Fischer entsetzt

16. April 2019 19:14; Akt: 16.04.2019 19:14 Print

Ekel-Güsel landet oft ungefiltert in Gewässern

Watte, Binden, Zigarettenschachteln: Viel Güsel landet nach starken Regenfällen in Gewässern. Der Fischereiverband ist entsetzt und fordert Massnahmen.

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Bei starkem Regen «kommt es in den Kläranlagen zu einer Sauerei und alle schauen weg», schimpft Markus Fischer, Präsident des Fischereiverbandes Kanton Luzern (FKL). An der Delegiertenversammlung des FKL kritisierte Fischer kürzlich «den Dreck, der bei und nach Regen ungehindert Kläranlagen passiert und in die Gewässer fliesst.»

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Viel Güsel und Mikroverunreinigungen

«Das einzige, was mich erstaunt, ist der fehlende Aufschrei der Bevölkerung», so der Präsident. Schliesslich sei die Bevölkerung von dem Problem direkt betroffen: «Wer im Luzerner Lido badet, meint, er schwimme in sauberem Wasser.»

Doch der Badegast sehe nicht, «was nach einem Gewitter der Würzenbach an Binden, Zigarettenschachteln oder Watte ungehindert in den Vierwaldstättersee spült, ganz zu schweigen von den Mikroverunreinigungen.»

Meldungen mit wüsten Bildern aus dem ganzen Kanton

Grund für die Verschmutzungen: «Die Kläranlagen sind zu wenig ausgebaut.» Wenn es viel regnet und dementsprechend Wasser anfällt, würden die Regenbecken der Kläranlagen überlaufen. Die sogenannte Überlastmenge fliesse dann ungefiltert in die Gewässer.

Das ist laut Fischer nicht nur das Problem einer einzelnen Anlage. «Wir kriegen von Fischern aus dem ganzen Kanton Meldungen mit wüsten Bildern, von der Suhre über Rothenburg bis zum Würzenbach.»

«Das können wir nicht akzeptieren»

In den letzten zwei Jahren hätten sowohl der Verband als auch örtliche Fischpächter immer wieder auf das Problem hingewiesen – ohne Erfolg: «Sowohl beim Kanton wie bei den Gemeinden reagiert man mit Achselzucken, das sei halt so», sagt Fischer.

Offenbar wolle man das Problem aussitzen, ja verheimlichen, heisst es in einer Mitteilung des FKL. «Das können wir nicht akzeptieren», findet Fischer. «Die Fischer fordern die kantonale Verwaltung und die Gemeinden auf, hinzustehen, das Problem beim Namen zu nennen und zu handeln.»

Verbesserung braucht Zeit und Geld

Beim Kanton ist man sich bewusst, dass Handlungsbedarf besteht, wie Patrick Graf auf Anfrage sagt: «Das ist auf jeden Fall ein Thema», sagt der Teamleiter Abwasser bei der Dienststelle Umwelt und Energie.

In neueren Quartieren besteht laut Graf schon heute ein getrenntes System: «Das Regenwasser fliesst in Gewässer ab, das Abwasser wird zu den Kläranlagen geleitet.» In älteren Quartieren gebe es hingegen ein Mischsystem. «Jedes Gebäude mit zwei getrennten Abläufen nachzurüsten, würde sehr viel Zeit und entsprechend auch Geld benötigen.» Sicher könnten da und dort Regenbecken vergrössert werden, aber auch das verursache Kosten und sei nicht in jedem Fall sinnvoll.

Bevölkerung ist mitschuldig

Die Umsetzung der Massnahmen ist Sache der Gemeinden: «Sie sind laufend daran, die Situation zu verbessern», sagt Graf. «Der Handlungsbedarf, aber auch das Bewusstsein, ist nicht bei allen Gemeinden gleich gross.» Der Kanton versuche bei den Gemeinden Überzeugungsarbeit zu leisten, damit diese die Projekte rasch vorantreiben.

In Seen müssten sich Schwimmer aber deswegen keine Sorgen machen. «Die Badewasserqualität ist grossmehrheitlich sehr gut», sagt Graf. Es sei aber trotzdem das Ziel, das möglichst wenig Abfall ins Wasser gelangt: «Dass Binden oder Zigarettenschachteln dort landen, dürfte sowieso nicht passieren, da diese gar nicht in die Kanalisation gehören. Hier ist auch die Bevölkerung dazu angehalten, sich korrekt zu verhalten.»

(gwa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A.Santiago am 16.04.2019 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist in der Kläranlage auch so

    Ich habe vor ca. 5 Jahre mit dem Arbeitgeber den Firmenausflug zu Kläranlage der Stadt Zürich gemacht. Dort wurde uns gesagt, dass bei starken Regen wenn die Kläranlage das Abwasser nicht mehr aufnehmen kann, das ungeklärte Wasser direkt in die Limmat geleitet wird.

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  • ella78 am 16.04.2019 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider...

    sorry.. nix's neus wahr schon vor 30 Jahren schon...

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  • Anna am 17.04.2019 00:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abfall

    In der letzten Woche sind mir 3 leere Zigaretten Packungen am Boden begegnet. Warum entsorgt man diese nicht? Dann noch in einer Siedlung. Diese Gleichgültigkeit regt mich so auf!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gero F am 19.04.2019 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wird noch schlimmer

    Nur abwarten bis die Verhütungsmittel (Kondome) sowie Binden und Tampoons gratis resp. zu Lasten der Allgemeinheit abgegeben werdendann wirds noch schlimmer.

  • hubsy2005 am 17.04.2019 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Fischers Fritze

    Solange die Fischer tagtäglich kistenweise Fische aus dem See ziehen, wird es ja wohl nicht so krass sein mit der Seeverschmutzung. Das kantonale Laboratorium gibt auch Jahr für Jahr nur positive Rückmeldungen, was die Qualität des Wassers vom Vierwaldstättersee anbelangt.

  • Tomi am 17.04.2019 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Manchmal auch zu sauber

    Das ist auch ein grosses Problem, die Badqualität ist sehr gut. Was sollen die Fische in klinisch sauberem Wasser essen.

  • Martial2 am 17.04.2019 14:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kaum zu glauben...

    - Verbesserungen brauchen Zeit und Gel -! 1. Wenn man nicht jedes Mal alles schubladisiert kann es sehr schnellen gehen. 2. Kantonen und Gemeinden bekommen genug Steuergelder, ergo das Geld ist da. 3. Wenn man schon Kläranlagen baut sollten sie zeitgemäss sein mit der modernsten Technik und genug Kapazität. Man kommt sich manchmal vor wie in die Drittwelt in Afrika...!

  • Martial2 am 17.04.2019 14:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jauche git's ab und zu auch...

    Das sollte die moderne Schweizer Technik sein? In Indien sieht der Ganges nicht viel schlimmer aus... Und das im XXI Jahrhundert!!