13. August 2006 08:39; Akt: 13.08.2006 08:40 Print

Ein Wellness-Stall für Kühe

Er ist gross, hell und luftig. Die Kühe können sich selber eine Massage holen. Kein Wunder, fühlen sich die Kühe in diesem Stall sauwohl. Mehr noch: Die Landwirte, die den Stall in den Schweiz testen, sind überzeugt, dass ihre Tiere im «Wellness-Stall» auch mehr Milch geben.

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Auf den ersten Blick erinnert die Halle an der Strasse von Schötz nach Gettnau an ein simples Festzelt. Weisse Folie spannt sich über Stahlbögen. Doch die Fundamente sind aus Beton, und statt Festbänke stehen 70 Kühe drin.

55 Meter lang ist die Halle, 30 Meter breit und luftige 13 Meter hoch. Eine Systembauhalle ohne Stützen als Viehstall - laut den Erbauern ist das eine Neuheit für die Schweiz.

In Holland überzeugt

Die Idee dazu fanden Landwirt Werner Muri und seine Kollegen Edwin Wiler und Hans Bättig an einer Ausstellung in Hannover. Für ihre neu gegründete Betriebsgemeinschaft «Innovation Farming Oberfeld» brauchten sie einen neuen Stall.

Dafür sahen sie sich auch nach anderen als den herkömmlichen Systemen um. «Nach Hannover besichtigten wir in Holland eine Systembauhalle: Das Klima in diesem Stall, das helle Licht und die gute Luft haben uns begeistert», sagt Werner Muri.

Er und seine Kollegen betreiben Milchwirtschaft, und sie sind sich bewusst, dass der Preiskampf noch härter wird. Doch statt zu jammern, stellen sich die drei Landwirte der Herausforderung.

Das bedeutet, dass die Kosten gesenkt werden und die Kühe mehr Milch liefern müssen. «Dafür müssen sich die Tiere wohl fühlen», sagt Werner Muri: «Unser Stall hat alle Voraussetzungen dafür.»

2005 war Aufrichte, mittlerweile stehen und liegen 70 Kühe in der Halle. Die ersten Erfahrungen seien sehr positiv: «Die Tiere sind ruhiger, es gibt keine Rangkämpfe mehr.» Das dürfte sich auch auf die Milchleistung positiv auswirken, glaubt Muri.

Sonntagskleider und Bürstenmassage

Eine Bewährungsprobe hat der neue Stall bereits bestanden: Während der Hitzeperiode im Juli sei es in der Halle stets angenehm gewesen. Seitliche Vorhänge können geöffnet werden, wenn es zu warm wird - für Kühe das grössere Problem als die Kälte.

Kommt hinzu, dass das Klima generell besser sei als in einem herkömmlichen Stall. Werner Muri: «Da kann ich in den Sonntagskleidern zu den Tieren, und man merkt nachher nichts.» Auch die Arbeitsabläufe seien wesentlich einfacher.

Die Kühe ihrerseits schätzen die grosse Bewegungsfreiheit in der als Laufstall eingerichteten Halle. Weil es keine Stützen braucht, ist viel Platz vorhanden.

Zur Komfort-Inneneinrichtung gehören gepolsterte Liegeflächen, und die Gummilaufbahnen im vier Meter breiten Laufgang erleichtern den Tieren das Gehen. Dank der neuen Futterkrippe können die Kühe besser fressen und die Landwirte einfacher Futter einfüllen.

An drei Bürstenstationen holen sich die Kühe eine Massage, wann immer sie wollen: Auf Druck hin beginnen die Bürsten automatisch zu rotieren - «Wellness für Kühe eben», sagt Werner Muri.

Mittlerweile sei das Interesse am neuen Stall in der Branche gestiegen. Dazu beigetragen haben dürfte auch, dass die Halle bereits ausgezeichnet wurde: Beim Emmi Innovationspreis 2006 erreichte das Projekt den zweiten Platz.

(sda)