Fasnacht

16. Februar 2020 14:09; Akt: 16.02.2020 16:40 Print

Elektro-Kutsche ersetzt Pferdegespann am Umzug

Aus Sicherheitsgründen und dem Tierwohl zuliebe verzichtet die Stanser Fasnacht dieses Jahr auf Pferde-Kutschen. Anderenorts bleibt alles beim Alten.

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Die Frohsinnsgesellschaft organisiert den Fasnachtsumzug in Stans. Zukünftig will sie auf die traditionelle Pferdekutsche verzichten. Vorstandsmitglied Josef K. Scheuber organisiert in der Schweiz den Vertrieb der E-Kutsche Ecarrus. Die Kutsche soll nun zum ersten Mal am Fasnachtsumzug in Stans das Pferdegespann des Frohsinnvaters ersetzen.

Der Grund für den Wechsel ist simpel: «Immer weniger Menschen haben im Alltag mit Pferden zu tun», sagt Scheuber. Dieses Problem zeige sich in Stans dadurch, dass vermehrt die Ausbildung und Praxiserfahrung für das Kutschen fahren fehlt und somit auch geschultes Personal.

Zusätzlich fehle Umzugsbesuchern durch den fehlenden Kontakt zu den Pferden auch der Respekt. Scheuber: «Als Veranstalter haben wir ja auch eine Verantwortung.» Er wolle nicht einfach den Besuchern die Schuld geben, sondern selber aktiv werden. Die E-Kutsche sei eine sichere Alternative. Umwelt- und tierfreundlich sei sie dazu auch noch und passe daher gut in den Zeitgeist.

Luzern will weiterhin Pferde

Eine E-Kutsche an der Fasnacht – das ist laut Scheuber eine Premiere in der Schweiz und zeitgleich auch ein Pilotprojekt für die Frohsinnsgesellschaft: «Wir müssen jetzt erst mal schauen, ob es die Leute gut finden und unterstützen.» Dass in Zukunft die Fasnachts-Kutsche doch wieder von Pferden gezogen wird, glaubt er jedoch nicht: «Die Reaktionen, die wir bis jetzt erhielten, waren rundum positiv.»

Scheuber hatte die batteriebetriebene Kutsche auch für die Luzerner Fastnachtsumzüge angeboten. Dort blitze er jedoch ab. «Die Idee ist grundsätzlich super», sagt Peti Federer, Medienchef des Lozärner Fasnachtskomitees, gegenüber 20 Minuten, «aber für uns gehören die Kutschen mit Pferden zur Fasnacht dazu.»

Federer betont, dass an der Fasnacht ein hoher Wert auf Sicherheit und Tierwohl gelegt wird. «Wir haben aber keinerlei Probleme mit Personal, das im Umgang mit Pferden geschult ist. Wir arbeiten mit Profis zusammen, die meistens ihre eigenen Tiere mitbringen und mit ihnen umgehen können», sagt er. Eine grössere Gefahr sieht er in den Menschen auf der Strasse, denen der Respekt vor den Tieren fehle – etwa wenn die Tiere durch Konfetti erschreckt werden. Es könne auch sein, dass Eltern für ein Foto ihre Kinder zu den Kutschen schicken und diese den Tieren zu nahe kommen.

Kein Bruch mit Tradition

Ganz vom Tisch ist die E-Kutsche aber auch in Luzern nicht. Federer: «Wer weiss, wie es in fünf oder zehn Jahren aussieht.» Man wolle dies im Hinterkopf behalten: «Die E-Kutsche sieht auch toll aus, es fehlt mir einfach das Pferd vorne dran.»

Dass eine E-Kutsche einen Bruch mit der Tradition darstellen soll, kann Scheuber nicht nachvollziehen: «Das Kutschen-Feeling bleibt ja erhalten. Die E-Kutsche ist in ihrem Design sehr nostalgisch. Wichtig ist, dass der Zunftmeister sowie seine Vorgänger durch den Umzug geführt wird, und seine Fasnacht geniessen kann.» Ob die Kutsche nun von Pferden gezogen oder mit einem Elektromotor angetrieben werde, mache da wenig Unterschied.


(nke)