arzt...... aber eben......

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  • Susanne am 05.02.2019 08:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arztzeugnis

    wer arbeitet, braucht in der Regel nach 2 Tagen ein Arztzeugnis, auch bei Grippe..auch das treibt die Kosten in die Höhe...

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  • Bona am 05.02.2019 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alternative

    Hallo Leute wisst Ihr in der Schweiz gibts über 90 Krankenkassen und jeder die in der Chef, CEOs, Eliten Etage sitzen zwischen 250 000.- bis und drüber von 750 000.- Jahressalär beziehen. Mich verwundert es nicht mehr die Höhe der Prämien die wir monatlich bezahlen müssen. Siehe Österreich Sie haben von 21 KK auf 8 KK reduziert um ein Ersparnis mehr als eine Milliarde Euro erzielt, zu Gunsten der Prämienzahler.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sonja Grathwohl am 07.02.2019 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitgeber in die Pflicht nehmen

    Das war beim vorhergehenden Arbeitgeber meines Sohnes (in der Lehre) genau so. Ab dem 1. Tag hatte er ein Zeugnis vorzulegen. Der Arztbesuch war dann teurer, als der Lohnausfall in der Stifti... geniale Hirnis !

  • Christina Mercedes am 06.02.2019 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Geht nicht zum Arzt wegen jedem Bobo

    Dass man einen Prominenten vorschiebt, um die KK-Kosten in den Griff zu bekommen, ist der beste Beweis, dass man noch nicht die zuständigen Leute gefunden hat, um dieses Problem zu lösen. Das Gesundheitswesen ist ein jämmerlicher, beschämender Markt geworden.

  • Gero F am 06.02.2019 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Bobo Lärm

    Es gibt da Bobo Lärme welcher sich ungesund auf die Ohren auswirkt, Insbesondere via I Phon und Kopfhörer, und somit ein Arztgang unausweichlich ist. Andere Normale Bobos werden von mir mittels Hausmedizin ohne Arbeitsausfall auskuriert.

  • Lars am 06.02.2019 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Bobo oder der Anfang vom Ende?

    Ziemlicher Stuss, diese Kampagne. Ein Patient geht wegen eines Symptoms zum Arzt. Der sagt ihm dann schon, ob es eben ein Bobo oder der Anfang vom Ende ist. Ists ein Bobo, hat er ja kaum Kosten verursacht, die er nicht selbst bezahlt (Franchise, Selbstbehalt).

    • Unbekannt am 07.02.2019 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lars

      Man kann auch zuerst in eine Apotheke. Die sagen einem dann ob man zum Arzt muss. So bezahlt man auch keinen Selbstbehalt.

    • Sonja Grathwohl am 07.02.2019 13:15 Report Diesen Beitrag melden

      Apotheke Arztzeugnis ?

      Stellen Apotheken auch Arztzeugnisse aus?

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  • Patient 7 am 06.02.2019 00:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hallo Ambulanz

    Jedesmal wenn ich diesen Typ sehe, der meint singen zu können, muss ich wegen Atemnot in den Notfall.