SRF-«Reporter»

28. November 2016 08:00; Akt: 28.11.2016 10:21 Print

Der harte Alltag von Jolanda Spiess-Hegglin

von Daniela Gigor - Das SRF hat Jolanda Spiess-Hegglin begleitet und ihren Alltag nach der Landammannfeier im Dezember 2014 gezeigt, die den Anfang der «Sex-Affäre» darstellte.

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Jolanda Spiess-Hegglin in der Sendung "Reporter" von SRF 1. (Bild: Screenshot/SRF)

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Die Sendung «Reporter» über Jolanda Spiess-Hegglin, die das SRF 1 am Sonntagabend ausgestrahlt hat, beginnt mit dem Rücktritt aus dem Zuger Kantonsrat: «Ich habe mich gefreut, den Brief zu schreiben, es ist eine riesige Erleichterung für mich», sagt Spiess-Hegglin zu Reporterin Vanessa Nikisch.

Den ersten Besuch bei Spiess-Hegglin machte Nikisch einen Monat nach der Landammannfeier. Spiess-Hegglin liest ihr in der Sendung hässliche Briefe vor, die tagtäglich an die Adresse der damaligen Kantonsrätin der Grünen gerichtet sind. Es sind Briefe mit Beschimpfungen und Rücktrittsforderungen. An diesem Treffen kann sich Spiess-Hegglin nach drei Gläsern Rotwein ihren Filmriss nicht erklären. Sie hält an ihrer Version fest, spricht von einer glücklichen Ehe und ihren drei Kindern. Sie stellt die Frage, was dies solle, ihr «halböffentlichen Geschlechtsverkehr mit einem politischen Gegner» anzuhängen. So etwas zu tun, wäre dumm.

Sie zeigt auch einen Brief, adressiert an die «SVP-Vöglerin». Sie werde den Brief nicht nur lesen, sondern auch beantworten. Sie habe das Bedürfnis, etwas richtig zu stellen. Den Schritt in die Öffentlichkeit mache sie, um Ordnung und ihre Reputation herzustellen.

Im Film spricht sie auch über ihre Kinder, die mitbekommen haben, dass die Mutter in der Öffentlichkeit steht. Nach Absprache mit dem Schulpsychologen sprach das Ehepaar Spiess mit dem ältesten Sohn über das Geschehen. «Ich habe ihm gesagt, dass etwas Schlimmes passierte. Es hat jemand dem Mami weh gemacht. Aber es kommt gut, das Mami wird es überstehen», sagt Spiess-Hegglin vor der Kamera.

Spiess-Hegglin im Kantonsrat wie Luft behandelt

Auf dem Weg zur ersten Kantonsratssitzung nach dem Zuger Sex-Skandal wird Spiess-Hegglin von den Grünen flankiert. Das Medieninteresse ist riesig. Markus Hürlimann lud vor der Sitzung zu einer Medienkonferenz und sprach dort von Fremdküssen. Im Zuger Kantonsrat wird über die beiden getuschelt. Vor der Kamera wollen sich aber die Wenigsten äussern. Auf seine Feier angesprochen, reagiert Regierungsrat Heinz Tännler (SVP) gereizt. Dann äussert sich Kantonsrätin Alice Landtwing (FDP): «Für mich sind sie politisch tot. Sie haben den Kanton etwa vier Wochen zum Gespött gemacht.» Die Grünen haben Spiess-Hegglin einen Maulkorb verpasst und sie kämpft weiter um ihren Ruf.

Neun Monate später trifft Nikisch Spiess-Hegglin an ihrem 35. Geburtstag wieder. In der Zwischenzeit hatte die Zuger Staatsanwaltschaft die Untersuchung eingestellt, weil keine Beweise vorlagen, dass ihr etwas gegen ihren Willen angetan wurde. Sie hingegen verteidigt sich weiterhin und lud via Facebook Freunde ein, sie auf der Rössliwiese «heiter zu umarmen». An ihrem Geburtstag tritt erstmals Spiess-Hegglins Mann Reto vor die Öffentlichkeit. Er will keine Interviews geben, gibt aber zu, dass es eine schwierige Zeit ist.

Politisch fehlt Spiess-Hegglin inzwischen die Unterstützung im Kantonsrat. Sie ist nun fraktionslos und wird wie Luft behandelt. Die Kantonalparteien der SP, CVP, FDP und GLP haben Hürlimann und Spiess-Hegglin zu Rücktritten aufgefordert, damit endlich Ruhe ist. Spiess-Hegglin wirkt müde und abgekämpft.

Im Oktober 2016 ist sie ruhiger geworden und konzentriert sich nun auf Dinge, die sie selbst beeinflussen kann. Gemeinsam mit der Luzernerin Irina Studhalter hat Spiess-Hegglin den Verein Netzcourage gegründet. Damit wollen sie Betroffenen helfen, die im Internet mit Shitstorms, Beschimpfungen oder Drohungen ausgesetzt sind.