Phosphor im Zugersee

17. Juli 2018 17:06; Akt: 17.07.2018 18:10 Print

Zugersee soll wieder so wie vor 200 Jahren sein

In keinem anderen Schweizer See ist der Phosphorgehalt höher als im Zugersee. Dadurch fehlt der Sauerstoff am Seeboden. Jetzt werden Massnahmen geplant.

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Oberflächlich ist die Wasserqualität im Zugersee sehr gut. Zum Baden ist das Wasser ideal. Doch das Problem liegt in der Tiefe: Dort fehlt der notwendige Sauerstoff. Der Grund für den Sauerstoffmangel ist der Phosphor. Dieser fördert das Wachstum der Algen. Nach deren Wachstum sterben diese ab und verfaulen auf dem Seeboden. Dafür brauchen sie den Sauerstoff, der jedoch lebensnotwendig für Plankton und Fischeier ist.

Der Phosphor gelangt grösstenteils durch die Landwirtschaft, aber auch durch die Siedlungsentwässerung in den Zugersee, teilte die Zuger Baudirektion am Dienstag mit. Obwohl es gelungen sei, die Nährstoffeinträge zu reduzieren, sei der See noch immer sanierungsbedürftig.

Idealwert war zuletzt im 19. Jahrhunder

Die neusten Messungen zeigen einen Wert von 80 Milligramm Phosphor pro Kubikmeter auf. Das ist fast dreimal so viel, wie ein gesunder See in der Schweiz aufweisen sollte. Damit liegt der Zugersee an erster Stelle der nährstoffreichsten Seen der Schweiz. «Damit er als ganz gesund eingestuft werden könnte, müsste er einen Phosphorgehalt von maximal 30 Milligramm pro Kubikmeter erreichen», sagt Baudirektor Urs Hürlimann. Doch diesen Wert wies der Zugersee zuletzt zu Beginn 19. Jahrhunderts zuletzt auf. «Und diesen Zustand streben wir an», sagt Hürlimann.

Der Weg zu diesem Ziel ist aber noch sehr lang. Roland
Krummenacher, Leiter des Amts für Umweltschutz (AFU): «Der Weg dahin wird beim Zugersee deutlich länger dauern als andernorts. Schuld daran ist zum einen die lange hydraulische Aufenthaltszeit des Seewassers.» Damit sei die Dauer gemeint, bis das Seewasser sich einmal durch zufliessendes und abfliessendes Wasser komplett ausgetauscht hat. Dies dauert beim Zugersee rund 14 Jahre.

Bis ans Ziel dauert es noch lange

Die Abnahme des Phosphorgehalts wird so nur sehr langsam vor sich gehen. Wenn keine zusätzlichen Massnahmen getätigt werden, werde bis Ende dieses Jahrhunderts der Wert noch immer über 40 Milligramm betragen. «Damit wir den gewünschten Phosphorgehalt erreichen, braucht es Zeit», sagt Krummenacher.

Um dies zu beschleunigen, kommen seeinterne Massnahmen wie Klärung oder Ableitung des Tiefenwassers in Frage. Diese sind allerdings sehr kostspielig. Besonders wichtig seien daher see-externe Massnahmen wie Ausbau der Abwasserreinigung und Reduktion der Nährstoffe in der Landwirtschaft.

Dazu hat sich der Kanton kürzlich mit den Vertretern des Zuger Bauernverbandes zusammengesetzt. Gemeinsam wollen sie weitere Schritte besprechen. Der Bauernverband will seinerseits ebenfalls die Nährstoffzufuhr in den Zugersee reduzieren. Erste Resultate sind im Frühjahr 2019 zu erwarten.

Luzern hat gleiches Problem

Auch der Kanton Luzern hat Probleme mit nährstoffreichen Seen, wie die «Luzerner Zeitung» berichtete. Der Phosphorgehalt im Sempachersee ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen – nachdem er zuvor während Jahren gesenkt werden konnte. Aktuell liegt der Wert dort bei 24 Milligramm pro Kubikmeter, ebenso im Baldeggersee. Im Hallwilersee sind es derzeit 12 Milligramm.

(TST/SDA)