Zu Besuch in Luzern

10. März 2019 13:27; Akt: 11.03.2019 10:43 Print

Dieser Tourist verdiente mehr als Roger Federer

Kürzlich hatte Luzern Besuch von einem besonderen Touristen: Superstar Manny Pacquiao, der einzige Boxer, der Weltmeister in sieben Gewichtsklassen wurde.

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Vor der Kapellbrücke in Luzern haben schon Millionen Asiaten posiert. Aber nicht viele dieser Millionen dürften so viele Millionen haben wie jener Tourist, der kürzlich vor dem Wasserturm in die Kamera lächelte: Boxer Manny Pacquiao (40) verdiente 2015 160 Millionen Franken und damit mehr als Ronaldo, Messi oder Federer. Pacquiao ist der einzige Boxer der Welt, der in sieben Gewichtsklassen Weltmeister wurde.

Nun besuchte der philippinische Volksheld also die Innerschweiz, wie Zentralplus berichtete. Am Sonntag etwa weilte er mit seiner Frau auch auf dem Titlis.

Pacquaio ist in seiner Heimat zudem Politiker. Für einen Skandal sorgte er, als er 2016 gegen Schwule hetzte. Sein Sponsor Nike wollte nichts mehr mit ihm zu tun haben und kündigte daraufhin den Vertrag mit ihm.

Wenn Pacquaio wieder daheim auf den Philippinen ist, muss er regieren. Er ist Regierungschef von Sarangani.

Werbe-Effekt für Luzern trotz 5 Mio Followern gering

50'000 Personen haben Pacquiaos Luzern-Bild gelikt. Fast fünf Millionen Follower kann der Boxstar auf Insta vorweisen. Bringt das also für Luzern einen Werbe-Effekt? Kaum, sagt Urs Wagenseil, Leiter Competence Center Tourismus an der Hochschule Luzern. Grundsätzlich bringe es zwar schon einen gewissen Impact, wenn Promis irgendwo posierten. «Aber wenn er jeden Tag irgendwo anders ist und alles fotografiert und postet, dann reduziert sich der Werbewert für Luzern», sagt der Tourismus-Experte. Tatsächlich hat Pacquiao auf seinem Profil neben vielen Sportbildern auch immer wieder solche, die ihn vor berühmten Wahrzeichen zeigen, etwa vor der Tower Bridge in London.

«Das gibt niemanden den Kick, eine Reise zu buchen»

Weiter komme dazu, dass viele Personen, die das Luzern-Bild likten, «wohl kaum wissen, wo Luzern überhaupt liegt», sagt Wagenseil. Und er macht ein Beispiel, warum ein solches Bild eines Promis in einer Tourismusdestination kaum einen grossen Effekt hat: «Angenommen, Federer posiert vor dem Zuckerhut in Rio. Dann gibt das niemandem den Kick, sofort am Computer eine Reise dorthin zu buchen. Und da solche Stars jede Woche an anderen Orten sind, müssten wir ja auch stets hinterherreisen. Das ist unmöglich.»

Ein Destination könne als Marke dank solchen Bildern von Celebritys zwar schon wachsen, «aber dazu muss auch eine Begehrlichkeit entstehen. Und um eine Begehrlichkeit auszulösen, braucht es viel mehr, solche Insta-Bilder können da aber ein Mosaiksteinchen dazu sein.»

Umgekehrt habe es auch keinen negativen Effekt für Luzern, wenn hier ein offensichtlich bekannter Schwulenhasser auf Insta im Kontext der Stadt erscheint. «Solche Korrelationen macht der Konsument nicht», sagt Wagenseil. «Ungünstiger wäre, wenn er hier wohnen würde.»

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