Gleichstellungsfrage

26. September 2019 16:42; Akt: 27.09.2019 14:40 Print

Darum wollen die Frauen wie ihre Männer heissen

Eine neue Statistik zeigt: Drei Viertel aller Frauen, die heiraten, nehmen den Nachnamen ihres Ehemannes an – allen Gleichstellungs-Bemühungen zum Trotz.

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Man könnte meinen, in Zeiten der Frauenbewegung möchten Frauen nach ihrer Heirat immer noch so heissen wie vorher. Doch dem ist nicht so: Drei Viertel oder 76,5 Prozent der Ehefrauen nehmen den Namen ihres Mannes an, wie eine neue Statistik des Kantons Luzern zeigt, die auf Zahlen von 2018 basiert.

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Und das ist nicht nur im katholisch-konservativen Luzern so: Schweizweit waren es 2016 immerhin 70,3 Prozent aller Frauen, die den Namen des Mannes wählten. Besonders erstaunlich: In den letzten zehn Jahren hat sich das kaum verändert. 1998 nahmen in Luzern 79,2 Prozent der Frauen den Namen des Mannes an.

«Ich konnte mir nicht vorstellen, meinen Namen zu wechseln»

Nun kann ein Nachname die Identität einer Person mitprägen. Wieso also verzichten heute viele moderne Frauen nach der Heirat freiwillig auf ihren Namen? Die Zürcher SP-Nationalrätin und Feministin Min Li Marti hat mögliche Erklärungsansätze. Zunächst sagt sie: «Als ich geheiratet habe, konnte ich mir nicht vorstellen, den Namen zu wechseln.»

Oft heisse es, es sei den Frauen wichtig, dass alle in der Familie den selben Namen tragen. «Dies, obwohl man das auch mit dem Namen der Frau erreichen könnte», wie Marti bemerkt. «Das macht allerdings kaum jemand.». Die Zahlen von Lustat geben ihr Recht: 2018 nahmen in Luzern nur 3,1 Prozent der Männer den Namen der Frau an.

Werden Doppelnamen wieder eingeführt?

Sie könnte sich vorstellen, dass die Wiedereinführung von Doppelnamen nach dem Muster Meier-Müller aus dem Dilemma führen könnte. Derzeit ist eine parlamentarische Initiative von SVP-Nationalrat Luzi Stamm hängig, die genau das fordert.

Weiter führt Marti aus: «Sicher spielt auch Tradition eine Rolle, dass Frauen den Namen des Partners annehmen. Und Personen, die heiraten, sind wohl konservativer als solche, die unverheiratet mit jemandem zusammenleben.» Diese Traditionen gäbe es seit Jahrhunderten, so schnell ändere sich das nicht, «auch wenn wir in den letzten Jahren viel erreicht haben.»

«Frauen ist eigene Identität weniger wichtig als jene ihrer Männer»

Persönlich findet Marti, es sei natürlich schon Privatsache jeder einzelnen Frau zu entscheiden, wie sie nach der Heirat heissen will – dennoch findet sie es schade, dass so viele Frauen zum Namen des Mannes wechseln. «Ich sehe es als Zeichen dafür, dass den Frauen die eigene Identität weniger wichtig ist als den Männern, aber das ist meine persönliche Meinung.»

(mme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rifgor Saru am 26.09.2019 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Überbewertet

    Namen sind Schall und Rauch... genauso wie Feministinnen :)

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  • Herr Der Ringe am 26.09.2019 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    Realist

    Tradition, ist so, war so, bleibt so.

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  • Semperfidelis am 26.09.2019 17:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwiespalt anstatt Gleichstellung

    Ihr wollt es einfach nicht begreiffen. Selbst wenn eine Mehrheit der Frauen aus eigenem freien Willen den Namen des Mannes annehmen, seht ihr ein Problem in der Gleichstellung. Ihr wollt keine Gleichstellung, ihr entfacht Zwiespalt zwischen den Geschlechter.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lara am 27.09.2019 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lang und kompliziert...

    Ich finde es einfach schön, einen gemeinsamen Familiennamen zu haben. Und da meiner lange und kompliziert war, haben wir nun alle seinen Namen. Wäre es umgekehrt, so hätte ich meinen behalten und mein Mann hätte meinen angenommen !

  • M.G. am 27.09.2019 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Harmonie im Zusammenleben

    Was hat die Namensgebung eines verheirateten Paares direkt mit der Gleichberechtigung zu tun? In der Regel passiert das ja aus eigenem Willen. Ich bin auch für die Gleichberechtigung, doch man sollte nicht verzweifelt an jedem Ecken suchen, wo und wann eine Frau wieder schlechter gestellt ist als ein Mann. Ich spüre heute aufgrund dieser Thematik viel mehr Feindseligkeit als guten Willen zum harmonisierten Zusammenleben.

  • dan/dle am 27.09.2019 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    In guten alten Zeiten..

    Mein Vater pflegte immer zu sagen: "In unserer Ehe entscheide ich immer alles wichtige, und meine Frau alles unwichtige. Meine Frau entscheidet auch was wichtig ist und was unwichtig ist." Aber mal im ernst, ich kann bei besten Bemühungen nicht sehen wie das Annehmen (oder eben nicht) eines Nachnamen mit der Gleichstellung zu tun hat, oder sehe ich hier einen Aspekt nicht?

  • Student am 27.09.2019 09:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erzwingen ;)

    Tragisch solche Sachen. Ich wäre dafür, eine Frauennamenquote einzuführen. Mind 50% aller Ehen müssen den Namen der Frau übernehmen. Ansonsten Busse und oder Gefüngnis für den Mann und die Frauen weden zu einem Feminisierungsseminar verpflichtet.

  • jane77 am 27.09.2019 07:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jakoblinie meinerseits stirbt aus

    Mein Bruder nahm den Namen seiner Frau an und meine Mutter nach der Scheidung ihren Mädchennamen. da mein Erzeuger ein nichtsnutz war werde auch ich den Namen meines Mannes annehmen und somit den letzten Rest erinnerung meines Erzeuger ablegen

    • Fragender am 27.09.2019 19:41 Report Diesen Beitrag melden

      Nichtsnutz?

      Wieso, hatte dein Erzeuger einen nicht abgehobenen Job und den Damen zu wenig Geld nach Hause gebracht?

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