Ländlicher Charme

13. Dezember 2011 18:38; Akt: 14.12.2011 14:11 Print

Die Beauty aus der «Braunvieh-Szene»

von Philipp Dahm - Barbara Rohrer ist die erste Schweizer Braunviehkönigin. 20 Minuten Online sprach mit der Obwaldnerin über Wahl-Kampf in der Wiederkäuer-Szene, Städter-Spott und das liebe Vieh.

Fehler gesehen?

Bis vor Kurzem war Barbara Rohrer noch eine ganz normale Direktionsassistentin, doch nun ist die 26-Jährige demokratisch gewählte Titelträgerin: Der Lockenkopf aus Kerns OW wurde an der Schweizer Meisterschaft der Braunvieh-Züchtergruppen 2011 in Zug zur ersten Braunviehkönigin Helvetiens gekürt. 20 Minuten Online sprach mit der sehr aufgestellten Miss über den neuen Repäsentantenjob.

Warum sind Sie zur Wahl angetreten?
Barbara Rohrer (heiter): Ich bin dem Braunvieh sehr verbunden. Ich bin Bauerntochter und habe jetzt mit meinem Freund einen Betrieb. Die Ausschreibung ist so positiv gewesen: Die Braunviehkönigin kann Auftritte und Repräsentationsaufgaben wahrnehmen. Das hat sich für mich spannend angehört, deshalb hab ich mich beworben.

Welche Aufgaben mussten Sie bewältigen, um den Titel zu ergattern?
Zuerst gab es ein Casting, zu dem zwölf Kandidatinnen eingeladen waren. Diese wurden dann auf sechs reduziert. Ich musste zum Beispiel eine Kuh vorführen, sie nach ihrem Aussehen beurteilen und Fachfragen beantworten. Auch mein Auftreten wurde bewertet: Ich musste mich ja auch selbst vorstellen. Das Publikum durfte dann mit Stimmkarten entscheiden, wer Königin wird.

Was haben Sie als Titelträgerin bekommen? Eine Kuhglocke?
(Lacht) Ein Krönchen habe ich bekommen. Und eine Schlaufe, wie die Miss Schweiz sie hat. Ausserdem erhalte ich Aufträge von Braunvieh Schweiz, für die ich dann bei Ausstellungen präsent sein werde. Ich habe auch schon Anfragen von anderen Viehzüchter-Vereinen bekommen.

Was sagt Ihr Umfeld zum Krönchen?
(Vergnügt) Die haben einen Riesenspass! Es ist ja mein Umfeld gewesen, das mich bestärkt hat, bei der Wahl mitzumachen. Sie haben mich im Vorfeld unterstützt und viel Werbung gemacht. Sie haben sogar Flyer verteilt! Ausserdem haben alle Kandidatinnen eine Autogrammkarte bekommen – inklusive Fotoshooting.

Werden Sie auch auf den Arm genommen wegen des Titels? Vielleicht von Städtern?
(Amüsiert) Ein bisschen schon. Aber dann von denen, die keinen Bezug zu so was haben.

Würden Sie auch bei anderen Miss-Wahlen mitmachen?
Nein. Es gibt ja zum Beispiel die Wahl zur Milchprinzessin. Ich würde nicht einmal dort mitmachen.

Ist die Miss-Wahl ein Job unter Insidern? Kannten Sie Ihre fünfköpfige Konkurrenz?
Es gibt schon einen harten Kern, und man sieht die Leute immer wieder. Aber von den fünf Kandidatinnen habe ich nur zwei gekannt.

Was wollen Sie denn in Ihrer zweijährigen Amtszeit als «Botschafterin der braunen Kuh» erreichen?
Ich werde sicher die Vorteile dieser Rasse aufzeigen und wenn möglich Brücken zwischen der ländlichen und der Stadtbevölkerung bauen.

Hat die braune Kuh denn ein Imageproblem?
Nein, das nicht. Aber man sieht vielleicht nicht die Vorteile, weil sie immer da sind. Die Idee für die Wahl stammt eigentlich vom Dachverband, damit sie eine Botschafterin haben, mit der sie die Braunvieh-Rasse besser bewerben können.

Ist die Zeit nicht reif für einen Braunviehkönig?
(Lacht) Nein, ich glaube nicht. Die ganze Braunvieh-Szene ist eh schon sehr von Männern dominiert …

… und die wollen keinen Mister anschauen.
(Kichert) Nein, die wollen einfach Frauen sehen – und natürlich schöne Braunvieh-Kühe!