Lebensgefährlich

04. Juli 2018 17:47; Akt: 04.07.2018 17:48 Print

Drohnenpiloten verfolgen gezielt Wildtiere

Drohnen können für Vögel und Wildtiere lebensgefährlich sein: Diese Warnung setzte die Vogelwarte Sempach ab. Sie und andere Institutionen haben nun Verhaltensregeln definiert.

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«Ruhig steht der grazile Graureiher in einer Wiese im Wasser- und Zugvogelreservat Kaltbrunner Riet und sucht nach Nahrung. Plötzlich erscheint eine Drohne. Der unbekannte Drohnenpilot nähert sich dem Graureiher bewusst immer mehr, bis dieser
auffliegt. Die Drohne verfolgt ihn, auch als er das Weite sucht»: Diese Beobachtung sei kürzlich dem Amt für Natur, Jagd und Fischerei St.Gallen gemeldet worden, teilte die Vogelwarte Sempach am Mittwoch mit.

Dies sei kein Einzelfall: Wildhüter und Naturbeobachter würden zunehmend solche Störungen beobachten. Neben Vögeln seien auch andere Wildtiere betroffen, heisst es weiter. Dies sei für die Tiere teils lebensgefährlich: «Vögel und andere Wildtiere können Drohnen als Bedrohung wahrnehmen, was zu Stress führt. Das ist eine Belastung für die Tiere und kann das Überleben und den
Fortpflanzungserfolg beeinträchtigen.»

Drohnenpiloten sollen Rücksicht nehmen

Nun wurde reagiert: Die Jagd- und
Fischereiverwalterkonferenz, der Schweizerische Drohnenverband, die Vogelwarte Sempach sowie zahlreiche weitere Organisationen haben in einem Merkblatt Verhaltensregeln für Drohnenpiloten definiert. Darin heisst es:

- Drohnen sollen Orte mit wenig Störpotenzial auswählen für ihre Flüge: Etwa übersichtliche Orte, wenn keine Vögel und Wildtiere zu sehen sind, oder Siedlungsgebiete ohne Menschenansammlung.

- Rücksichtsvoll fliegen: Wildtiere nicht direkt anfliegen
und nicht verfolgen. Flug sofort abbrechen, falls
Tiere eine Reaktion zeigen.

- Flüge in sensiblen Gebieten vermeiden. Im Bereich von Felswänden sowie über Hecken und Schilfflächen soll man mit genügend Abstand fliegen. Denn: «Hier leben störungsanfällige
Vögel und andere Wildtiere, die bereits auf grosse Distanz empfindlich reagieren.»

- Drohne nicht steigen lassen: In Naturschutzgebieten und Wildruhezonen sowie deren Umgebung. In Wasser- und Zugvogelreservaten sowie in eidgenössischen Jagdbanngebieten. Drohnenflüge sind in diesen Gebieten verboten, heisst es weiter. Hier gehts zur interaktiven Drohnenkarte des BAZL.

Auf der Website safedroneflying.ch werden Drohnenpiloten zudem direkt auf das Thema aufmerksam gemacht. Die Hoffnung ist, sie so aufs Thema zu «sensibilisieren». Der Schweizerische Verband ziviler Drohnen führt die neue Regelungen für seine Mitglieder sogar verbindlich ein.

Dutzende Rehkitz dank Drohnen gerettet

Drohnen sind indes nicht immer nur eine Bedrohung für Tiere – manchmal retten sie sogar Leben: So haben sich kürzlich profesionelle Drohnenpiloten zusammengeschlossen und bieten auf der Plattform Rehkitzsuche.ch Landwirten ihre Dienste an: Die Bauern können kostenlos Drohnenpiloten anfordern, bevor sie ihre Wiesen mähen. Dutzende Kitze konnten so bereits gerettet werden.

(mme)