Kläranlagen-Spezialisten

24. Mai 2018 05:45; Akt: 24.05.2018 05:45 Print

Diese Arbeiter tauchen metertief in den Kot ab

Die Taf Taucharbeiten AG aus dem bernischen Lyss reinigte am Mittwoch den Faulturm einer Kläranlage. 20 Minuten war beim Eintauchen in die Ausscheidungen dabei.

Sehen Sie den nicht ganz alltäglichen Einsatz des Tauchers der Lysser Taf Taucharbeiten AG in einer Luzerner Kläranlage. (Video: Tunya Koch)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Sie tauchen dort, wo sich andere nie im Leben hintrauen würden: Ein Taucher der Taf Taucharbeiten AG stürzte sich am Mittwochmittag in die braunen Fluten eines Faulturms einer Kläranlage im Kanton Luzern. «Seine Aufgabe war es, Ablagerungen zu entfernen und die Position eines Eintrittsrohrs zu bestimmen», erklärt Supervisor Martin Lüthi, der den Taucher unterstützte.

Umfrage
Wie finden Sie die Taucher in der Kläranlage?

«Gegen unten wirds dickflüssiger»

Da man in der «Sauce» nichts sehen könne, sei man auf seinen Tastsinn angewiesen, sagt ein Mitarbeiter der Kläranlage. Obschon die Ausscheidungen zuerst durch zwei Kämme gedrückt werden und kein Stück mehr grösser als 5 Millimeter sein sollten, ballt sich das Ganze im Faulturm wieder zu einer Masse zusammen, den sogenannten Schlamm.

Lüthi: «Wir haben hier etwa zwölf Meter ‹Saucentiefe›. Oben ist es etwas dünnflüssiger, je weiter runter man kommt, desto dicker wird die Masse.» Ganz unten könne es auch sein, dass sich der Taucher kaum mehr durch den Schlamm fortbewegen könne.

In der Firmendokumentation schreibt Taf Taucharbeiten AG zudem von der «Bergung von Fremdkörpern». Und welche Fremdkörper lassen sich zwischen den Ausscheidungen finden? «Vor allem Feuchttücher und Haare», erklärt Geschäftsführer André Fankhauser, «aber auch Werkzeuge wurden schon in Faultürmen gefunden.»

«Feuchttücher verstopfen jede Pumpe»

Damit ist auch gleich das grösste Problem der Kläranlagen gefunden, wie ein Mitarbeiter der gereinigten Anlage sagt: «Feuchttücher sind ein Fluch. Da sie Fasern enthalten, die sich nicht zersetzen, verstopfen sie jede Pumpe.»

Faulturm-Taucher

Ende der 1980er-Jahre begann André Fankhauser mit dem Tauchen. Dass daraus einmal sein Beruf werden würde, hätte er wohl nicht gedacht. Doch 1999 geschah genau das: Der heute 50-jährige Fankhauser machte sich mit seiner Frau Marianne zusammen selbstständig.

Entstanden ist die Taf Taucharbeiten AG in Lyss. Mittlerweile ist das Unternehmen in den unterschiedlichsten Segmenten unter- und oberwasser tätig. Neben Kläranlagen arbeitet sie beispielsweise in der Trinkwasserinspektion oder renoviert Hafenanlagen. Fankhauser: «Derzeit ist mir keine andere Firma bekannt, die ebenfalls in all diesen Segmenten aktiv ist.»


(ber)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steffy am 24.05.2018 05:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Respekt! Ich glaube ich könnte es nicht. Wenn ich nur daran denke wie es in privaten WC manchmal stinkt.

  • piratecoco am 24.05.2018 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt...

    ...vor solchen Arbeiter (auf der ganzen Welt) und Gott sei Dank gibts hier in der Schweiz gute Ausrüstungen, wenn man bedenkt dass in anderen Ländern (ärmeren) leider die Menschen keine solche equipments haben...

  • 1 Tap am 24.05.2018 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leckomio

    Respekt. Weiter so

Die neusten Leser-Kommentare

  • Maler50 am 24.05.2018 14:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grössten Respekt

    Ich kann hier diesen Leuten nur meinen Dank aussprechen. Ich wäre mir nicht sicher ob ich diese Arbeit machen könnte(wollte).Also alle die diesen Job verrichten geniessen meinen grössten Respekt!

  • Wisch am 24.05.2018 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt

    Pflegepersonal hat auch täglich mit Kot zu tun.

  • Dani3 am 24.05.2018 11:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    solche Menschen sind für mich wahre Helden.1000 Dank

  • brro am 24.05.2018 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    Männerjob

    Na. wo sind denn hier die Quotenfrauen. Da drängen sie sich nicht vor. Lieber das Sahnehäubchen als...

  • Verwöhnter am 24.05.2018 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Davon kann man nur träumen !

    Toll, solche Traumjobs !