Malters LU

28. Februar 2018 17:55; Akt: 01.03.2018 08:48 Print

Todesstrecke H10 fordert ein weiteres Opfer

Auf der Autostrasse H10 kam es am Mittwoch erneut zu einem tödlichen Unfall. Fachleute sind sich uneins, wie die Strasse sicherer werden könnte.

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Durchschnittlich ereignen sich fünf Unfälle pro Jahr auf der Schnellstrasse H10. Im Spitzenjahr 2014 gab es laut Statistik gar elf Verkehrsunfälle. Darunter auch immer wieder Unfälle mit tödlichem Ausgang. Am Mittwoch krachte ein Auto in einen LKW, ein Autofahrer (50) starb.

Im April 2014 kam ein 20-Jähriger mit seinem PW von der Strasse ab, prallte in die Leitplanke und anschliessend in einen Strommasten. Das Auto wurde in zwei Teile gerissen. Der 20-jährige Portugise verstarb auf der Unfallstelle. Einen Monat später kam es zwischen Malters und Schachen zu einer Frontalkollision zwischen einem Auto und einem Lastwagen. Die Beifahrerin im Auto wurde tödlich verletzt. Ebenfalls zu einer Frontalkollision kam es im Juni 2015, dabei starben die beiden Autolenker.

Gegenverkehr mit 100 km/h

Die Autostrasse H10 ist im Gegenverkehr geführt und es herrschen teilweise Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h. «Bei einer Kollision mit Tempo 100 endet der Unfall meist schwer», sagt Mediensprecher der Luzerner Polizei Urs Wigger.

Das Schweizer Strassennetz umfasst zirka 300 Kilometer Autostrasse. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) fordert generell eine Mittelleitplanke für diese Strecken. «Wir sind der Meinung, dass eine Solche der Sicherheit dienen würde», sagt Patrick Eberling von der bfu. Eine bauliche Mitteltrennung, wie es beispielsweise in Alpnach OW gibt, ist eine weitere Möglichkeit. Eberling sagt jedoch: «Dieses System muss zuerst getestet werden.»

Geteilte Meinung zu Tempolimit

Eine Massnahme, die der Sicherheit dienen könnte, wäre ein Tempolimit. Bei Roadcross würde man diese Massnahme begrüssen, sagt Mediensprecher Stefan Krähenbühl: «Falls die Situation mit einfachen baulichen Massnahmen wie einer Mittelleitplanke nicht entschärft werden kann, so macht ein Tempolimit von 80 km/h absolut Sinn.» Anders sieht dies die bfu: «Die H10 ist eine breit geführte Strasse mit grossen Radien. In dieser Hinsicht hat sie einen Autobahn-Standart. Weil der Verkehrsteilnehmer seine Geschwindigkeit insbesondere entsprechend dem Erscheinungsbild der Strasse wählt, würde man immer noch viel schneller als 80 km/h fahren – was zu einer falschen Sicherheit führen würde», sagt Eberling.

Eine weitere mögliche Sicherheitsmassnahme ist ein totales Überholverbot. Dazu Stefan Krähenbühl von Roadcross: «Ein generelles Überholverbot auf dieser Strecke wäre eine gute Lösung und rasch umsetzbar.»

Der Kanton hat die Situation im Jahr 2016 prüfen lassen und einige Massnahmen ergriffen. So wurden Stufenmarkierungen installiert, die den Fahrer durchrüttelt, wenn er die eigene Fahrbahn verlässt und auf die Gegenfahrbahn zusteuert. Zudem wurde an mehreren Stellen eine doppelte Sicherheitslinie gezogen.

(sw)